Slide in my DMs oder bleib draußen, wenn Du Ü-18 bist. Schon 13-Jährige dürfen Instagram installieren, dabei lauern auf dem Portal etliche Gefahren für Minderjährige. Instagram hat das Problem erkannt und passt nun seine Jugendschutz-Updates an. So soll fortan verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Belästigung auf dem sozialen Netzwerk werden können. 
Kein Sliden in die DMs mehr für über 18-jährige bei Minderjährigen

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 Jedes dritte Kind ist betroffen 
"Mittlerweile erlebt fast jedes Kind sexuelle Ansprache im Netz", so Günter Steppich, Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt Wiesbaden gegenüber Frankfurter Neue Presse. Sexuelle Belästigung durch Gleichaltrige, aber auch deutlich ältere gehört für viele Minderjährige auf WhatsApp, Instagram, TikTok, Facebook und Co. fast schon zum Alltag. Auch die Fälle von Cybermobbing und -Grooming nehmen stetig zu. Immer mehr Eltern fragen sich deshalb, wie sie ihren Kindern die in der Schule stiefmütterlich betrachtete, aber so wichtige Medienkompetenz beibringen - und vor allem, wie sie die Kleinsten vor Anfeindungen im Netz schützen können. 

 Immer mehr Jugendliche sind Dauer-Online 
Das Jahr 2020 hat den Alltag von Jugendlichen auf den Kopf gestellt: Die meisten Freizeitbeschäftigungen waren nicht möglich, Schulen waren über Wochen und Monate geschlossen und es wurde teilweise im Fernunterricht gelernt. Dies ließ entsprechend auch Änderungen im Medienverhalten von Jugendlichen erwarten. Im Jahr 2020 erfuhren die Jugendlichen einen deutlichen Schub in der Ausstattung mit Mediengeräten. Der persönliche Besitz eines Computers oder Laptops stieg von 65 auf 72 Prozent, der eines eigenen Tablets von 25 auf 38 Prozent. 93 Prozent der Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone. Die Jüngeren (Zwölf- bis 13-Jährigen) besitzen mit 84 Prozent minimal weniger häufig ein eigenes digitales Endgerät. Das hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest für die aktuellste JIM-Studie festgestellt.

 Mehr Geräte, mehr Möglichkeiten, weniger Schutz 
89 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen sind täglich online. Das Soziale Netzwerk Instagram rangiert auf Platz drei der beliebtesten Angebote, gleich hinter WhatsApp und YouTube. Erlaubt ist die Nutzung dieser Social-Media-Plattformen laut der AGBs allerdings erst ab 13 Jahren. 

Instagram will Minderjährige besser schützen

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 Altersverifikation 
Zwar fragt das soziale Medium beim Erstellen eines Accounts das Alter der Nutzer:innen ab, allerdings wird dies bis dato auch nicht auf Korrektheit hin überprüft. Ein offizielles Ausweisdokument muss nicht vorgelegt werden. Daran wird sich auch künftig nichts ändern, aber immerhin planen die Betreiber:innen der Plattform die Einführung einer künstlichen Intelligenz, um Anhaltspunkte zum tatsächlichen Alter der angemeldeten Person zu erhalten und alterskonforme Funktionen anbieten zu können. 

 Sicherheit vor ungewollten Kontaktanfragen 
Um junge Menschen vor ungewollten Kontaktanfragen von Erwachsenen zu schützen, wird es auf Instagram baldmöglichst eine neue Funktion geben, die Erwachsene daran hindert, Nutzer:innen unter 18 Jahren anzuschreiben, wenn diese ihnen nicht folgen. Wenn ein Erwachsener zum Beispiel versucht, einem Minderjährigen, der ihm nicht folgt, eine Direktnachricht zu senden, erhält er eine Benachrichtigung, dass eine Kontaktaufnahme nicht möglich ist. 

Keine ungewollten Kontaktanfragen von Fremden mehr

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 Nutzung privater Accounts 
Minderjährige, die sich neu bei Instagram anmelden, werden zu einer noch bewussteren Entscheidung zwischen einem privaten oder öffentlichen Account angeregt. Dafür fügt Instagram dem Anmeldeprozess noch mehr Informationen zu den Einstellungsmöglichkeiten hinzu. Wenn sich die Minderjährigen für einen öffentlichen Account entscheiden, sendet Instagram ihnen nach einiger Zeit eine Benachrichtigung, die die Vorteile eines privaten Accounts aufzeigt und daran erinnert, die Einstellungen nochmals zu überprüfen. 

 Weitere Wege, um junge Menschen zu schützen 
Zusätzlich zu den beschriebenen Funktionen soll es Warnhinweise in Direktnachrichten geben, um die junge Community bei Nachrichten von Erwachsenen mit ungewöhnlichem Verhalten zur Vorsicht aufzurufen. Instagram testet dies bereits in mehreren Ländern, darunter auch in den USA, und hofft, die Funktion bald weltweit einführen zu können. Zudem plant das soziale Netzwerk, es Erwachsenen, die bisher zwar noch nicht gegen die Instagram Community-Guidelines verstoßen haben, aber ein ungewöhnliches Verhalten aufweisen, zu erschweren, Minderjährige auf Instagram zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten – beispielsweise indem von Anfang an verhindert wird, dass diesen Erwachsenen Accounts oder Inhalte von Minderjährigen überhaupt erst vorgeschlagen werden. 

Tipps für Eltern und Jugendliche, wie man sicher mit Instagram umgeht und was man tun kann, wenn man Opfer von Hate Speech oder sexueller Belästigung auf der Plattform wurde, finden sich auf dieser Seite