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Wie sie Alexa und Co unter anderem in Ihre Marketingstrategie einbinden, darüber haben wir bereits berichtet. Aber die Branche erwartet sich von den Sprachassistenten nichts anderes als die Audio-Revolution mit gravierenden Auswirkungen. Grund genug für ein Statement unseres bigFM-TRENDS Experten Duncan Kolba.
 
"The Revolution Will Not Be Televised" - die Zeit der digitalen Assistenten

Seit der Computer erfunden wurde, träumt der Mensch davon, mit ihm sprechen zu können. Trotz zahlreicher Versuche in den letzten Jahrzehnten, war ein Sprachinterface bisher nie von Erfolg gekrönt. Die Frage, ob sich digitale Assistenten von Internetkonzernen wie Amazon oder Google dennoch durchsetzen können, ist also berechtigt.

Interessanter als die derzeit angesagten "Smart Speaker" sind die Technologien der sich dahinter verbergenden Assistenten. Hier vermischen sich mehrere moderne Technologien, die (jede für sich genommen) die Fähigkeit haben, unsere digitale Zukunft zu formen: Machine Learning, Cloud Computing und Sprachsynthese.

Das wird Science Fiction

Durch Machine Learning werden Assistenten in den nächsten Jahren ein Spracherkennungsniveau erreichen, wie wir es aus Science-Fiction-Filmen kennen. Ein Assistent wird auch auf exotische Fragen kontextbezogen antworten können und entscheiden, welchen Inhalt eine Äußerung erfordert.
Derzeit ist das, zugegebenermaßen, noch verhältnismäßig krude und führt nicht selten zu dem ein oder anderen ungewollten Lacher oder manchmal sogar Frust. Aber "spiel Radio", "Timer in fünf Minuten" oder "Licht an" machen Assistenten bereits heute zu einem "Küchenradio auf Steroiden". Die Barrierefreiheit der Sprache wird für den schnellen Siegeszug der Assistenten sorgen. Mit einem Computer zu sprechen fühlt sich schnell natürlich und vor allem "einfach" an. Selbst kleine Kinder oder Senioren haben keine Berührungsängste und müssen keine Metaphern für ein User Interface lernen.
 

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Das Auditive kennt keine Grenzen

Hinter den Antworten, die ein Assistent gibt, verbergen sich die so genannten "Skills" (Amazon) bzw. "Actions" (Google). Diese "Apps" lassen sich in den Clouds von Amazon und Google leicht skalieren. Solange die Antwort auditiv sein kann, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn man sich überlegt, welche Lebensbereiche primär auditiv sind, ergibt sich ein Mehr an Möglichkeiten für Assistenten.

Man denke an Schulunterricht oder das Studium, den Musikgenuss auf der Couch, eine Befragung zu statistischen Zwecken, angeregte Gespräche, meditative Entspannung oder Telefonate - dies sind alles Dinge, die primär die auditive Funktion des Menschen betreffen. Auch die meisten textlichen Inhalte wie Bücher, Nachrichten, Emails oder Chatnachrichten können durch auditiv konsumiert werden.

Letztlich wird die Sprachsynthese in wenigen Jahren so gut sein, dass man die Stimme eines Assistenten nicht mehr von einem echten Menschen unterscheiden kann. Ganz im Gegenteil, vermutlich wird man Assistenten sogar so klingen lassen können, wie man möchte: ob man nun die eigene Stimme hören möchte oder die eines geliebten Stars.

Der Assistent ist überall

Wenn uns Assistenten also zukünftig in natürlicher Sprache umfassend informieren, uns ausbilden und sogar weiterbilden können, mit uns freie Gespräche führen und man dann heute bereits in den Nachrichten liest, dass Alexa und Co. schon in Kühlschränke und namhafte deutsche Automobile eingebaut werden, braucht man eigentlich keine Science-Fiction oder große Fantasie mehr, um sich die Zukunft vorzustellen: Assistenten werden überall landen, Google arbeitet bereits an dem experimentellem Betriebssysteme "Fuchsia", welches als "Assistent first" gedacht wird. Außerdem ist der Google Assistent heute schon in einem Großteil von Android-Smartphones ab Werk vorhanden. Assistenten werden allgegenwärtig und, wie ihre menschlichen Gegenstücke, unser Leben bereichern, in dem sie uns nicht nur Antworten, sondern irgendwann von sich aus Fragen stellen und letztlich als Familienmitglied wahrgenommen werden.

Hörbares wird, wegen seiner Ökonomie und Barrierefreiheit, ein wesentlicher Bestandteil der digitalen Zukunft.
 

 
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bigFM-TRENDS Experte Duncan Kolba studierte Anglistik und Soziologie an der Universität Mannheim, arbeitete als Online-Journalist bei Radio Regenbogen und entwickelt seit acht Jahren als Web Development Manager die Digital-Angebote von bigFM, RPR1. und Radio Regenbogen.