Wie Drohnen junge Wildtiere vor dem Mähtod schützen
Hohe Gräser auf Wiesen und Weiden werden gemäht, um Viehfutter zu gewinnen. Das Problem: Wildtiere wie Rehe verstecken ihre Jungen zum Schutz im hohen Gras, weshalb viele Jungtiere verenden.
Hohe Gräser auf Wiesen und Weiden werden gemäht, um Viehfutter zu gewinnen. Das Problem: Wildtiere wie Rehe verstecken ihre Jungen zum Schutz im hohen Gras, weshalb viele Jungtiere verenden.
Der späte Frühling stellt eine der wichtigsten Zeiten des landwirtschaftlichen Jahres dar. Ackerflächen werden auf die Aussaat vorbereitet, Weidetiere dürfen Grünflächen beziehen und Gräser unterliegen dem stärksten Wachstum. Zu diesem Zeitpunkt beginnt allerdings auch die Grünlandmahd: Hohe Gräser auf Wiesen und Weiden werden gemäht, um Viehfutter zu gewinnen. Das Problem: Wildtiere wie Rehe verstecken ihre Jungen zum Schutz im hohen Gras, weshalb viele Jungtiere bei der Mahd verenden. Wie Drohnen dies künftig vermeiden sollen, erfährst du im folgenden Artikel.
Jedes Jahr erliegen ungefähr 100.000 Rehkitze dem Mähtod. Doch warum eigentlich? Die Mahd im späten Mai kollidiert mit der Setzzeit vieler junger Wildtiere wie dem Rehkitz. Letztere liegen nach ihrer Geburt bis zu vier Wochen lang im hohen Gras, um sich vor Fressfeinden wie dem Rotfuchs zu schützen. Muttertiere legen ihre Jungen am häufigsten auf Grünflächen ab, die dem Viehfutteranbau dienen. Bis die Kitze ihrer Mutter folgen können, drücken sie sich hier zwischen den hohen Gräsern eingerollt auf den Boden. Sie werden nur zum Säugen von ihren Müttern besucht, um Fressfeinde nicht anzulocken – die Rehkitze selbst sind in dieser Zeit noch nahezu geruchslos und deshalb bestens getarnt. Allerdings auch vor Landwirten, die die Grünflächen bearbeiten müssen. Die Rehkitz-Rettung durch Drohnen soll hier Abhilfe schaffen.
Rehkitzen ist kein Fluchtinstinkt angeboren: Vielmehr sichern sie sich ihr Überleben, indem sie sich so tief wie möglich ins Gras drücken, beziehungsweise ducken. Dadurch werden sie von Landwirten mit schnell arbeitenden Mähwerken übersehen. Nicht nur Rehkitze sind betroffen: Auch Feldhasen bauen Verstecke für ihre Jungen in den hohen Gräsern – und verharren bei Gefahr instinktiv regungslos am Boden. Brütende Rebhennen harren ebenfalls bewegungslos aus, bis die Gefahr vorüber ist. So fallen neben Rehkitzen auch viele andere Wildtiere dem Mähtod zum Opfer.
Landwirte sind im Zuge des Tierschutzgesetzes dazu verpflichtet, Wildtiere möglichst vor dem Mähtod zu schützen. Dies dient dem Schutz des Wildbestandes – allen voran auch gefährdeten Tierarten wie Wiesenbrütern. Hierzu können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden: Vielerorts sind beispielsweise schon Drohnen mit Wärmebildkameras im Einsatz, die versteckte Rehkitze vor der Mahd aufspüren können. Drohnenpiloten können Bodenhelfer zum Fundort navigieren, um die Jungtiere in Sicherheit zu bringen oder die Setzstelle zu markieren. Im Falle Letzterem können Landwirte die Fundstellen großflächig umfahren. Auch Schutzbauten von Feldhasen können auf diesem Wege ausfindig gemacht werden.
Es gibt allerdings auch weitere Maßnahmen, die junge Wildtiere vor dem Mähtod schützen können. So spielt schon der Zeitpunkt der Mahd eine wichtige Rolle: Wird die Grünflächenmahd erst Mitte Juni vorgenommen, sind die meisten Jungtiere schon reif genug für eine eigenständige Flucht. Landwirte können allerdings auch Randstreifen bei der frühen Mahd übrig lassen, um Brut- und Setztieren ausreichend Lebensraum für die Aufzucht ihrer Jungtiere zu erhalten. Außerdem gibt es Mähtechnologien wie Messerbalkenmähwerke, die für junge Rehkitze nicht so fatal ausfallen und deshalb bevorzugt gewählt werde sollten.