Überall und jederzeit einschlafen können - die meisten von uns finden diese Vorstellung sicher angenehm. Die 21-jährige Annabelle besitzt ebendiese "Fähigkeit" und geht durch die Hölle!
 

Keine Kontrolle
Annabelle Hutt kann von einem normalen Leben nur träumen. Planen kann sie ihren Alltag längst nicht mehr, denn Annabelle kann ihren Schlaf nicht kontrollieren und schläft bist zu 20 Mal am Tag einfach ein. Gegenüber dem Magazin "The Sun" erklärt sie: "Die Krankheit verursacht Muskelschwäche, die durch starke Emotionen hervorgerufen wird, und das beeinflusst mein Leben jeden einzelnen Tag. Einfache Dinge wie am Tisch zu essen oder einkaufen zu gehen wird zu einer kleinen Herausforderung. Innerhalb von Minuten schlafe ich ein."  Die junge Britin leidet an der sogenannten Narkolepsie mit Kataplexie. Letztere beeinträchtigt einzelne Muskelgruppen, die komplette Skelettmuskulatur, in der Regel aber immer die Gesichtsmuskulatur. Meist resultiert ein Anfall aus einem überraschenden Reiz, wie Lachen oder Erschrecken. Die Mimik des Betroffenen erschlafft, Gegenstände werden fallengelassen und die Person knickt ein oder stürzt sogar. Der ausgelöste Kontrollverlust dauert meist nur wenige Sekunden, bis zu einer halben Stunde in selteneren Fällen.
 

Durch die Krankheit wurde sie zur Außenseiterin
Mit 15 Jahren wurde Annabelle gegen die Schweinegrippe geimpft. Wenige Monate später fing sie dann plötzlich an, im Unterricht einzudösen. Sogar während ihrer Abschlussprüfungen konnte Annabelle sich nicht wachhalten. "Als ich wieder aufwachte, sah ich, dass ich als Antwort auf eine der Prüfungsfragen 'I love you Daddy' geschrieben hatte", erzählt Annabelle. Die Prüfungen versemmelte sie und wurde so zum Gespött ihrer Mitschüler. "Die Leute an meiner Schule dachten ich wäre komisch und sogar meine Freunde verstanden nicht, was mit mir los war. Ein Mädchen zwang mich, den Kopf in die Kloschüssel zu halten", berichtet sie weiter Nach zwei Jahren hatten sich die Symptome verschlimmert - die Ärzte diagnostizierten die Schlafkrankheit. Als mit 19 Jahren der Zusatz Kataplexie festgestellt wurde, ging es ihr auch psychisch sehr schlecht: "Ich war todtraurig, hatte keine Zukunftsperspektive und war überzeugt davon, nie wieder Liebe zu finden. Eine Beziehung zu führen ist schwierig. Sobald ich aufgeregt oder nervös werde, breche ich zusammen. Nachdem meine letzte Beziehung auf Grund der Krankheit endete, dachte ich, ich würde nie einen Mann finden, der mich für meine Person liebt."

Märchenhafte Story
Doch die große Wende kam im Jahr 2014. Während eines Familienurlaubs lernte sie ihren jetzigen Freund Miekal kennen. Das erste Date lief nicht gut – Annabelle schlief während des gemeinsamen Essens ein. Beschämt sei sie aufgewacht und überzeugt davon, ihn abgeschreckt zu haben. Bereits ihr erster Freund beendete die Beziehung, da er keine Freundin wollte, die einfach während des Essens in einen Tiefschlaf verfällt. Nicht so ihr niederländischer Freund Miekal: Der 26-Jährige gestand ihr, dass er die Idee vom gemeinsamen Nickerchen liebt. Zwischen dem Pärchen liegen 800 Kilometer Entfernung. Bei einem Besuch in der Heimat ihres Liebsten sei die 21-Jährige so aufgeregt gewesen, dass sie sofort bei der Ankunft zusammenklappte. Doch ihr Prinz Charming fing sie auf und trug sie behutsam zur nächsten Bank. "Es war wie im Märchen. Ich fühlte mich wie Dornröschen", erzählt sie begeistert. Trotz der schwierigen Umstände, träumen die beiden schon von einer gemeinsamen Familie. Und wenn sie nicht gestorben sind … 


Annabelle ist mit ihrer Schlafkrankheit nicht alleine. Die 22-jährige Beth Goodier kämpft mit dem sogeannten Dornröschen-Syndrom und schläft krankheitsbedingt teilweise zwei Monate durch! Hierzulande leben etwa 40.000 Menschen mit Narkolepsie, die Dunkelziffer soll allerdings deutlich höher sein. Doch sollten alle Betroffenen sich vielleicht ein Herz fassen und allen Mut zusammennehmen, um - wie Annabelle - offen darüber zu sprechen. Denn manche Dinge lassen sich viel leichter gemeinsam als alleine bewältigen!