Seit dem 1. Mai 2015 gilt in Deutschland das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG). Dass dies meist nur auf dem Papier funktioniert weiß auch die britische Songwriterin Carla Marie Williams. Sie bestätigt die starke Dominanz von Männern in der Musikindustrie und will dagegen ankämpfen. 

Frauen? Wenn's sein muss 
Gleichberechtigung? Fehlanzeige! Zumindest, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht - denn warum sonst sollte es ein Gesetz geben, dass der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Dienst vorschreibt, wie viele Frauen in leitenden Positionen eingestellt werden müssen. Jahrelang kämpften Generationen um Emanzipation und die Schließung der Gender-Gap, um dann per Gesetz recht einfordern zu können, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Wieder einmal wird die Frau durch diese Quote herabgestuft und als schwach und hilfsbedürftig dargestellt. Doch dieses Dasein lässt sich nicht nur in Unternehmen ausfindig machen - auch am DJ-Pult gilt: Mann: selbstverständlich, Frau: kann die Technik? Ist etwa auch in der Musikindustrie eine Frauenquote nötig, um Gleichberechtigung zu zelebrieren? 

Die Geschlechter-Kluft
"Gleichheit in der Musikindustrie gibt es definitiv noch nicht, sie ist durch und durch von Männern dominiert", so die britische Songwriterin Carla Marie Williams gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian". Die Ghostwriterin schrieb während ihrer Karriere bereits Songs für namhafte Künstler wie Britney Spears oder Beyoncé. Für die besonders hervorragenden Leistungen Beyoncés Album "Lemonade" betreffend, wurde Williams im Jahr 2016 für zwei Grammy Awards nominiert. Ein Erfolg, der unter den Teppich gekehrt wird - oder habt Ihr jemals von Carla Marie Williams gehört? Wahrscheinlich nicht - im Gegensatz zu männlichen Kollegen wie Frank Ocean, den man als Ghostwriter für Beyoncé kennt. Dabei gilt "Freedom", einer der zwölf Tracks aus Beyoncéys Album "Lemonade", den Williams gemeinsam mit dem Superstar schrieb, als eine Art Protesthymne, die die Gleichheit von Frauen und Männern sowie aller ethnischen Gruppierungen fordert. Im März 2016 gründete Williams deshalb die "Girls I Rate"-Organisation. Diese setzt sich aus Frauen zusammen, die sich gegenseitig Halt geben, um gemeinsam den Durchbruch im Musikbusiness zu schaffen. Jährlich findet im Rahmen dieser Organisation zudem eine Gala statt, die 2018 passsenderweise auf den internationalen Frauentag am 8. März fiel. Melody Kane, eine der wenigen weiblichen DJs, die augenscheinlich den gleichen Erfolg verbuchen, wie männliche Kollegen, trat an diesem Abend auf.

Sängerin
Credit: Nick Karvounis/Unsplash

Support von Profis 
Um ihrer Forderung nach einer Frauenquote in der Musikindustrie einen Schritt näher zu kommen, veranstaltet Williams Akademiewochenenden, bei denen 800 Mädchen die Chance haben, ihre Songs bei Plattenfirmen einzureichen. 200 dieser Mädchen werden anschließend eingeladen, um direkte und professionelle Rückmeldung von Führungskräften zu erhalten. Im Jahr 2017 erhielten insgesamt über 1.000 Frauen zwischen 16 und 30 Jahren durch die Akademiewochenenden qualifiziertes Feedback. Ob diese Veranstaltung auf längere Sicht für die Etablierung von Frauen im Musikbusiness sorgt, wird sich in Zukunft zeigen.