Billie Eilish, Nas, Cossu, Celina Bostic und Pharrell Williams sind 2020 nur vier Künstler, die mit ihren Songs auf Missstände in der Welt hinweisen. Wir zeigen Euch die vier Titel, die Ihr gehört haben solltet.
 
Lyrics, die gehört gehören

Credit: Charles Deluvio/Unsplash

 Auflehnen gegen bestehende Systeme 
2020 ist nicht nur das Jahr der Pandemie und das Jahr, indem Kinder und Jugendliche auf die Straße gehen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren, sondern auch das Jahr, indem Musiker ihre Stimme gegen Rassismus und Chancenungleichheit erheben. Gesellschaftskritische Texte liefert die Musikindustrie seit Jahren - doch selten kamen sie von Pop-Künstlern, die keine Nischensongs produzierten, sondern mit ihren Titeln auf Platz 1 der Charts landeten. Und selten ging es in Stücken, die auf Missstände hinweisen, weniger um Radiotauglichkeit, als um einen Aufschrei und ein Auflehnen gegen bestehende Systeme. 

 Gegen Rassismus und Chancenungleichheit 
Wir erinnern uns an George Floyd, auf dessen Hals ein Polizeibeamter mehr als neun Minuten kniete und ihm so die Luft abschnürte, an die Notfallsanitäterin Breonna Taylor, die während eines Schusswechsels mit der Polizei in ihrem eigenen Haus erschossen wurde, an den sechsfachen Vater Jacob Blake, dem ein Polizist vor den Augen seiner Kinder sieben Mal in den Rücken schoss und der seither Querschnittsgelähmt in einem Krankenhaus liegt.  

Es sind die Namen der Menschen, die nur ein paar der vielen Afro-Amerikaner ausmachen, die aufgrund von Polizeigewalt und Amtsmissbrauch den Tod fanden. Die "Black Lives Matter"-Demonstrationen sind größer und stärker denn je, gerade auch, weil US-Präsident Donald Trump das Problem der Polizeigewalt gegen Schwarze in einem Gespräch mit dem Sender CBS relativiert. Dort wies Trump darauf hin, dass Weiße häufiger durch Polizisten getötet würden. Tatsächlich sind laut einer Datensammlung der Washington Post seit 2015 2.499 Weiße bei Polizeieinsätzen ums Leben gekommen. Ihnen gegenüber stehen 1.301 Schwarze. Mit der Bevölkerungszahl ins Verhältnis gesetzt verkehrt sich das Bild indes ins Gegenteil, wie die Statista-Grafik zeigt. Dann stehen 31 getötete Schwarze je eine Million Menschen dieser Bevölkerungsgruppe 13 getöteten Weißen gegenüber.

Eine ungewisse Zukunft, Unruhen, Krawalle, Ungleichheiten - all diese Themen behandeln diese vier Musiker in ihren Songs, die treffender nicht sein könnten. Wir möchten Euch deshalb die Titel von Nas, Billie Eilish, Pharrell Williams und Cossu vorstellen, die Ihr 2020 gehört haben solltet. 

1. Billie Eilish: My Future 
Schon der Titel lässt erahnen, worin es in Billie Eilish neuestem Werk geht. Augenscheinlich besingt die 18-Jährige die Liebe zu sich selbst und dass sie keine zwischenmenschliche Beziehung brauche, sondern zu sich selbst finden möchte und sich deshalb auf ihre Zukunft freue. Jedoch bezieht sich Eilish, die "My Future" zusammen mit ihrem Bruder Finneas geschrieben hat, auch auf die Unruhen in den USA und den anstehenden Wahlkampf. Ihren Fokus legt Eilish in "My Future" nicht rein auf ihre eigene Zukunft - vielmehr geht es der Singer-Songwriterin in ihrem Stück darum, die Menschen wachzurütteln und etwas für eine glückliche Zukunft zu tun. Deutlich macht sie das in einer E-Mail an ihre Fans: "Wir müssen weiter für das kämpfen, was wir für richtig halten. Wir müssen wählen. Wir müssen uns um die Erde kümmern. Wir müssen für Black Lives Matter kämpfen." 

 2. Nas: 10 Points und King's Disease 
Er ist und bleibt einer der größten Rapkünstler der 90er und frühen 2000er Jahre: Nas. Bereits früh bewies der heute 46-Jährige, dass er seine Stimme dazu nutzt, Kritik an der Gesellschaft zu üben. Eine seiner größten politisch geprägten Platten ist das namenlose Album, das der Musiker 2008 vor der Wahl Obamas zum US-Präsidenten herausbrachte. Mit Release seines Überraschungsalbums "King's Disease", das am 21. August 2020 erschienen ist, liefert Nas nun abermals 13 Tracks ab, die Gehör finden sollten und der schwarzen Kultur gewidmet sind. Die Inspiration für "10 Points" und dem gleichnamigen Titel "King's Disease" lieferten die "Black Lives Matter"-Demos in den USA.

Erst kürzlich releaste Nas mit "King's Desease" einen gesellschaftskritischen Song

Credit: Erika Goldring/GettyImages

"Als wären wir nicht klug genug" 
So macht Nas in "10 Points" deutlich, dass er niemandem trauen kann und er als schwarzer Rapper täglich mit Klischees konfrontiert wird, die nicht einmal auf ihn zutreffen. So heißt es unter anderem: "America the beautiful, gangsta's paradise / For a black man to be rich, you say we sacrifice our own family members / Like we're not savvy enough to make outstanding figures" [dt.: "Amerika, das schöne Paradies für Gangster. Wenn man als schwarzer Mann Reichtum erlangt, sagen sie, man würde dafür seine eigenen Familienmitglieder opfern. Als wären wir nicht klug genug, überdurchschnittlich sein zu können."]. In "King's Disease" wirft Nas die Frage auf, ob er als Afro-Amerikaner in Amerika einfach nur existieren darf, ohne dabei in Lebensgefahr zu geraten: "Also, darf ich atmen? Darf ich gehen? Darf ich sprechen? Darf ich reden? Darf ich angeben, ohne dass du willst, dass meine Umrisse mit Kreide nachgezogen werden?"

 3. Cossu: Ich bin George Floyd 

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Credit: William Krause / bigFM

Auch deutschsprachige Künstler wie Teesy oder Cossu schließen sich der "Black Lives Matter"-Bewegung an. Letzterer lieferte mit "Ich bin George Floyd" ein bewegendes Stück deutscher Hip-Hop-Kultur. So singt Cossu in seinem Track: "Jeden Tag werden Brüder erschossen - nur weil viele uns hassen / Sie teilen uns in Rassen, niedere Klassen, auf Kamera wie mich die Geister verlassen / Ich hör wie sie sagen: Rassismus wär kein strukturelles Problem / Ich kann nicht atmen, alles tut weh, du wirst mich töten: Realität". 

 4. Pharrell Williams ft. Jay-Z: Entrepreneur 
Wenn sich Pharrell Williams mit Jay-Z zusammentut, kann eigentlich nur ein grandioses Werk dabei entstehen. So geschehen 2000 mit "Frontin'", wiederholt 2020. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich ist es den beiden Musik-Urgesteinen abermals gelungen, einen radiotauglichen, aber auch sozialkritischen Track zu kreieren - heraus kam dabei "Entrepreneur", also Unternehmer. Und genau davon handelt der 4:18 Minuten lange Song. Jay-Z und Pharrell Williams sind zwei der erfolgreichsten schwarzen Musiker und Unternehmer unserer Zeit - durch harte Arbeit erlangt, nutzen sie ihren Ruhm heute, um kritischen Themen eine Stimme zu verleihen. Dass Afro-Amerikaner erfolgreich sein können, ist auch in 2020 leider keine Selbstverständlichkeit - Chancenungleichheiten und Vorurteile sind an der Tagesordnung.
 

Jay-Z und Pharrell Williams vermitteln mit "Entrepreneur" eine wichtige Botschaft

Credit: Kevin Mazur / GettyImages

 "Systematische Nachteile und zielgerichtete Blockaden" 
"Von Anfang an wollten wir zeigen, wie hart es ist, Unternehmer in unserem Land zu sein. Besonders als schwarzer Mensch gibt es viele systemischen Nachteile und zielgerichtete Blockaden. Wie kann man ein Feuer lodern lassen - oder auch nur die Hoffnung auf eine glühende Glut entfachen - wenn man von Beginn an mit Nachteilen in Bezug auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Repräsentation konfrontiert wird?" "Entrepreneur" ist Teil einer "TIME"-Ausgabe mit dem Titel "The New American Revolution". Die kuratierten Inhalte, die Essays und Interviews von und mit schwarzen Unternehmern beinhalten, wurden von Pharrell Williams selbst zusammengetragen.

 6. Celina Bostic: Nie wieder leise 
Celina Bostic verschafft sich mit ihrer neuen Single "Nie wieder leise" endlich Gehör - nicht nur musikalisch schafft die Berlinerin mit ihrem Track über Rassismus einen Durchbruch, auch inhaltlich ist sie alles andere als leise. Nie wieder wolle Bostic über Witze auf ihre Kosten lachen, nie wieder leise sein und sich auf die Zunge beißen. Das Ziel der Singer-Songwriterin, die bereits als Background-Sängerin für Farin Urlaub, Udo Lindenberg oder Max Herre gearbeitet hat, ist es, mit ihrer eigenen Geschichte als Schwarze Frau in Deutschland andere Menschen "zu empowern und aufzurütteln". Im Videoclip zum Track, der am 27. August veröffentlicht wurde, wird die 40-Jährige von anderen Musikgrößen mit Migrationshintergrund supportet. Die Botschaft "wir sind nie wieder leise" wird im Visual unter anderem mit Auftritten von Samy Deluxe, Nura, Nikeata Thompson und Teddy Teclebrhan verdeutlicht. 

Nie wieder leise von Celina Bostic

Credit: Jan von Holleben/recordJet

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