Julian Weber
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Matthias Schrader
Julian Weber
Leichtathletik

Deutsches Desaster bei WM in Budapest perfekt

Nach nur zwei WM-Medaillen 2022 bringen die Leichtathleten aus Budapest gar keine mit. Auch Speerwerfer Julian Weber verpasst das Podest. Die Aufgabe für 2028 wird aber schwerer als gedacht.

Weber verpasst letzte Medaillen-Chance

Der Speer von Julian Weber flog auch bei der letzten Chance nicht weit genug durch den Abendhimmel von Budapest - mit der ersten medaillenlosen WM ist die deutsche Leichtathletik an einem Tiefpunkt angekommen.

Als erneuter Vierter konnte der Europameister zum Abschluss nicht mehr den schlimmsten Fall verhindern. Enttäuscht schüttelte Weber danach den Kopf.

«Ich weiß gar nicht genau, was heute los war. Ich habe alles reingelegt und alles gegeben. Er wollte nicht weiter fliegen», sagte Weber ein wenig ratlos im ZDF. «Ich hätte sehr gerne die Medaille geholt und weiß, dass ich es draufgehabt hätte. Es tut mir leid und ärgert mich sehr. Ich habe versucht, Vollgas zu geben, aber es ging irgendwie nicht.»

Verbandspräsident Kessing spricht vom «worst case»

Der 28-Jährige stand zum Abschluss der neuntägigen Wettbewerbe allerdings auch unter extremem Druck. Dass Deutschland nicht im Medaillenspiegel auftaucht, gab es seit dem Beginn der Weltmeisterschaften vor 40 Jahren noch nie. Damit setzte sich nach nur zwei Medaillen im Vorjahr in Eugene - auch durch einige Ausfälle bedingt - der internationale Absturz fort.

Ein Jahr nach seinem vierten Rang in den USA schleuderte Weber den Speer bei seinem besten Versuch auf 85,79 Meter. Weiter warfen aber Olympiasieger Neeraj Chopra (88,17) aus Indien, Arshad Nadeem aus Pakistan (87,82) und der tschechische Olympia-Zweite Jakub Vadlejch (86,67).

Nur Stunden zuvor hatte der deutsche Verbandspräsident Jürgen Kessing vom «worst case» - dem schlimmsten Fall - gesprochen, sollte dem Olympia-Vierten nicht der Sprung auf das Podest gelingen. «Wir sind nicht hierhergekommen, um wieder mit leeren Händen nach Hause zu gehen», sagte Kessing. Doch genau so kam es.

Weltspitze zum Teil weit entrückt

Weber stieg mit 80,43 Metern verhalten ein, danach gelang Chopra der erste große Wurf des letzten Abends. Der Mainzer Weber hielt - stets angefeuert vom Publikum - mit knapp 86 Metern dagegen und ballte nach dem Sprung auf Platz zwei die Fäuste. Dann zog erst der Olympia- und WM-Fünfte Nadeem vorbei, dann auch Vadlejch.

Auf der anderen Seite des Stadions freute sich Hochspringerin Christina Honsel derweil über Platz acht mit 1,94 Metern - an der deutschen Nullnummer änderte dies auch nichts. «Dass wir am Ende keine Medaille gewinnen, macht mich auch traurig», sagte Geher und Team-Kapitän Christopher Linke im ZDF.

Zehnkampf-Hoffnung Leo Neugebauer ging zuvor am Samstagabend als Fünfter leer aus und genoss trotzdem ausgiebig seine Ehrenrunde. Die Frauen-Staffel um Gina Lückenkemper umarmte sich nach Rang sechs überglücklich, während neben ihnen die in Nationalflaggen eingehüllten internationalen Stars wie Dreifach-Sprint-Weltmeister Noah Lyles feierten.

Beides stand sinnbildlich für den Zustand der deutschen Leichtathletik. Leistungen, die für Europameisterin Lückenkemper «aller Ehren wert sind», reichen bei Weitem nicht für Medaillen bei Weltmeisterschaften. Die Weltspitze ist zum Teil weit entrückt, die Trendwende nach der Tristesse von Eugene ausgeblieben.

«Wenn ich gesund bleibe, da gibt es kein Limit»

Eine Anpassung des ambitionierten Zieles, bis 2028 wieder zu den Top 5 der Welt zu zählen, mochte Sportdirektor Jörg Bügner nicht vornehmen. Ein Jahr vor Olympia in Paris bleibt aber der sorgenvolle Eindruck, den Anschluss nicht mehr zu schaffen.«Wir haben festgestellt, dass wir in vielen Disziplinen den Anschluss an die Weltspitze verloren haben», sagte Bügner. Die Weltspitze habe sich signifikant weiterentwickelt. «Wir haben eine größere Distanz zu überbrücken und müssen uns mehr anstrengen.»

13 Top-8-Platzierungen waren zwar sechs mehr als bei der Vorjahres-WM in den USA. Dort gab es aber Gold durch die diesmal nach Verletzung fehlende Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo und Bronze durch die Sprintstaffel - und Medaillen sind für das Renommee entscheidend. Ein begeisterndes EM-Sommermärchen wie das aus dem Vorjahr übertüncht die magere WM-Ausbeute diesmal nicht.

Der deutsche Rekordhalter Neugebauer, der zur Halbzeit noch auf Goldkurs lag, fühlte sich nach dem zweitbesten Zehnkampf seines Lebens dennoch auch ohne Medaille «fantastisch». «Der Wettkampf hat mir viel beigebracht über mich selbst», sagte er am Sonntag über die «Probe» für Paris. «Besser, dass es jetzt passiert als nächstes Jahr bei Olympischen Spielen.»

Der 23-Jährige, der in den USA studiert und abseits der Verbandsmaßnahmen an einer Uni mit großen finanziellen Möglichkeiten eine imposante Leistungsentwicklung hingelegt hat, gab das Motto für Paris vor. «Wenn ich gesund bleibe, da gibt es kein Limit», sagte er. Ein Neugebauer in Bestform ist bei Olympia dringend nötig.

Quelle: dpa

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