Sobald die Sonne rauskommt, hellt sich das Gemüt auf, die Stimmung steigt, die Lust an Erlebnissen steigt, die Menschen zieht es vor die Türe und der Körper fühlt sich wie aus dem endloslangen Winterschlaf befreit: Vitamin D sorgt bei vielen für ein Hochgefühl. Kein Wunder wird es uns oftmals als Allheilmittel gegen alle möglichen Beschwerden und Krankheiten verkauft - und zwar für viel Geld. Wie der Berufsverband deutscher Internisten e.V. publizierte, gingen bereits 2017 Vitamin-D-Präparate für rund 177 Millionen Euro über die Ladentheke. Jedes Jahr rentiert sich das Geschäft mit der Sonne in Pillenform für Pharmaunternehmen mehr und mehr. Immer mehr Menschen glauben fälschlicherweise, dass sie unter einem Vitamin-D-Mangel leiden und wollen ihrem Körper mit der künstlichen Zufuhr auch in den Wintermonaten etwas gutes tun. Doch viel hilft nicht immer viel. Wir machen deshalb den Faktencheck und zeigen Euch, welche Mythen es rund um Vitamin D gibt.
Das solltest Du wissen
Vitamin D ist der übergeordnete Begriff für eine Gruppe fettlöslicher Vitamine, die Calciferole. Zu den wichtigsten Formen gehören Vitamin D2 (Ergocalciferol) und Vitamin D3 (Cholecalciferol). Die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut durch Sonnenlicht (UVB-Strahlen) ist abhängig von Breitengrad, Jahres- und Tageszeit, Witterung, Kleidung, Aufenthaltsdauer im Freien sowie dem Hauttyp und auch der Verwendung von Sonnenschutzmitteln, die die körpereigene Produktion vermindern. Das bedeutet, dass der Beitrag der körpereigenen Bildung zur Vitamin-D-Versorgung individuell stark schwanken kann. Somit kann der körpereigene Beitrag zur Vitamin-D-Versorgung weder bei Einzelpersonen, noch pauschal für die Allgemeinbevölkerung mengenmäßig bestimmt werden.
Mythos 1: Vitamin D verhindert Knochenbrüche
Laut dem Robert-Koch-Institut ist die bekannteste Funktion von Vitamin D die Beteiligung am Knochenstoffwechsel. So fördert Vitamin D laut dem RKI unter anderem die Aufnahme (Resorption) von Calcium und Phosphat aus dem Darm sowie ihren Einbau in den Knochen und nimmt damit eine Schlüsselrolle bei der Knochenmineralisierung ein. Die Einnahme von Vitamin D sei ebenfalls richtig, wenn es darum geht, Rachitis oder Knochenerweichung zu behandeln. Auf Knochenbrüche und Osteoporose hat Vitamin D jedoch keinen Einfluss - das zumindest behaupten der neuseeländische Forscher Mark Bolland und sein Team in ihrer Studie, die im "The Lancet Diabetes and Endocrinology"-Wissenschaftsmagazin erschienen ist. Die Forscher stützen sich dabei auf die Ergebnisse von insgesamt 81 Studien mit total über 53.000 Teilnehmern. 42 dieser Studien untersuchten den Effekt des Vitamins auf Knochenbrüche, 37 denjenigen auf Stürze und 41 die Wirkung auf die Knochendichte. Ihr Ergebnis: Vitamin D reduziert demnach weder die Anzahl der Stürze, noch die der Knochenbrüche bei Erwachsenen. Auch die Knochendichte beeinflusst die Vitamingabe nicht in nennenswertem Mass.