Bereits 2014 machte Beth Goodier mit ihrer Erkrankung, dem sogenannten "Dornröschen Syndrom", Schlagzeilen. Nun brach sie ihren eigenen Rekord und schlief Monatelang durch. 
 

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Ein von Beth Goodier (@beth_goodier) gepostetes Foto am

Das Leben zieht vorbei
Was nach einem Märchen klingt, ist weit entfernt von der Grimm-Realität: Das "Dornröschen Syndrom". Diese seltene Erkrankung, im Fachbegriff "Kleine-Levin-Syndrom“ (KSL) genannt, haben nur wenige tausend Menschen weltweit. Glücklicherweise liegt die Wahrscheinlichkeit, an diesem Syndrom zu erkranken, bei gerade einmal zwei Millionen zu eins oder zwei. Denn: Betroffene schlafen tatsächlich bis zu 22 Stunden täglich, im Ausnahmefall - wie bei Beth Goodier - sogar mehrere Monate. 2011 diagnostizierte ein Arzt bei der 22-Jährigen das "Dornröschen Syndrom" - seither ist sie nur kurze Zeit am Tag wach. Nun aber brach sie ihren unfreiwilligen Rekord selbst - und schlief ganze zwei Monate durch.

Wie in Trance 
Beths Mutter Janine, mit der sie zusammen im britischen Stockport lebt,  berichtete der "DailyMail“, dass ihre Tochter zudem schlafwandele. "Beth schlicht wie in Trance durch das Haus, ging auf die Toilette und nahm das Essen, was ihr über den kompletten Tag gefehlt hatte, zu sich", so Goodier weiter. Keine lauten Geräusche, kein zwanghaftes Wecken und keine Medikamente können Beth aus ihrer Traumwelt befreien. Janine Goodier leidet mit ihrer jungen, schönen Tochter, die 75 Prozent ihres Lebens schlafend erlebt und somit viele wichtige Ereignisse in ihrem nahen Umfeld einfach "verschläft“. Auch ein geplantes Studium und die Ergreifung eines Berufs seien für Beth nicht realisierbar, so Goodier gegenüber der "DailyMail". 

Hoffen und bangen
"Beth könnte schon morgen wieder aufwachen, aber dann ist es erneut ein Wettlauf gegen die Zeit, in der sie endlich das Leben leben kann, dass sie hätte haben können“, berichtet die 48-jährige Janine besorgt. Um ihrer Tochter stets zur Seite stehen zu können, kündigte Beths Mutter sogar ihren Job. "Das schlimmste Symptom dieser Krankheit ist die Verwirrung. Wenn sie für ein paar Stunden am Tag wach ist, weiß sie plötzlich nicht mehr, wo sie sich befindet und ist sehr aufgewühlt“. Bereits mit 16 Jahren klagte das junge Mädchen erstmals über ständige Müdigkeit und Erschöpfung. Dann, eines Abends nickte sie einfach ein und wachte nicht mehr auf. Auf die Versuche ihrer Mutter, Beth aufzuwecken, antwortete diese "zusammenhangloses Gebrabbel mit der Stimme einer Fünfjährigen“, berichtete die Mutter der "DailyMail“. Im Krankenhaus befürchtete die 48-Jährige dann das Schlimmste - einen Gehirntumor.

Diagnose KLS
Die üblichen Schlafphasen eines von KLS betroffenen Patienten dauern in der Regel zwischen sieben bis 14 Tage an. In einem Jahr Erkrankte bis zu zwölf Mal in solch eine Phase fallen. Beth zählt zu einer von nur 1.000 Menschen weltweit, die an dem "Dornröschen Syndrom" leiden.  
 

Die Zukunft 
Die wenigen Studien, die es über KLS gibt, besagen, dass die Erkrankung durchschnittlich im Alter von 16 Jahren das erste Mal auftritt. Auslöser dafür können andere Krankheiten sein, die die Patienten zuvor hatten. Auslöser bei Beth: Eine Mandelentzündung, die durch ihre genetische Veranlagung höchstwahrscheinlich eine Entzündung in den Gehirnbereichen des Thalamus und Hypothalamus verursachte. Diese Hirnbereiche sind für den Schlaf und die Sensorik zuständig. Seit der Diagnose schlief die 22-Jährige mehr, als das sie wach war. Am Leben kann sie so kaum teilnehmen. Alle Träume, die die junge Frau je hatte, zerplatzten wie eine Seifenblase. Ihr Abitur bestand sie nicht, da sie vorzeitig vom College abgehen musste. Dabei wollte sie unbedingt auf die Universität gehen und Kinderpsychologin werden. "Das härteste Jahr war, als alle ihre Freunde das Abitur absolviert haben und zur Uni gegangen sind, denn Beth wusste, als sie wach wurde, dass sie eigentlich da dazu gehört und das verletzte sie sehr“, teilt ihre Mutter mit.

Doch eine Person bleibt
Trotz der vielen Stunden, Tage und nun auch Monate, an denen Beth nichts von ihrem Umfeld mitbekommt und in ihrem Dornröschenschlaf versunken ist, hat sie einen festen Freund. Kennengelernt haben sich die beiden vor drei Jahren, als Beth eine ihrer "Wachphasen“ hatte. Seitdem besucht der 25-jährige Grundschullehrer seine Liebste so oft es geht. "Fast jeden Tag sitzt er an ihrem Bett, redet mit ihr und wartet darauf, dass sie bald wieder zurück kommt“. Beths letztes Wachzeichen entsandte sie am 13. September 2016, seither befindet sich die Schöne in ihrem seligen Dornröschenschlaf. Und wer weiß: Vielleicht ist Beths Freund genau der Prinz, der sie  endlich wachküssen kann. 

Übrigens: Bei einigen KLS-Patienten verschwanden die langen Schlafphasen so schnell wie sie gekommen waren. Es besteht Hoffnung für Beth zu diesen Patienten zu zählen und irgendwann endlich ein normales Leben mit Freunden und Familie führen zu können.