Im November 2019 droppte RAF sein letztes Studioalbum “ZENIT” und konnte allein mit den verkauften Boxen rund zwei Millionen Euro einnehmen.

RAF-Camora-performs-live-on-stage-during-the-first-day-of-the-Lollapalooza-Berlin-.jpg

Credit: Sebastian Reuter / GettyImages

Zum Ende knallt’s
RAF Camora hat gerade die letzte Runde in seiner Karriere als Rapper eingeleitet und konnte im November 2019 seine Nummer-eins-LP “Zenit” droppen. Passend dazu gab es ebenfalls diverse Promo-Aktionen und die Ankündigung, dass er sich im Dezember 2020 aus dem Rampenlicht zurückziehen wird. Doch warum das Ganze?

“Aus Geschäfts­sicht ist es unlogisch, aufzuhören, wenn richtig Geld fließt. Aber ich bin nicht nur Geschäftsmann, sondern auch Künstler. Lass mich dir ein Beispiel geben. Ich bin großer Metallica­-Fan. Und ich erinnere mich, dass ich irgendwann gemerkt habe: Das, was Metallica darstellt, und das, was die Personen hinter Metallica sind, das passt nicht mehr zusammen. Diesen Punkt habe ich auch bei vielen anderen Künstlern beobachtet. Und ich habe mir immer gesagt: Sollte ich mal erfolgreich werden, will ich meinen Zenit auf keinen Fall überschreiten”, sagte der österreichische Rap- und Dancehall-Musiker gegenüber dem Team von “Redbull” und fügte hinzu: “Ich hör nicht auf, ich beende ein Kapitel als Künstler RAF Camora. Ich bin weiter Produzent. Ob dann auch noch meine Stimme zu hören ist, ob ich eine Band gründe, das wird sich alles zeigen. Ich lebe Musik, ich atme Musik, ich mach Musik, seit ich vier Jahre alt bin. Ich werde Musik machen, aber nicht das, was RAF Camora jetzt macht.”

Auch im bigFM-Interview mit “Deutschrap rasiert”-Host Reece sprach er über den letzten Coup, seinen Erfolgsdruck und sein Karriereende. "Es ist natürlich jetzt eh mein letztes Album. Das heißt, ich bin frei. Ich kann ab jetzt da produzieren oder dort und wenn ich will, kann ich ein Grunge-Album machen. Mir geht’s nicht mehr nur um den Erfolg. Das Spiel ist durchgespielt und ich habe heute mit Bonez schon drüber geredet. Ich meinte so: ‘Ganz ehrlich: Man darf nicht süchtig nach dem Erfolg werden.’ [Viele verpassen] den Absprung. Das ist einfach Sucht. […] Ich bin nicht mehr 25. […] Wenn die ‘ZENIT’-Phase vorbei ist, bin ich 36. […] Ich bin immer noch ein junger und stabiler Mann. Gott sei Dank! Aber: Wenn ich jetzt dann irgendwie ein Comeback oder eine Ummodelierung starten will, dann wäre ich bis zum nächsten Album 38 und es ist cool und okay. Ich will nicht ‘Ohne mein Team 2’ machen - das ist lächerlich mit Vogelbewegungen und Dings. Ist einfach nicht mehr authentisch. Es würde wahrscheinlich bis zu einem gewissen Modus funktionieren … Aber man muss auch selber in den Spiegel schauen und sich sagen können: ‘Ja, das bin ich.’ Ansonsten kann ich mich als Dracula verkleiden. Das geht nicht”, erklärte RAF. Nach der “ZENIT”-Phase möchte er demnach erst einmal eine Pause einlegen, sich vielleicht in den Urlaub verabschieden und anschließend nur noch als Produzent tätig sein.

So viel Kohle hat er mit der Box verdient
Diverse Nummer-eins-Alben, ausverkaufte Tourneen und unzählige Merchandise-Artikel später könnte Camora die Füße hochlegen und sich schon jetzt zur Ruhe setzen. Das zumindest könnte man nach dem Lesen des neuesten Interviews mit “DB MOBIL” denken, denn genau in der Februarausgabe plauderte der aus Wien stammende Rapper über seine Einnahmen und Verdienste.

”Als Künstler habe ich drei Erlösquellen: Liveauftritte, Merchandise und Tonträgerlizenzen, das umfasst Streaming, CDs und Fanboxen, wobei Streaming da einen Anteil von etwa 80 Prozent hat. Allerdings verdiene ich auch an den CD-Boxen, die ich mit besonderem Merchandise als Sammleredition anbiete. Die Box von meinem Album ‘Zenit’ habe ich in den ersten Wochen 40 000 mal verkauft, für ungefähr 60 Euro pro Stück. Das bedeutet einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Euro. Es ist aber keine goldene Regel für einen Künstler, dass er CD-Fanboxen anbieten sollte. So etwas funktioniert zum Beispiel für Bu­shido oder Kool Savas. Fans sammeln ihre Boxen. Jüngere Künstler verdienen eher durchs Streaming.”

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

A post shared by RAF Camora (@raf_camora) on

Doch wer jetzt glaubt, dass RAF unzählig viel Kohle an sein Management, Label etc. abdrücken muss, der irrt sich gewaltig: “Wenn man bei einem Major-Label ist, muss der Künstler bis zu 90 Prozent abgeben. Ich zahle nur 20 Prozent Management­gebühr und zehn Prozent Labelgebühr – und das Management und Label betreibe ich selbst, zusammen mit meinem Partner Ronny Boldt. Wir haben 40 Angestellte.”

Wie viel von den zwei Millionen Euro demnach in seine Tasche gewandert sind, kann man sich denken …