KI-Betrug: 8 Mio. Dollar durch Fake-Songs
Mithilfe von Bots streamte Michael Smith seine KI-generierten Songs unzählige Male und zwackte acht Millionen US-Dollar an Tantieme ein. Vor Gericht bekannte er sich schuldig.
Mithilfe von Bots streamte Michael Smith seine KI-generierten Songs unzählige Male und zwackte acht Millionen US-Dollar an Tantieme ein. Vor Gericht bekannte er sich schuldig.
Michael Smith aus Cornelius, einer Kleinstast im US-Bundesstaat North Carolina, wäre ein genialer Coup geglückt, wäre er nicht erwischt worden. Denn der US-Amerikaner "soll Hunderttausende von Songs mit künstlicher Intelligenz erstellt und automatisierte Funktionen genutzt haben, um die Musik wiederholt zu streamen und so unrechtmäßige Tantiemen in Höhe von acht Millionen US-Dollar zu erzielen". Das zumindest erklärte Christie M. Curtis, stellvertretende Direktorin des FBI, Anfang September 2024 in einer Pressemitteilung.
Doch blicken wir mal auf den gesamten Coup zurück: Wenn ein Song auf einer Streaming-Plattform wie Spotify, Deezer oder YouTube Music abgespielt wird, erhalten sowohl der Songwriter als auch der Künstler und alle anderen Rechteinhaber kleinere Beträge in Form von Tantiemen-Zahlungen. Michael Smith soll darauf gesetzt haben, dass sich diese kleinen Zahlungen zu einem großen Gewinn summieren würden, würde er genügend Streams auf eigene Songs erzielen. Problem nur: Smith selbst ist weder Songwriter, noch Musiker ... dafür allerdings geschickt am Computer.
Laut Anklage soll der US-Amerikaner allerdings nicht allein gehandelt haben: Der Staatsanwaltschaft liegen E-Mails vor, wonach Smith seinen Mittätern - dem CEO eines KI-Musikunternehmens sowie einem Musikpromoter - den Plan des "easy money" vorgestellt habe. Ziel sei es gewesen, schnellstmöglich eine große Menge an KI-generierten Songs zu erstellen, um diese mithilfe von Bots hunderttausend mal zu streamen. Die Tracks, allesamt zufällig generierte Stücke, seien mit erfundenen Künstlernamen gespickt worden, um möglichst realistisch zu wirken. Heraus kamen dabei Titel wie "Zygotic Lanie“, "Zygotic Washstands" und "Zyme Bedewing" von Fake-Künstlern wie "Calliope Bloom", "Callous Humane" oder Calvinistic Dust".
Weitere von den Staatsanwälten zitierte E-Mails beinhalten finanzielle Schätzungen, die Smith sich selbst geschickt haben soll. Darin hieß es, dass Bot-Konten etwa 661.440 Streams pro Tag generieren könnten. Bei durchschnittlichen Tantiemen pro Stream von einem halben Cent, würde dies jährliche Einnahmen von 1.207.128 US-Dollar bedeuten. Mit diesem System sollen die drei Betrüger seit 2017 mehr als acht Millionen US-Dollar eingenommen haben.
"Michael Smith stahl Millionen an Tantiemen, die an Musiker, Songwriter und andere Rechteinhaber hätten gezahlt werden sollen, deren Songs rechtmäßig gestreamt wurden", sagte US-Staatsanwalt Damian Williams in der Anklageschrift.
Smith muss sich nun wegen Betrugs in drei Fällen verantworten - jede Anklage für sich trägt eine Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis.
Monate sind seither vergangen und der Fall landete nach FBI-Arbeiten vor Gericht und siehe da? Michael Smith bekannte sich vor dem US-Bezirksrichter John G. Koeltl am Bundesgericht in Manhattan schuldig. Laut einer Pressemitteilung des Southern District of New York hat er zugestimmt, 8.091.843,64 Dollar zu zahlen.
Die Staatsanwaltschaft der Abteilung für komplexe Betrugsfälle und Cyberkriminalität gab an, Smith habe Tausende gefälschter Konten auf großen Streaming-Plattformen wie Amazon Music, Apple Music, Spotify und YouTube Music erstellt und diese Konten mithilfe automatisierter Software kontinuierlich betrieben.
"Michael Smith generierte mithilfe künstlicher Intelligenz Tausende gefälschter Songs und streamte diese dann milliardenfach", sagte Jay Clayton, Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York. "Obwohl die Songs und die Hörer fiktiv waren, waren die Millionen Dollar, die Smith stahl, real. Millionen von Dollar an Tantiemen, die Smith echten, verdienten Künstlern und Rechteinhabern vorenthielt. Smiths dreister Betrug ist beendet, da er wegen eines Bundesverbrechens im Zusammenhang mit seinem KI-gestützten Betrug verurteilt wurde."
Smith bekannte sich in einem Anklagepunkt der Verschwörung zum Drahtbetrug schuldig, worauf eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis steht.