Gegenüber der österreichischen Tageszeitung “Der Standard” äußerte sich Christian “Flake” Lorenz kritisch zur deutschen Wiedervereinigung.

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Credit: Greetsia Tent / GettyImages

Was war da los?
Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Jungs von Rammstein gerne für einen internationalen Skandal sorgen und in ihren Musikvideos Grenzen überschreiten, provozieren und einfach nur anders sind. In Sachen Politik haben sie sich in der Vergangenheit meistens zurückgehalten und sorgten zuletzt im Sommer 2019 für ordentlich Gesprächsstoff. Bei ihrer Show in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main traten sie nicht nur vor 40.000 Menschen auf, sondern hatten auch eine krasse Bühnenshow samt Sondereinlage vorbereitet. Während die Gruppe ihren Hit “Engel”, der seit 1997 auf keiner Setlist fehlen durfte, spielte, begaben sich die Mitglieder der Gruppe in Schlauchboote und ließen sich über die Fanmassen zurück zur Mainstage tragen. Ein wirkliches Highlight war dies nicht - schließlich haben die “Feuer Frei”-Interpreten diesen Move schon häufiger gebracht. Während der Show in Frankfurt blieb der Frontmann jedoch auf der Hauptbühne zurück und begrüßte seine “anschwimmenden” Kollegen mit einem Schild mit der Aufschrift “WILLKOMMEN”.

Via Instagram erklärte ein Fan der Gruppe zum Schnappschuss: "Nicht das beste Foto, aber das beste Statement von Rammstein in Frankfurt. Begrüßung derjenigen, die mit dem Boot von der anderen Seite kommen. Eine kühne und leider notwendige Aussage diesmal."

Flake nennt deutsche Wiedervereinigung “eine Sauerei”
Seither war es eher still geworden um die Künstler rund um Till Lindemann. Doch Keyboarder Christian “Flake” Lorenz hat das nun geändert: Der in Ost-Berlin geborene Künstler äußerte sich gegenüber der österreichischen Tageszeitung “Der Standard” kritisch zur deutschen Wiedervereinigung. “Wir wurden als unnützes Land angegliedert, ganze Biografien für wertlos erklärt, Firmen geschlossen, damit sich die Westfirmen breitmachen konnten. Wir sind so sehr zurückgesetzt worden, dass sich ein Groll und eine Enttäuschung aufgebaut haben, die bis jetzt anhalten. Im Großen und Ganzen war die Wiedervereinigung in dieser Form eine Sauerei”, sagte der 53-Jähriger, welcher in der DDR eine Lehre zum Werkzeugmacher machte und seit 1994 zu Rammstein gehört. Passend dazu verglich er die damalige Punk-Szene von West- und Ostdeutschland und erklärte den “grundlegenden Unterschied” wie folgt: “Die Ostpunks brauchten kein Geld, denn das Leben war absurd billig, Miete um die 25 Mark. Mit einem Konzert kam man über einen Monat. Also konnte man die Musik machen, die man machen wollte, und nicht bloß die, die sich gut verkauft. Absurderweise waren wir dadurch auch sehr frei.”

Der Wiedervereinigung hat er dennoch mehr oder weniger seinen aktuellen Job zu verdanken und fügte gegenüber “Der Standard” abschließend hinzu, dass es ohne den Mauerfall die Gruppe Rammstein, wie wir sie heute kennen, wahrscheinlich nicht geben würde. “Innerhalb der DDR hätten wir eine Band wie Rammstein nicht gegründet, weil es die falsche Antwort auf dieses System gewesen wäre. Rammstein haben wir gegründet, weil wir gemerkt haben, dass wir im Westen mit unserer Punkmusik nicht weiterkommen. Da brauchte es Härteres.”