Am 20. April 2018 hatte sich der DJ das Leben genommen, gut zwei Jahre später sprach seine Mutter erstmals über den Suizid ihres Sohnes und hofft, dass sie andere Eltern vor solch einem Schicksal beschützen kann.

Avicii.jpg

Credit: Richard Ecclestone / GettyImages

RIP Avicii
Tim Bergling war gerade einmal 28 Jahre jung, als er sich am 20. April 2018 aus einem Akt der Verzweiflung in seinem Hotel in Muskat, Oman das Leben genommen hatte. Der schwedische Superstar, welcher Milliarden von Menschen weltweit mit seinen Remixen und Tracks zum Tanzen gebracht hatte, war in den frühen Morgenstunden nach Schnittverletzungen verblutet. Seine Familie nahm mit folgenden offiziellen Statements Abschied von Avicii:

“Wir möchten euch gerne für eure Unterstützung und die liebevollen Worte über unseren Sohn und Bruder danken. Wir sind so dankbar für jeden, der Tims Musik geliebt und zu seinen Songs wertvolle Erinnerungen hat. Vielen Dank für all die Initiativen zu Ehren von Tim, öffentliche Versammlungen, Kirchenglocken, die zu seiner Musik läuten, Tribute beim Coachella Festival und Schweigeminuten auf der ganzen Welt. Wir sind dankbar für die Privatsphäre während dieser schwierigen Zeit. Unser Wunsch ist es, dass dies weiterhin so bleibt. Mit Liebe, die Tim Bergling-Familie

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

A post shared by aviciier_pl (@olivia_bergling) on

Beerdigung und Projekte
Avicii selbst wurde im Kreise der Familie in Schweden beigesetzt, seine Eltern hatten im Anschluss daran eine digitale Gedenkstätte errichtet und an seinen letzten Projekten gearbeitet. Ein posthumes Album und ein Online-Game kamen in den Monaten nach dem Suizid des DJs auf den Markt, wobei der Großteil der Einnahmen in die gegründete “Tim Bergling Stiftung” flossen.

“Die 'Tim Bergling Stiftung’ wird sich auf die Unterstützung von Menschen und Organisationen fokussieren, die im Bereich psychischer Erkrankungen und der Selbstmordprävention tätig sind”, zitierte das “Variety”-Magazin die offizielle Pressemitteilung. "Tim wollte etwas verändern. Eine Stiftung in seinem Namen zu gründen ist unsere Art, sein Andenken zu ehren und weiterhin in seinem Sinne zu handeln.”

Doch kein Selbstmord?
Aviciis Vater Klas sprach bereits im vergangenen Jahr mit den Journalisten von CNN und geht davon aus, dass sich sein Sohn nicht selbst das Leben genommen hatte. “Er war sehr introvertiert. Oft wollte er einfach nur reden, seine Freunde treffen. Aber natürlich waren da viele Leute, die ihn auf Partys sehen wollten. Wenn man ein bekannter DJ ist, dann muss man eben auch Sachen machen, die man nicht gerne mag. Ich habe oft stundenlang mit ihm über seine Gedanken, sein Leben und Liebe gesprochen. Wenn es ihm schlecht ging, hat er mich angerufen. Er war immer bereit zu reden und er wirkte bis zu seinem Tod glücklich”, sagte Bergling und schließt einen geplanten Selbstmord aus. “Wenn man aber extrem glücklich ist, neigt man schneller dazu, unglücklich zu sein. Die kleinsten Dinge können einen traurig machen oder das innere Gleichgewicht verschieben. […] Das ständige Reisen, Warten am Flughäfen und die langen Nächte, das verlangt einem viel ab. […] Unsere Theorie ist, dass er den Suizid nicht geplant hat. Es war mehr wie ein Verkehrsunfall.

Mutter meldet sich erstmals zu Wort
Aviciis Mutter - Schauspielerin Anki Lidén - hat sich gut zwei Jahre nach dem Tod ihres Kindes erstmals zu Wort gemeldet und gegenüber der schwedischen Zeitung “Aftonbladet” gestanden, dass es die “schwerste Zeit in ihrem Leben” gewesen war und sie noch immer nicht darüber hinweg sei. “Es war traumatisch. Ich war vom Schock wie betäubt. Es war zudem auch turbulent, weil so viele Dinge folgten. […] Wir spürten die Liebe zu Tim. Es kamen Briefe aus der ganzen Welt, in der die Menschen schrieben, was Tim ihnen bedeutet hat. Ich fühlte eine große Dankbarkeit.”

Die Trauer, so sagte die 73-Jährige, sei auch heute noch immer gegenwärtig. Mithilfe ihrer Stiftung möchte sie andere Eltern vor solch einem Schicksal bewahren und scheint sich selber in die Arbeit zu vertiefen oder sich anderweitig ablenken wollen. “Ich habe alle Streamingdienste, die man haben kann, Netflix usw. Ich habe mir alles Mögliche angeschaut, um abschalten zu können. So konnte ich der Realität für einige Zeit entfliehen. […] Ich kann manchmal immer noch nicht fassen, dass er weg ist. Manchmal geht es mir heute viel schlechter als damals kurz nach seinem Tod. […] Ein Kind zu verlieren ist einfach schrecklich. Der Schock und das Trauma sitzen tief.”

Du bist nicht allein
Sollte auch Dein Alltag von negativen Gedanken geprägt sein, denke immer daran, dass Du nicht allein bist. Spreche über Deine Probleme und vertraue Dich Personen an, die Dir helfen wollen und können:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222
Kinder- und Jugendtelefon: Unter 0800 -11 6 111 oder 0800 – 111 0 333