Wenige Tage nach dem Terroranschlag in Hanau haben sich diverse Deutsch-Rapper bei allen Fans zu Wort gemeldet und den Opfern ihren Tribut gezollt.

Police-gather-near-the-scene-of-a-shooting-in-Hanau.jpg

Credit: Yann Schreiber / AFP

Was ist in Hanau passiert?
In der hessischen Stadt östlich von Offenbach am Main fielen am späten Abend des 19. Februar 2020 an mehreren Orten in dem Bezirk Schüsse. Wie die Polizei bestätigte, mussten elf Menschen ihr Leben lassen, weitere fünf wurden schwer verletzt. Auch der mutmaßliche Täter ist unter den Toten, welcher aus rechtsradikalen und rassistischen Motiven auf Passanten mit ausländischen Wurzeln erschossen hatte. Der 43-jährige Deutsche soll Mitglied im Schießverein gewesen sein, laut der “Hessenschau” häufiger “wirre Verschwörungstheorien” geäußert haben, war psychisch krank und hatte dennoch “legal zwei Waffen besessen”. Unter den Opfern befand sich ebenfalls seine eigene Mutter, welche von dem Täter umgebracht worden war.

“Hanau ist die Stadt der Migration. Dass so eine Tat in dieser Stadt passiert ist, macht uns alle unfassbar wütend, unfassbar traurig. Wir wissen, dass diese Tat einen Nährboden hatte. Und dafür brauchen wir eine solidarische Gesellschaft, eine Gesellschaft, die sagt: Wir akzeptieren das nicht und es reicht”, sagte Bündnis-Sprecherin Newroz Duman.

Doch nicht nur Duman hat sich bislang zu dem Anschlag öffentlich zu Wort gemeldet, auch Deutsch-Rapper Apache 207 lenkte die Aufmerksamkeit von Millionen von Menschen auf die Stadt und zollte allen Opfern seinen Tribut: Mit seinem TV-Debüt und der Premiere seiner brandneuen Single “Matrix” bei Late Night Berlin trug der aus Ludwigshafen am Rhein stammende Künstler ein Shirt mit den Worten “PRAY FOR HANAU” - auf Deutsch: “Betet für Hanau” - und wurde für diesen Move von seinen Fans gefeiert.

Die Performance kannst Du Dir hier noch einmal anschauen:

Rapper sagen ihre Meinung
Apache 207 war dennoch nicht der einzige deutschsprachige Künstler, welcher ein Statement machte. Auch Sinan-G äußerte sich in seiner Instagram-Story und erklärte: “8 Tote in Hanau bei einer Schießerei. Unglaublich. Ich wünsche den Familien viel Kraft und mein herzliches Beileid. Mögen die Täter schnell gefasst werden.”

Manuellsen ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach über den traurigen Vorfall während einer seiner Shows Ende Februar. “Jeder der ein Rassist ist und auf meinem Konzert ist, jeder der ein Faschist ist und auf meinem Konzert ist – Ich f*cke eure Mütter! […] Ich will, dass ihr immer für die schwächeren da seid. Ich will dass ihr alle Rassisten bekämpft, egal wo ihr sie seht”, erklärte der Deutsch-Rapper von der Bühne aus, während Capital Bra folgende Worte veröffentlichte:

Capital-Bra-Hanau.PNG

Credit: CapitalBra / Instagram

Auch PA Sports konnte seine Fassungslosigkeit nicht mehr für sich behalten und veröffentlichte ein emotionales Statement. “Ich bin kein blinder Ausländer, der sich permanent in der Opferrolle sieht. Genauso wenig bin ich ein blinder Deutscher, der sich permanent von Zuwanderung und Ausländern bedroht fühlt. Ich bin einfach nur ein Mensch, der probiert das große Ganze, so gut es geht zu überblicken … und Fakt ist: Vor wenigen Tagen wurde eine rechte Terrorzelle dingfest gemacht, die geplant hatte, mehrere Moscheen anzugreifen. Gestern hat ein Rechtsradikaler elf junge Menschenleben ausgelöscht. Vor nicht all zu langer Zeit gab es rechten Terror in Halle. Wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen, dass wir hier aktuell vor einem ernstzunehmenden Problem stehen und über dieses Problem muss dringend gesprochen werden”, startete PA in seinen Post auf Instagram.

“Und im ‘demokratischen’ Deutschland werden unsere Kinder und Geschwister in Unterhaltungscafes umgebracht, weil irgendwelche Rassisten der Meinung sind, sie müssen das Abendland vor einer ganz schlimmen Bedrohung schützen”, schrieb er nieder und fügte abschließend hinzu:

PA-Sports-Hanau.png

Credit: pasports / Instagram

Erste Opfer wurden beerdigt
Ganz Deutschland blickt aktuell auf die hessische Stadt Hanau, in welcher heute die erste getötete junge Frau beigesetzt worden war. In Offenbach fand am Vormittag auf dem Neuen Friedhof die Trauerfeier für die 35-jährige zweifache Mutter Mercedes Kierpacz statt, welche in einem Kiosk im Hanauer Stadtteil Kesselstadt erschossen worden war.

Eine zentrale Trauerfeier für alle Opfer wurde unterdes bereits angekündigt und soll in Absprache mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden im März 2020 stattfinden.