Sieg um jeden Preis: Das steckt wirklich hinter Fitness-Wettbewerben
Versteckt unter all den Muskeln und der Soliariumsbräune, lauern die Gefahren professioneller Bodybuilding-Wettkämpfe.
Versteckt unter all den Muskeln und der Soliariumsbräune, lauern die Gefahren professioneller Bodybuilding-Wettkämpfe.
In einer ausführlichen Reportage berichtete Cassie White von Fitness-Wettbewerben in Australien. Dabei folgte sie Emily Green, die zum Zeitpunkt der Interviews schon seit Tagen nicht richtig geschlafen hat. Das Einzige, was sie wach hält, sind fünf starke Kaffee und pures Adrenalin. Schon seit Wochen trainiert die junge Frau jeden Tag drei Stunden und das sechs Mal die Woche. Dabei nimmt sie nur 700 Kalorien am Tag zu sich.
Wer denkt, dass dies eine sehr paradoxe und gefährliche Art ist, sich zu beweisen, liegt absolut richtig. Es ist paradox und gefährlich. Das Schlimme an der Sache ist jedoch, dass Emily weit entfernt davon ist, mit zehn von zehn Punkten für ihren überdurchschnittlich trainierten Körper bewertet zu werden.
Diese Wettbewerbe sind ein ernstzunehmendes Milliardengeschäft. Doch das Einzige, was die Teilnehmer nicht ernst zu nehmen scheinen, ist ihre Gesundheit.
Im Bodybuilding gibt es verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel Fitness- oder Bikini-Modell. Dabei spielt auch das Posen eine wichtige Rolle. Um diese Fähigkeit zu perfektionieren, müssen die Kandidaten sogar spezielle Workshops besuchen.
Auch wenn manche Praktiken fragwürdig sind, sind diese Leute Profis und trainieren wochenlang für einen Auftritt. Doch auch normale Frauen und Männer wollen ihren Idolen nacheifern und riskieren dabei sehr oft ihre eigene Gesundheit.
Trainerin Nardia Norman ist schon seit Jahren Teil der Industrie und kennt so ziemlich alle Horrorgeschichten aus dem Spektrum. Sie weiß, dass zum Beispiel Bulimie ein großes Problem ist. Deswegen will sie mehr Regeln: “Jeder kann bei diesen Wettbewerben mitmachen”, sagte Norman. “Wir brauchen offizielle Bewertungskriterien, die Trainer verwenden können, um herauszufinden, wer gefährdet ist.”
Der Traum von Ruhm und Erfolg im Bodybuilderbereich ging für Green nach hinten los. Sie musste mit den Wettbewerben aufhören und nahm unkontrolliert an Gewicht zu, bekam ihre Periode nicht mehr, litt an einer Quecksilbervergiftung, weil sie zu viel Dosenfisch aß und wurde letztendlich depressiv.
“Ich habe viele falsche Entscheidungen getroffen”, erinnerte sich Emily Green. “An alle, die mit dem Bodybuilding anfangen wollen: Bitte stellt sicher, dass ihr das aus den richtigen Gründen macht und nicht nur, weil ihr mit eurem Körper unzufrieden seid. Ich würde jedenfalls niemals wieder damit anfangen.”