Der Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger findet ein Ende, doch der Musiker selbst will keine Aussage tätigen.

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Prozess startete
“Bei diesem Fall geht es nicht um einen Prominenten, der gern feiert. Hier geht es um ein Raubtier [ein Begriff, der in den USA häufig für Sexualstraftäter verwendet wird]“, erklärte die stellvertretende Bundesstaatsanwältin Maria Cruz Melendez in ihrem Eröffnungsplädoyer gegen R. Kelly Mitte August 2021. Sie sagte weiter, dass Kelly “ein Mann [sei], der Lügen, Manipulation, Bedrohungen und körperlichen Missbrauch eingesetzt hat, um seine Opfer zu dominieren und sich jahrelang der Verantwortung dafür zu entziehen”.

R Kellys Juristin Nicole Blank Becker entgegnete daraufhin, dass ihr Mandant kein Monster, sondern das eigentliche Opfer sei - obwohl er vor Gericht steht und rund zehn Gegenkläger:innen ihn der Lügen, Manipulation, Drohungen und des körperlichen Missbrauchs bezichtigten. “Die mutmaßlichen Opfer waren Fans, die freiwillig zu ihm kamen. Sie wussten genau, was sie erwartet. Es war kein Geheimnis, dass Herr Kelly viele Freundinnen hatte. […] Sie werden so viele Unwahrheiten hören, liebe Damen und Herren, dass selbst die Anklage nicht in der Lage sein wird, das Netz von Lügen zu entwirren”, so Becker.

Grausame Details
In den darauffolgenden Wochen tagte das Gericht in New York unzählige Male und ließ diverse Männer und Frauen in den Zeugenstand, welche während ihrer Jugend auf den Musiker stießen. Dabei kamen grausame Details ans Licht, welche selbst mit Beweismitteln aus den 1990er Jahren untermalt worden waren. “Er hat mich gebeten, weiterhin allen zu erzählen, dass ich 19 bin und mich so zu verhalten, als wäre ich 21”, so Jerhonda Pace, die erste von sechs mutmaßlichen Opfern, welche zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 16 Jahre alt war. Ebenfalls soll der Angeklagte angekündigt haben, sie “sexuell zu trainieren”.

“Er schlug mich und würgte mich, bis ich ohnmächtig wurde”, sagte sie unter Tränen und fügte abschließend hinzu, dass sie ungefragt gefilmt worden war und mit anderen Personen schlafen musste.

Keine Aussage
Mittlerweile kommt der Prozess in New York zum Ende, die Schlussplädoyers haben begonnen. Staatsanwältin Elizabeth Geddes kam zum Schluss, dass der R’n’B-Star “Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch” benutzte, um über drei Jahrzehnte hinweg ungestraft männlich und weibliche Teenager zu missbrauchen. Doch im Alleingang soll er nicht gehandelt und mehrere Teammitglieder dessen haben, welche systematisch seine mutmaßlichen Opfer rekrutierten. “Ohne sie hätte der Angeklagte sein Verbrechensmuster nicht fast drei Jahrzehnte lang ausüben können”, so die Staatsanwältin.

R. Kelly selbst hat die Aussage verweigert und sich während des gesamten Prozesses nicht zu Wort gemeldet. Seine Verteidigerin plädiert auch weiterhin auf unschuldig, eine Jury aus zwölf Geschworenen - sieben Männern und fünf Frauen - wird sich in den kommenden Tagen zusammensetzen und ihr Urteil fällen.