Der DSDS-Juror ist sich bewusst, dass man mit “natürlichen Stimmen” nicht mehr weit kommt und rechnet mit den Chart-Erfolgen von anderen Künstlern ab.

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Credit: Mathis Wienand / GettyImages

Alles fake?!
Dieter Bohlen ist mittlerweile seit gut 35 Jahren dick im Geschäft. Mit seinem ehemaligen deutschen Pop-Gesangsduo Modern Talking konnte er über 120 Millionen Platten weltweit verkaufen, wobei die Debütsingle “You’re My Heart, You’re My Soul” über acht Millionen Abnehmer gefunden hatte. Doch richtige Instrumente und echte Stimmen kann der Produzent, DSDS-Juror und Künstler heutzutage kaum noch in Tracks wiederfinden. Stattdessen ist sich das am 7. Februar 1954 geborene Allroundtalent sicher, dass die momentanen Charts alle manipuliert sind und es richtige Gesangstalente schwer haben, einen Hit zu landen.

“Das ist ja heute keine Musik mehr in den Charts, das ist alles kalkuliert. Es ist schwer in einem Markt, wo 90 Prozent der Nummern in den Charts nur noch Autotune sind, wo kaum noch natürliche Stimmen zu hören sind. In einem Markt, wo Mariah Carey in Hamburg nur noch vor knapp 4000 Zuschauern singt und die Tournee von Céline Dion auch nicht mehr gut läuft”, sagte Bohlen im Interview mit der “BILD”-Zeitung, welcher anschließend gegen diverse Rapper stichelte. “Heute hört man in jeder Shisha Bar Sätze wie: 'Du brauchst dir das nicht anhören, lass das einfach auf Dauerschleife laufen'. Mir kann keiner erzählen, dass Titel 1,6 Millionen Mal am Tag von Leuten gestreamt werden. Die ganzen Charts sind im Moment manipuliert.”

Auch gegenüber RTL plauderte der DSDS-Juror über die Erfolgsquoten seiner Castingshow und erklärte, was für eine Strategie er verfolgen würde. “Wir ändern ständig Sachen und wir gucken uns genau an, was beim Publikum ankommt und was nicht. Dabei geht es natürlich immer darum, den Zuschauern das zu zeigen, was sie mögen. Das sind auf jeden Fall die Castings, die schon seit Anfang an megagut ankommen.”

 Manipulation der Charts
Dass die Rankings tatsächlich manipuliert werden können, haben wir bereits im Mai 2019 erfahren. Zum damaligen Zeitpunkt hatte Reporter Ilhan Coskun vom Y-Kollektiv ein YouTube-Video samt Selbstexperiment veröffentlicht: Mit einem Hacker namens Kai konnte er demnach ohne jemals zuvor einen Track releast zu haben, über Nacht über 100.000 Klicks auf seinem ersten eigenen Song verzeichnen. Passend dazu sagte der Software-Nerd, dass unzählige Größen im Game bereits Nummer-eins-Singles bei ihm gekauft hätte.

“Es kommen Manager zu mir, die mir sagen: ‘Wir haben hier gerade einen Künstler und wir haben hier 50.000 Euro. Was kannst Du damit anstellen?’ […] [Das habe ich] für die größten fünf Top-Künstler in Deutschland gemacht. Auch wenn sie es nicht wissen - ihre Manager wissen es. […] Diese Künstler können da noch nicht einmal was für, weil die Leute, die zu mir gekommen sind, die haben es im Verborgenen gemacht […] Ich kann aus dir einen Star machen. Es ist mega einfach, aus dem Nichts in die Charts zu kommen. […] Wenn du zu mir kommst und mir sagst, dass du zehn Millionen Streams brauchst, dann nehme ich Anzahlungen und rechne es mir aus. Ich rechne mir aus, wie lange und oft ich den Song hören kann und dann erstelle ich einen Preis, bevor wir einen Preis ausmachen und dann ist alles gut. […] Das einzige, was du brauchst, ist Geld und ein Lied.”

Und das Lied “8K” hatte Ilhan am Ende geliefert ...

Rund 2,7 Millionen Menschen haben sich unterdes das Experiment via YouTube angeschaut und sich ihre eigene Meinung gebildet.

Falls Du den Clip noch nicht gesehen hast, kannst Du ihn Dir hier noch einmal reinziehen: