Der Satz "leg doch endlich einmal Dein Handy weg" ist nicht nur ein üblicher Streitpunkt am Familien-Esstisch, sondern sorgt auch innerhalb von Freundeskreisen und Liebesbeziehungen regelmäßig für Anspannungen. Doch ist die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken wirklich so weit verbreitet?

Handy
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Studie zur Mediensucht
Soziale Netzwerke verfolgen uns überall und werden ständig von neuen Apps und Kommunikationsplattformen komplettiert, die uns völlig neue Wege im digitalen Lebens aufzeigen sollen. Dass eine übermäßige Nutzung schnell einmal negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Psyche eines Menschen bewirken kann, wissen wir bereits. Dennoch tummeln sich Jugendliche durchschnittlich etwa zweieinhalb Stunden am Tag auf diversen Online-Portalen. Das ergab eine repräsentative Untersuchung der DAK-Gesundheit Krankenkasse in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). In der Studie untersuchten die Experten die Social-Media-Abhängigkeit von 1.001 zwölf- bis 17-jährigen Deutschen.

Social Media

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Alarmierender Zusammenhang
In der Umfrage sollten die Probanden verschiedene Fragen nach den wissenschaftlichen Kriterien der niederländischen "Social Media Disorder Scale" beantworten. 2,6 Prozent der Teilnehmer erfüllten dabei die Vorraussetzungen einer potenziellen Social-Media-Suchtkrankheit. Dies würde laut den Forschungsergebnissen allerdings auch die Chance auf mögliche Depressionen erhöhen - jeder Dritte, der als süchtig eingestuft wurde hätte demnach auch derartige Symptome beklagt. Allerdings hätten die Forscher noch keine Erkenntnisse darüber, welcher Faktor hierfür die Ursache sein könnte: "Natürlich kann es auch sein, dass sich depressive Kinder und Jugendliche häufiger in die virtuelle Welt zurückziehen und deshalb ein Suchtverhalten entwickeln", bemerkt Professor Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE, in der Pressemitteilung der DAK.

Depression
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Mädchen länger online
Besonders Mädchen verbringen laut der Studie noch mehr Zeit auf sozialen Netzwerken und vergleichen sich stetig mit den, von Instagram aufgetischten Schönheitsidealen: Im Schnitt sind es sogar knapp über drei Stunden die sie währenddessen ans Smartphone gefesselt sind - das entspricht täglich einer Stunde mehr als die Internet-Zeit des männlichen Durchschnitts. Mit steigendem Alter wächst die Zeitspanne zudem stetig. "Je länger und häufiger die Kinder und Jugendlichen online sind, desto höher ist das Suchtrisiko“, mahnt Thomasius in der DAK-Pressemitteilung. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Prozentzahl von 2,6 bedeutet, dass hochgerechnet etwa 100.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland eine ernste gesundheitliche Gefahr durch die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken droht. "Das Liken darf nicht zum Leiden werden", warnt auch der Vorstandschef der DAK-Gesundheit Andreas Storm in der Veröffentlichung.

Aufklärung als wichtiger Bestandteil der Erziehung
"Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien umzugehen. Sie sollten nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch die Chancen und Risiken dieser Medien erkennen", erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler im selben Statement. Allerdings müssen bei der Aufklärung auch die Eltern, Lehrer und Erzieher unterstützt werden und der "Jugendschutz durch strenge Regeln für die Anbieter sozialer Medien gestärkt werden", unterstreicht Thomasius.