Statt die Dunkelheit siegen zu lassen, hat sich Mike Shinoda dazu entschieden, anderen zu helfen und wird auch in Zukunft jenen mit Rat und Tat zur Seite stehen, um weitere Suizide verhindern zu können.

Mike Shinoda performs at 2018 LOVELOUD Festival

Credit: Jerod Harris / GettyImages

Verarbeitung auf LP
Den 20. Juli 2017 werden Millionen Menschen niemals wieder vergessen, denn genau an diesem Tag hatte sich Linkin Park-Frontmann Chester Bennington das Leben genommen und seine Frau, sechs Kinder und unzählige Fans zurückgelassen. Auch ein bester Kumpel Mike Shinoda war lange Zeit in tiefer Trauer und erklärte gegenüber “unicum”, dass er gar nicht so lange in der Dunkelheit gesessen, sondern seine Gefühle auf der LP “Post Traumatic” verarbeitet hatte.

“Du hältst so etwas nicht ewig durch, schon rein praktisch nicht. Ich musste meine Kinder zur Schule bringen, ich musste zu Geburtstagspartys der Kinder. Logisch, alle anderen Eltern dort wieder 'Mike, wie geht es dir’, ‘Können wir dir helfen?’ Das ist alles sehr süß und gut gemeint, aber es wirft dich immer wieder so zurück. Sobald mich jemand auf Chester ansprach, war ich im Kopf sofort wieder an dem Moment, als ich davon hörte. Ich dachte mir, wenn ich diese Fragen schon nicht beantworten kann, dann will ich mich wenigstens künstlerisch mit ihnen auseinandersetzen. ‘Post Traumatic’ ist ein sehr persönliches Statement über diese Phase meines Lebens.”

In seinem eigenen Lied “Over Again” hat er sich ebenfalls immer und immer wieder von Bennington verabschiedet und erklärte die Erstellung der Lyrics im Gespräch mit “unicum” wie folgt: “Die erste Strophe schrieb ich am 27. Oktober, dem Tag unseres Tribute-Konzerts im ‘Hollywood Bowl’ in Los Angeles. Die zweite Strophe schrieb ich am Tag danach. In dieser Zeit erinnerte mich einfach alles an Chesters Selbstmord, an die Tragik, an die komplette, fundamentale Zerstörung so vieler Dinge, die Teil der Struktur unseres Lebens waren. Ich habe auch deshalb diese Musik gemacht, weil mir das hilft, Struktur in mein Leben zu bringen. Ansonsten wäre da nur Chaos.”

Möchte anderen helfen
Nachdem Ende September 2018 die TV-Show “A Million Little Things” im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde und die Geschichte von einer Clique nach dem Selbstmord eines ihrer Freunde erzählt, meldete sich Shinoda ein weiteres Mal zu Wort und gestand, dass er im Entstehungsprozess ebenfalls die Finger mit im Spiel hatte und Kumpel D.J. Nash, der die Sendung kreiert hat, mit Rat und Tat zur Seite stand. Vor allem aber kam beim Interview mit “The News & Observer" heraus, dass Mike ebenfalls ehrenamtlich bei einer Notfall-Hotline arbeiten würde, um Selbstmorde zu reduzieren.

“Als D.J. die Serie präsentiert hatte, hat er sich dazu entschlossen, einige Minuten zu nutzen, um auf eine Telefonnummer vom Notruf und Seelsorgern hinzuweisen. Er hatte sich mit mir und Talinda [Witwe von Bennington] unterhalten und wir beide fanden es eine gute Idee. […] Ich finde es wichtig, denn so kann man allen, die Hilfe brauchen, den richtigen Weg weisen. […] Es ist eine Krankheit, die wir alle versuchen gemeinsam zu besiegen und wie D.J. es in der Show richtig gesagt hat: Jeder Betroffene fühlt sich wie ein Pilot, welcher plötzlich nicht mehr weiß, wo es hingeht. Es geht immer weiter und die Wahrheit ist, dass dieser [Pilot] gegen einen Berg krachen wird. Er weiß es nur noch nicht.”