Derzeit diskutieren Politiker in Berlin weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie - zum Leidwesen vieler. Für Till Brönner genug - er wendet sich mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung.
Till Brönner

Credit: Isa Foltin/GettyImages

 Die Veranstaltungsbranche braucht eine Stimme 
Gerade jetzt beraten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über einen möglichen zweiten Lockdown. Dies nehmen viele Prominente zum Anlass, sich zu äußern. Einer, der sich bisher immer rückhaltend präsentiert hat, ist der Trompeter, Komponist und Professor für Jazztrompete, Till Brönner. Am 27. Oktober nutzte der 49-Jährige seine Stimme allerdings, um sich mit einem dringenden Appell an seine Follower und die Bundesregierung zu melden. 

 Brönner spricht Klartext 
Mit den Worten "mein Name ist Till Brönner, ich bin 49 Jahre alt und ich bin Musiker und Fotograf. So was wie heute habe ich noch nie gemacht - muss daran liegen, dass ich ziemlich sauer bin", leitet Brönner sein sieben minütiges Instagram-Video ein. "Seit Monaten schau' ich mir jetzt nicht nur an, wie eine gesamte Branche durch Corona lahmgelegt wird, sondern erlebe auch, wie auffällig verhalten und geradezu übervorsichtig Bühnenkünstler sich auch nach acht Monaten zu dieser Misere äußern, obwohl ihre Existenz gerade fundamental auf dem Spiel steht. Ich halte diese Zurückhaltung aus unseren eigenen Reihen für fatal, da sie ein völlig falsches Bild der dramatischen Lage zeichnet, in der sich unser Berufszweig aktuell befindet. Und ich denke, es ist an der Zeit mal klarzustellen, worüber wir gerade sprechen. Denn hier geht es nicht um Selbstverwirklicher, die in ihrer Eitelkeit gekränkt sind - es geht um uns alle. Und: es geht um Geld. Viel Geld. Ich bin Künstler. Aber ich bin auch Arbeitgeber, Familienvater und Leistungsträger einer Nation, die sich auch selbst gerne das Land der Dichter und Denker nennt. [...] Ich empfinde mich zusammen mit vielen deutschen Kollegen auch als Botschafter eines Landes, das seit hunderten von Jahren als Mutterland und Vorreiter vieler Künstler angesehen und verehrt wird. Vor diesem Hintergrund ist es umso skandalöser, welch unwirklichen Schauspiel wir gerade beiwohnen müssen", so Till Brönner weiter. 

 Die Veranstaltungsbranche fühlt sich im Stich gelassen 
"Zu sehen wie unsere Wirtschaft seit Ausbruch der Pandemie Ende Februar reflexartig in systemrelevante und System irrelevante Berufe unterteilt wurde, habe ich zunächst für eine reine Sicherheitsmaßnahme gehalten. Safety first, ist doch klar - jetzt muss erstmal das Virus untersucht werden. Als dann klar wurde, dass Corona uns wesentlich länger in Atem halten würde, dachte ich 'na ja, geb' denen da oben in der Politik mal ein bisschen Zeit - die können ja auch nicht zaubern. Ein Land wie Deutschland wird uns schon nicht hängenlassen. Die haben uns ja schließlich auch alle ausgebildet und uns 'ne Steuernummer verpasst. Dann kam der Sommer. Und wenn ich ehrlich bin, bekam ich genauso viele Urlaubsfotos und -karten wie immer ... von Leuten außerhalb der Branche. [...] Gleichzeitig landeten schon die ersten Anrufe von Kollegen bei mir, die sich alle mal vorsichtig erkundigen wollten, ob es bei mir denn auch so mau aussähe wie bei ihnen. Ich spreche von Musikern, Toningenieuren, Lichttechnikern, Caterern, Bühnenbauern, Busfahrern, Beschallungsfirmen, Clubbesitzern, Agenturen und lokalen Hallenbetreibern. Die Liste allein in meinem persönlichen Umfeld ist also sehr, sehr lang." 

Till Brönner

Credit: Isa Foltin/GettyImages

 1,5 Millionen Menschen, deren Broterwerb ab Tag eins der Pandemie abgeschaltet wurde 
"Und hochgerechnet sind wir viele - sehr, sehr viele. Um genau zu sein, so viele, dass der Vergleich mit den größten Branchen, wie zum Beispiel der Autoindustrie - Verzeihung - deshalb hinkt, weil wir mehr als doppelt so viele sind - nämlich weit über 1,5 Millionen. Menschen, deren Broterwerb ab Tag eins der Pandemie nachvollziehbarerweise abgeschaltet wurde. Ein Wirtschaftszweig mit einem Gesamtumsatz von - bitte festhalten - über 130 Milliarden Euro. Richtig gehört: 130 Milliarden ... Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem! Und damit hier kein Missverständnis aufkommt. Wir alle wollen uns schützen und geschützt werden vor diesem verdammten Virus, aber wenn ein gesamter Berufszweig per Gesetz gezwungen wird, seine Arbeit zum Schutze der Allgemeinheit ruhen zu lassen, dann muss doch die Allgemeinheit auch dafür sorgen, dass diese Menschen nach Corona noch da sind." Über 570.000 Instagram-Nutzer haben den Aufruf des Musikers bereits gesehen.

 Carolin Kebekus, Atze Schröder, Ines Anioli und andere schreiben offenen Brief 
Till Brönner ist jedoch nicht der einzige Künstler, der nach Monaten des Schweigens sein Wort erhebt. Über die Plattform "Initiative für Veranstaltungswirtschaft" veröffentlichten etliche Künstler einen offenen Brief an Bundestagsabgeordnete, wie Jens Spahn. Darin fordern die freischaffenden Humoristen und Musiker, dass die Regierung für die coronabedingten Schäden durch die Einschränkungen und Stilllegungen des Live-Betriebs, aufkommt. Den offenen Brief könnt Ihr hier nachlesen. 

 Petition für die Veranstaltungsbranche 
Wer es Till und den anderen Freischaffenden gleichtun und seine Stimme für die Veranstaltungsbranche erheben möchte, kann dies unter anderem bei Change.org tun. Dort gibt es eine Petition, die die Grundsicherung für die Veranstaltungsbranche während der Corona-Krise fordert.  

Den gesamten Appell von Till Brönner gibt es hier zum Nachschauen: