Nachdem Rammstein das Band “100 Gedichte” veröffentlichte, sorgte der Frontmann für heftige Kritik und wurde schließlich vom Verlag in Schutz genommen.

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Ein Skandal nach dem anderen
Wer sich mit dem Künstler Till Lindemann schon eimal genauer auseinandergesetzt hat, wird festgestellt haben, dass es für ihn scheinbar kein Tabu gibt. Ob er mit toten Fischresten seine Zuschauer beworfen, einem Aal unter Wasser den Kopf abgebissen oder eine Frau für ein Video oral befriedigt hatte - der Frontmann von Rammstein kennt keine Grenzen. Doch nicht nur auf der Bühne und in seinen Clips scheint der 57-Jährige über die Stränge zu schlagen und dadurch negative Schlagzeilen zu schreiben, auch mit seinen eigenen Gedichten zieht er den Zorn von einigen Fans und Hatern auf sich.

Rammstein veröffentlichte zum Bespiel den Band “100 Gedichte”, welcher vom Verlag Kiepenheuer & Witsch herausgegeben worden war. Doch so ganz den Geschmack aller Supporter scheint der Musiker mit dem Werk nicht getroffen zu haben. Stattdessen wurde das sprachliche Kunstwerk in Versen, welches auf den Namen “Wenn du schläfst” hört und auf Seite 160 zu finden ist, auseinandergenommen und scharf kritisiert. Nachfolgende Zeilen werfen Fragen auf:

“Ich schlafe gerne mit dir, wenn du schläfst.
Wenn du dich überhaupt nicht regst.
Mund ist offen, Augen zu. Der ganze Körper ist in Ruhe.
Kann dich überall anfassen.
Schlaf gerne mit dir, wenn du träumst.
Und genau so soll das sein (so soll das sein so macht es Spaß).
Etwas Rohypnol im Wein (etwas Rohypnol ins Glas).
Kannst dich gar nicht mehr bewegen. Und du schläfst, es ist ein Segen.”

Lindemann selbst soll demnach seine eigenen Vergewaltigungsfantasien aufgeschrieben und dadurch seine treuen Fans sprachlos gemacht haben. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch meldete sich derweil bereits zu Wort und nahm den Künstler in Schutz: “Die moralische Empörung über den Text dieses Gedichts basiert auf einer Verwechslung des fiktionalen Sprechers, dem sogenannten ‘lyrischen Ich’, mit dem Autor Till Lindemann", erklärte Helge Malchow auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland. “Die Differenz zwischen lyrischem Ich und Autor ist aber konstitutiv für jede Lektüre von Lyrik wie von Literatur allgemein und gilt für alle Gedichte des Bandes wie für Lyrik überhaupt. […] Dass der im Gedicht dargestellte Vorgang unter moralischen Gesichtspunkten zutiefst verwerflich ist, ist eine Selbstverständlichkeit und erlaubt keine persönliche Diffamierung des Autors”, fügte der Editor-at-large beim KiWi-Verlag abschließend hinzu.

Dies soll im Übrigen nicht das einzige Gedicht sein, welches Fragen aufgeworfen hatte. Zudem gibt es Reime über den Besuch einer Bahnhofstoilette, dem Fleischessen, übers Pickelausdrücken und das fehlende Begehren für die eigene Frau …