Nachdem die Ex-Freundinnen der Deutsch-Rapper Gzuz und Bonez MC ausgepackt und die 187 Strassenbande-Mitglieder zur Rechenschaft gezogen hatten, fordern Fans beider Künstler eine Debatte rund ums Thema Sexismus.

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Credit: Mihai Surdu / Unsplash

Was war passiert?
Anfang Mai 2019 meldete sich Lisa zu Wort und erklärte in mehreren Instagram-Stories, dass sie von ihrem Ex-Freund und Vater ihrer beiden Kinder, Deutsch-Rapper Gzuz, nicht nur geschlagen, sondern auch an den Haaren durch die Wohnung gezerrt wurde. Millionen von Fans stellten sich im Anschluss gegen das Mitglied der 187 Strassenbande, bevor Kollege Bonez MC das Wort ergriff und sich über alle Vorwürfe der häuslichen Gewalt lustig machte. Er selbst stellte Lisa mehrfach als Lügnerin da und veröffentlichte unter anderem folgende Instagram-Posts:

Der “Palmen aus Plastik”-Interpret löschte abschließend alle Bilder aus dem Netz und schaltete seine Anwälte ein. Auf Anfragen nach persönlichen Stellungnahmen wurden keine weiteren Informationen herausgegeben, stattdessen gab es eine Drohung von der aus Hamburg stammenden und engagierten Kanzlei, sodass viele deutschen Medien ihre Beiträge ebenfalls wieder offline nehmen mussten ...

#MeToo im Deutschrap
Statt das Thema nun einfach unter den Tisch zu kehren, rufen diverse Fans zu einer #MeToo-Bewegung und Debatte rund ums Thema Sexismus im Rap-Game auf und hoffen, dass sich schon bald etwas ändert. Vor allem aber sollte man gewaltverherrlichende Texte wie jenen von der 187 Stassenbande verbieten lassen:

“Kein Bock auf Sex? / Na dann klatsch Ich sie weg! / Die Schlampe war frech / aber ich schick sie schlafen (Tschüüühüss) / bei Gericht hat sie nichts zu verraten (Nöö)”

Dass Gzuz mit seinen Lines schon damals für Aufsehen gesorgt hat, schien dennoch niemanden zu stören. Vor fast zehn Jahren sagte er schließlich bereits im Interview mit “CrhymeTV”: “Ich lüge zum Beispiel nicht in meinen Texten, ich sage genau die Wahrheit, (…) auch wenn mich das selber vielleicht nicht in das beste Licht stellt. Ich sage die Wahrheit, um meinen Lebensstil zu repräsentieren und es der Welt zu zeigen - weil ich das möchte.”

Musikjournalist Oliver Marquart geht jetzt sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass sich auch im Deutsch-Rap einiges tun muss, man “Frauen, die über Sexismus, Gewalt und Missbrauch berichten” ein offenes Ohr schenken und man das “Verharmlosen von sexistischen Texten, Darstellungen in Videos und Verhalten von Künstlern mit dem Totschlagargument ‘Kunstfreiheit’” beenden muss.

Du bist nicht allein
Laut der “hilfetelefon” wurde allein in Deutschland “jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten misshandelt”.

Solltest auch Du solche Erfahrungen bereits gemacht haben und Dich niemandem anvertrauen können, könnte Dir eine anonyme telefonische Beratung die Augen öffnen. Unter der Hotline “08000 116 016” kannst Du rund um die Uhr auf Hilfe vertrauen.