Die britischen Jungs wollen ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren und werden von Experten kritisiert.

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Neue Tour für 2022
Nach dem Release ihres Albums “Everyday Life” im November 2019 erklärte Chris Martin von Coldplay, dass erst einmal keine Konzertreise geplant sei. Er fügte hinzu, dass “alle Shows umweldfreundlicher” gestaltet werden müssen und sagte gegenüber den BBC-News: “Wir werden keine Tournee machen. Wir nehmen uns im nächsten Jahr oder den nächsten zwei Jahren Zeit, um herauszufinden, wie wir unsere Konzertreise umweltfreundlicher und vorteilhafter gestalten können. Wir alle müssen herausfinden, wie wir am besten unseren Job machen und positive Auswirkungen [kreieren können]. […] Unsere nächste Tour wird die bestmögliche Version einer solchen ‘Umwelttour’ sein. Wir wären enttäuscht, wenn es nicht klimaneutral wäre. Das Schwierigste ist das Fliegen. Zum Beispiel ist es unser Traum, eine Show auf die Beine zu stellen, für welche kein Plastik benötigt wird - eine Show, die größtenteils mit Solarenergie betrieben wird. Wir sind schon häufiger um die Welt gejettet. Wie können wir dies verändern, sodass wir nicht so viel [von der Umwelt] nehmen und ihr stattdessen zurückgeben?”

Doch Fans müssen nicht allzu lange warten: Coldplay veröffentlichte im Oktober 2021 ihr Nummer-eins-Album “Music of the Spheres” und kündigte ebenfalls eine dazu passende Weltreise an. Gleich vier Shows spielen sie im Juli 2022 in Deutschland und sagten dazu: “Live zu spielen und die Verbindung zu den Menschen zu finden, ist letztendlich der Grund, warum wir als Band existieren. Wir haben diese Tournee seit Jahren geplant und freuen uns sehr darauf, Songs aus unserer gesamten gemeinsamen Zeit zu spielen. […] Gleichzeitig sind wir uns sehr bewusst, dass unser Planet vor einer Klimakrise steht. Deshalb haben wir die letzten zwei Jahre damit verbracht, uns mit Umweltexperten zu beraten, um diese Tournee so nachhaltig wie möglich zu gestalten und, was genauso wichtig ist, das Potenzial der Tournee zu nutzen, um die Dinge voranzutreiben. Wir werden nicht alles richtig machen, aber wir sind entschlossen, alles zu tun, was wir können und hoffen darauf, dass wir das Erlernte [mit unseren Fans] teilen können. Wir werden noch mehr auf dem Weg lernen und wir sind wirklich dankbar für die Hilfe, die wir bisher hatten.”

Laut Coldplay werden sie demnach für jede verkaufte Karte einen Baum pflanzen und “jede Show soll zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie auf die Beine gestellt werden”. Auch ihre Beleuchtung und der Sound soll von der ersten mobilen, wiederaufladbaren Show-Batterie betrieben werden.

Greenwashing?!
Für ihre “Music of the Spheres”-Tournee kollaboriert Coldplay mit Neste, der erneuerbare und kohlenstoffarme Treibstoffe für die Flugzeuge und die LKWs liefert, die die Band und ihre Bühne transportieren. Der finnische Ölkonzern behauptet unterdes, dass sie “Coldplay mit der notwendigen Menge an erneuerbaren Brennstoffen versorgen – hergestellt aus 100 erneuerbaren Rohstoffen”. Doch Experten sagen etwas anderes und weisen darauf hin, dass Neste für das Greenwashing, dem Versuch, sich “durch Geldspenden für ökologische Projekte, PR-Maßnahmen als besonders umweltbewusst und umweltfreundlich darzustellen”, bekannt sei. Ihre Marketingstrategie sei es demnach, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass ihre Arbeit im Einklang mit dem Planeten ist, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist.

Laut einem Bericht von Profundo, Friends of the Earth Niederlande und die britische Guardian ist Neste der weltweit führende Produzent von Biokraftstoff. Ebenfalls werden die Palmöl-Lieferanten von Neste zwischen 2019 und 2020 nicht nur für die Entwaldung von mehr als 10.000 Hektar Land verantwortlich gemacht, sie sollen auch in Verbindung mit Kontroversen wie Waldbrände, Landkonflikte und unethische Arbeit stehen. Der finnische Konzern soll allein in 2019 circa 1,3 Millionen Tonnen Palmöl und Palmöl-Produkte verarbeitet haben …

Die Jungs von Coldplay selbst veröffentlichten Mitte Mai 2022 ein Statement auf ihrer Website und erklärten, dass sie “ihr Bestes versuchen wollen, den Planeten während er Welttournee zu schätzen”. Sie fügten hinzu: “Bevor wir Neste zum Lieferanten dieser Biokraftstoffprodukte ernannt haben, haben wir von der Firma die Garantie erhalten, dass sie keine neuen Materialien in ihrer Produktion verwenden – insbesondere kein Palmöl. Wir gehen immer noch davon aus, dass sie nur erneuerbare Abfallprodukte wie Speiseöl und Nebenprodukte aus der Zellstoffherstellung verwenden.”