Zu Gast bei David Letterman sprach Kanye West über die #MeToo-Bewegung und gestand, dass auch “Männer in Machtpositionen Angst” hätten, von Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt zu werden und löste eine hitzige Debatte aus.

Kanye-West-is-seen-arriving-to-the-2019-Met-Gala-.jpg

Credit: Gilbert Carrasquillo / GettyImages

Diskriminiert wegen bipolarer Störung
Am Freitagabend, den 31. Mai 2019 wird der Streaming-Service Netflix die zweite Staffel der Talkshow “My Next Guest Needs No Introduction” erstmals ausstrahlen. Moderator und Comedian David Letterman ist auch dieses Mal wieder mit von der Partie und nahm in der ersten Folge mit US-Rapper und Designer Kanye West in Empfang. Doch sie sprachen nicht nur über seine Musik und weiteren Pläne für die Zukunft, sondern plauderten auch über den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump und Kanyes bipolarer Störung. Dank letzterer Krankheit zum Bespiel musste er schon häufiger ins Krankenhaus eingeliefert werden und wurde nicht nur “von seiner Familie getrennt”, sondern war “mit Handschellen ans Bett gefesselt und mit Medikamenten vollgepumpt” worden. Doch West sieht es nicht als Folter an, sondern gestand: “Dass ich dies selbst mitbekommen habe, macht mich glücklich. Denn nur so kann ich selbst dafür sorgen, dass sich [die Behandlungen] verändern. Wenn man sich in solch einem Moment befindet, muss man jemanden haben, auf den man bauen kann. Es ist primitiv. […] Ich habe ein verstauchtes Gehirn, das ist so, als hätte man sich den Knöchel verstaucht. Und wenn man letzteres hat, wird man nicht noch weiter von anderen gepusht. Sollte man mental jedoch an dem Punkt angelangen, versuchen Menschen alles, um es noch schlimmer zu machen.”

Was will er damit sagen?
Nachdem sie das Thema abgehakt hatten, sprachen Moderator David Letterman und Kanye West ebenfalls über den Glauben an die Angst, wobei der Rapper die #MeToo-Bewegung ins Spiel brachte. Vor allem aber sagte der vierfache Vater aus, dass sich ebenfalls “Männer in Führungspositionen” die Frage stellen müssen, was sie “die letzten 30 Jahre ihres Lebens getan” und Angst davor haben, was die Antwort darauf sei. Letterman hingegen wollte seine Gedanken nicht einfach so hinnehmen und griff wie folgt ein: “Nun ja, du hast gesagt, dass Männer eine generelle Furcht in solch einer Situation haben. Ich würde behaupten, dass es in keiner Weise der Angst der Frauen entspricht, welche auf der anderen Seite davon stehen”, erklärte der Moderator, während er vom anwesenden Publikum bejubelt wurde.

“Ich unterstütze definitiv alle Frauen”, versuchte sich Kanye zu rechtfertigen und fügte hinzu: “Was ich damit sagen will, ist, dass es uns [Männern] nicht erlaubt wird, Gespräche zu führen. Wenn du vor Gericht stehst, dürfen beide Seiten sprechen. Und dieser Moment hier ist ein Gericht der öffentlichen Meinung. [Es gibt die Idee], dass, wenn jemand zuerst bombardiert, der Krieg angeblich vorbei ist.”

Dass West ebenfalls die männliche Seite in einer #MeToo-Debatte vertritt, ist im Übrigen kein Wunder: Der Superstar selbst wurde bereits mehrfach beschuldigt, Frauen unsachlich berührt oder angesprochen zu haben. Im Kollaborationstrack “One Minute”, der auf XXXTentacions Album “SKINS” erschienen war, griff Kanye das Thema bereits auf und rappte unter anderem folgende übersetzte Zeilen:

“Sie möchte dir den Keks geben, du bist berühmt
Sie hat dir ihre Vagina gegeben, aber du bezahlst nicht für den Hintern
Jetzt ist dein Name von den Vorwürfen verdorben,
Der Angeklagte ist schuldig, niemand beschuldigt den Kläger,
Ich muss es in Laienform sagen, während du auf die Anordnungen wartest,
Sollte die Jury dich für schuldig befinden, ist die Vergütung abscheulich.”

Hier geht’s zum Track: