Wer sind die Menschen hinter den zwei Seiten der DKMS - den Suchenden und den Spendern? Wir stellen Euch Hannah und Emrah vor - die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch ganz schön viel gemeinsam haben. 
Emrah Kilic bei seiner Stammzellenspende

Credit: Emrah Kilic/DKMS

 

Emrah ist Erwachsen, steht mit beiden Beinen im Leben und arbeitet gerne bei der DKMS. In seiner Freizeit musiziert Emrah unwahrscheinlich gerne. Hannah hingegen ist sieben Jahre alt und gerade am Anfang ihrer Lebens - wenn Hannah groß ist, möchte sie Detektivin oder Tierretterin werden. Mit Emrah hat Hannah auf den ersten Blick wenig zu tun. Beide sind jedoch bei der DKMS! Emrah als Spender und Hannah als Suchende. Hier erzählen wir Euch ihre Geschichten.

 Der Spender: Emrah 
Emrah Kilic hat in Göttingen Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert und anschließend ein Volontariat in einer Zeitschriftenredaktion absolviert. Nach über zehn Jahren Erfahrung als Journalist wechselte er 2013 zur DKMS, seit 2015 gehört er als Public Relations Manager der Abteilung Corporate Communications an. Emrah arbeitet also nicht nur für die DKMS, er lebt auch das Motto seiner Arbeitgebers - dank seiner Spende konnte einem Menschen das Leben gerettet werden - das ist seine Geschichte, die Emrah Euch selbst erzählt:

 Vom Anruf über die Spende: So lief alles ab 
Die Stammzellspende: ein Thema, mit dem ich mich beruflich tagtäglich beschäftige. Denn als Public Relations Manager bei der DKMS möchte ich so viele Menschen wie möglich auf unsere Organisation und unsere Arbeit aufmerksam machen, ganz nach unserer Vision: Wir besiegen Blutkrebs! Um das zu erreichen, erzählen wir auf Social-Media-Kanälen und im Media Center häufig Geschichten von Spendern und Patienten. Diese sind jedes Mal emotional, gehörten für mich bislang aber zum Arbeitsalltag und weniger zum persönlichen Erfahrungsschatz – bis mich kurz vor Weihnachten 2019 ein unerwarteter Anruf erreichte. An einem Samstagvormittag erschien die Nummer der DKMS auf meinem Handy-Display. Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, während meiner zwei bevorstehenden freien Wochen nichts von den Kollegen zu hören. Aber es ging gar nicht um die Arbeit. Wobei – irgendwie ja dann doch: Ich sollte Stammzellspender werden!

 Schon Emrahs Bruder hat Stammzellen gespendet 
Bevor ich selbst als Spender angefragt wurde, hatte ausgerechnet auch mein jüngerer Bruder im März 2018 über die DKMS Stammzellen gespendet.
 So konnte ich zumindest mental jemanden in der eigenen Familie dabei begleiten und damit rückte das Thema noch näher an mich heran. Jetzt war ich selbst an der Reihe. Ein aufregendes Gefühl! Anfang dieses Jahres stand zunächst die sogenannte Bestätigungstypisierung an. Dafür wurden mir drei Röhrchen Blut abgenommen: zwei für die Klinik des Patienten und eines für das Labor, um es unter anderem auf übertragbare Krankheitserreger zu testen. Zwei Wochen später bekam ich Bescheid: Die Analyse hatte ergeben, dass ich tatsächlich der passende Spender war.

 Grünes Licht: Emrah kommt definitiv in Frage 
Es dauerte schließlich bis Ende März, bis die Klinik des Empfängers die Anfrage konkretisierte. Der Zeitpunkt der Spende hängt ja schließlich von dem der Transplantation ab, dazwischen dürfen höchstens 72 Stunden liegen. Jetzt war ich also nicht mehr nur in Wartestellung, sondern tatsächlich Spender! Man kann kaum beschreiben, was in einem vorgeht, wenn man weiß, dass irgendwo auf dieser Welt jemand auf die eigenen Stammzellen angewiesen ist. Ein surreales Gefühl, obwohl ich vorher schon so oft davon gelesen hatte und auch schon Spender bei der Entnahme begleitet habe. Zunächst ging es aber Anfang April zur Voruntersuchung bei Cellex in Köln. Während andere Spender aus ganz Deutschland anreisen und größtenteils die Nacht davor im Hotel verbringen, konnte ich ganz bequem mit dem Fahrrad zum MediaPark radeln. Wie auch später bei der Entnahme hatte ich ein Heimspiel. Ein paar Tage später erhielt ich dann per Post ein Fachgutachten und den medizinischen Befund der Voruntersuchung, mit dem Ergebnis, dass dieser keine Kontraindikation gegen die Stammzellspende ergeben habe. Grünes Licht also! Und das gute Gefühl, zu wissen, dass es einem selbst gut geht. Aber hier geht es ja nicht mehr nur um mich, sondern um den Patienten. Jemand braucht deine Hilfe!

 
 Die Vorbereitung auf die Spende 
Ehrlich gesagt, mag ich keine Nadeln, und schon gar nicht, wenn ich mich selbst piksen soll. Diese Aufgabe im Vorfeld der Spendeübernahm zum Glück meine Freundin: einmal morgens, einmal abends an vier aufeinanderfolgenden Tagen sowie morgens am Entnahmetag. Insgesamt setzte sie neun Mal eine Spritze in meine Bauchfalte, um meinen Körper auf die bevorstehende Spende vorzubereiten. Der Wirkstoff G-CSF sorgt nämlich dafür, dass die Stammzellen mobilisiert und aus dem Blut entnommen werden können. In Form von Gliederschmerzen merkte ich die Nebenwirkungen; diese waren aber erträglich, vor allem, wenn man weiß, worum es geht, nämlich um Leben und Tod bei dem Patienten, der auf die Stammzellen hofft, damit er wieder gesund werden kann.
 
 Nach 2,5 Stunden war alles vorbei 
Bei all den privaten und beruflichen Vorbereitungen kam der Tag der Spende nach der langen "Wartezeit" dann doch ganz schnell. Gleichzeitig war ich froh, dass die Zeit des "Wartens" vorbei ist. Angekommen im Entnahmezentrum in Köln, wurde ich auch mit Corona-Sicherheitsmaßnahmen konfrontiert: Fragebogen ausfüllen, Mundschutz auf, Fieber messen; erst dann konnte die Spende beginnen. Obwohl bei mir besonders viele Stammzellen entnommen werden sollten, war ich mit der Entnahme nach nur 2,5 Stunden durch. Anscheinend hatte mein Körper die Stammzellen besonders gut mobilisiert, denn oft dauert der Prozess bis zu vier oder fünf Stunden.

 Die Spende ging nach Frankreich an einen erwachsenen Mann 
Als ich danach wieder zu Hause ankam, war ich einfach nur platt und reif für die Couch. Die ganze emotionale und körperliche Anspannung fiel von mir ab, und ich wusste, dass ich noch etwas Erholung brauchen würde. Was mir dann wirklich gut tat, war ein Telefonat mit einer DKMS-Kollegin, die mir erzählte, dass die Spende nach Frankreich gehen werde und der Empfänger ein erwachsener Mann sei. Aufgrund der strengen Regelungen im Zielland darf ich den Empfänger leider nie persönlich kennenlernen. Aber das Wichtigste ist, dass sein Körper die Stammzellen gut annimmt und er wieder gesund wird. Ich bin froh, dass ich nach all den vielen Spendergeschichten, die ich gelesen und gehört habe, nun auch meine eigene schreiben konnte. Abschließend kann ich festhalten:
 

"Für mich persönlich war die Spende eine unglaublich bereichernde und positive Erfahrung, und ich würde es jederzeit wieder tun. Sie bestärkt mich in meinem Tun und Denken und motiviert mich noch mehr, andere Menschen dafür zu sensibilisieren, wie wichtig unsere Arbeit ist."
Emrah Kilic - DKMS-Mitarbeiter und Stammzellenspender

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