Die Corona-Krise trifft uns alle schwer - die Ärmsten der Ärmsten jedoch am härtesten. Obdachlosigkeit in Zeiten von Corona ist ein Thema, das alle angehen sollte. Deshalb zeigen wir Euch, was Ihr tun könnt, um zu helfen. 
Obdachlos

Credit: Unsplash.com

 

 Bundesweit sind rund 678.000 Menschen Wohnungslos 
Lockdown 2.0 - die Läden machen dicht, Weihnachtsgeschenke könnten dieses Jahr ausfallen und zum Friseur schafft man es vor den Feiertagen nun auch nicht mehr. Für manch einen sind Probleme, die ihn derzeit beschäftigen - und wir wollen diese nicht kleinreden, wir wollen nur eine Sichtweise der Auswerkiungen der Corona-Pandemie nicht außer Acht lassen: Die der Obdachlosen. Denn die Ärmsten der Ärmsten trifft die Krise härter als jeden anderen von uns. Laut der tagesschau gehen für Deutschland die aktuellsten Schätzungen von bundesweit rund 678.000 Menschen aus, in etwa die Einwohnerzahl der Metropole Frankfurt am Main. Fünf Jahre zuvor lag die Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) noch bei 335.000 Wohnngslosen. 

Ursachen für Obdachlosigkeit sind laut der Europäischen Kommission unter anderem: 

  • Arbeitslosigkeit und Armut
  • Migration
  • Alterung
  • Gesundheitsprobleme
  • Trennung oder Scheidung
  • Mangel an bezahlbarem Wohnraum zur Miete oder zum Kauf
  • Mangelnde Betreuung von Menschen, die aus Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Gefängnissen oder anderen öffentlichen Einrichtungen entlassen werden
 Warum sind Obdachlose so gefährdet? 
Vor allem zu Beginn der Corona-Krise sah es für viele obdachlose Menschen in Deutschland schlimm aus: Aus Sorge um die Helfenden und die älteren Obdachlosen, schlossen viele Tafeln und andere Hilfsangebote ihre Pforten. Die Menschen blieben daheim, arbeiteten im Home-Office und deckten sich mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln ein, während die Obdachlosen in vielen Regionen – zumindest zeitweise – sich selbst überlassen wurden. Dabei sind gerade sie in besonderem Maße gefährdet. Laut der Europäischen Kommission haben Obdachlose meist eine geringere Lebenserwartung, Gesundheitsprobleme, werden diskriminiert, leben isoliert und haben keinen Zugang zu grundlegenden öffentlichen Diensten und Leistungen. Gemeinsam mit der katholischen Hilfsorganisation Malteser e.V. wollen wir Euch deshalb aufzeigen, mit welchen einfachen Mitteln Ihr Obdachlosen besonders im Winter und in der Pandemie helfen könnt. 

 Waschen ist Würde 
Die Innenstädte waren zeitweise leer. Nur die Obdachlosen blieben. Viele von ihnen haben keinen Rückzugsort und trotz Angeboten wie dem Duschbus GoBanyo, Container-Duschen und etwaigen Einrichtungen mit Waschplätzen ist ihr Zugang zur sanitären Versorgung oft nur eingeschränkt möglich. Ein nicht unbedeutender Teil von ihnen muss aufgrund von Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe gezählt werden und in Deutschland sind zudem rund 25 Prozent der Wohnungslosen älter als 50 Jahre. Notunterkünfte sind prinzipiell eine gute Sache, doch ist es dort schwer, die Ansteckungsgefahr zu minimieren. 

Der GoBanyo Bus bietet Waschmöglichkeiten für Obdachlose an

Credit: Julia Schwendner/GoBanyo

 Hilfe und Halt für obdachlose Menschen 
Erschwerend kommt hinzu, dass für viele Obdachlose die Einnahmequellen wegfielen: Kleingeld, das in Fußgängerzonen eingenommen werden konnte, Pfandflaschen oder der Erlös aus dem Verkauf von Obdachlosenzeitungen – all das blieb erst einmal aus. Ein schwerer Schlag war außerdem die Schließung von Tagesstätten, Obdachlosen-Cafés und sonstigen Treffpunkten, die den Menschen in ihrem Alltag Halt gaben. So erging es auch der Obdachlosen-Tagesstätte MAhL ZEIT in Hamburg-Altona, wo der Coronavirus alles auf den Kopf gestellt hat. "Kurz bevor wir komplett schließen mussten, waren wir noch vier Leute für die Versorgung von über 100 Menschen", erzählt die Leiterin des Hauses Marion Laux. 

 So könnt Ihr helfen   
Es gibt diverse Möglichkeiten, Obdachlosen zu helfen - besonders im Winter und während der Pandemie sollte jeder von uns sein möglichstes tun. Diese Hilfsmöglichkeiten für Jedermann gibt es laut der Plattform Go Volunteer.

1. Geld spenden 
Der einfachste Weg, wie Du obdachlosen Menschen helfen kannst, ist Geld zu spenden. Deine Spende hilft beispielsweise Tagesaufenthalte, Wohnungslosenheime und Nothilfemaßnahmen für obdachlose Menschen zu unterstützen und neu zu organisieren. So kann die Versorgung obdachloser Menschen sichergestellt werden, und gleichzeitig ehrenamtliche Helfer und Hilfsbedürftige vor der Ausbreitung des Virus geschützt werden.

  • Deutschlandweit Spenden: Die Diakonie sammelt Spenden für deutschlandweite Nothilfemaßnahmen, etwa um Tagesaufenthalte zu finanzieren. Auch die Bahnhofsmission Deutschland e.V. ist auf deine Unterstützung angewiesen! Spende Geld, damit sie auch in Corona-Zeiten ihren Aufgaben nachgehen können.
  • Du möchtest die Obdachlosenhilfe in Deutschland finanziell ein wenig unterstützen? Du möchtest außerdem einen Beitrag zur Hilfe während der Corona-Krise leisten? Dann unterstütze die Malteser und spende an die Nothilfe in Deutschland.

2. Spende an Gabenzäunen
Eine einfache Möglichkeit, die Obdachlosen direkt hilft, bietet der Gabenzaun, den es bereits in einigen Städten wie Berlin und Hamburg gibt. Dazu packst Du jeweils Tüten pro Person mit Lebensmittel, Sachspenden oder Hundefutter, beschriftest diese und bringst sie an den Gabenzaun an, zum Beispiel in Berlin am S-Bahnhof Hermannstraße. Wie so ein Gabenzaun funktionieren kann findet ihr auf der Website des Hamburger Gabenzaun e.V. erklärt. Eine Druckvorlage für einen Gabenzaun-Zettel findest Du hier.

3. Spende Geschirr
Viele Suppenküchen und Obdachloseneinrichtungen mussten wegen der Ansteckungsgefahr ihre Gasträume schließen. Die Essensausgabe findet derzeit fast ausschließlich "to-go" statt. Dafür wird jetzt überall Geschirr benötigt. Zum Beispiel beim Berliner Obdachlosenhilfe e.V. Die aktuelle Bedarfsliste und alle Infos dazu findest Du hier.

4. Werden ehrenamtlicher Helfer bei der Tafel 
90 Prozent der ca. 60.000 freiwilligen Helfer*innen der Tafel gehören zur Risikogruppe der Covid-19 Erkrankung. Deshalb haben die Tafeln ihre Ausgabestellen wegen der Ansteckungsgefahr größtenteils geschlossen. Viele Tafeln arbeiten jetzt an alternativen Konzepten, etwa durch Lieferungen direkt an Bedürftige. Hier findest Du eine Tafel in Deiner Nähe, die jetzt Deine Unterstützung braucht.

Eine freiwillige Helferin bei der Tafel

Credit: Yuki Zipse/Tafel.de

5. Spende Schlafplätze
Selten war das eigene Bett so wichtig wie in der Corona-Pandemie. Da viele Obdachlosenunterkünfte geschlossen sind, sind Obdachlose auf alternative  Schlagmöglichkeiten angewiesen. Obdachlose während Corona sind besonders gefährdet. In Berlin werden in der Facebook Gruppe "Schlafplatzorga" schon seit 5 Jahren temporäre Schlafplätze und Rückzugsorte an obdachlose Menschen vermittelt. Jetzt ist diese Vermittlung  so wichtig wie nie zuvor. Wenn Du Dir vorstellen kannst jemanden aufzunehmen, kannst Du über Facebook mit der Organisation Kontakt aufnehmen oder eine E-Mail an [email protected] schreiben. Das Projekt #hotelsforhomeless fordert die Unterbringung und Betreuung von obdachlosen Menschen in leerstehenden Hotels. Über das Deutsche Rote Kreuz kannst Du einsehen, welche Notunterkünfte es in Deiner Stadt gibt. Diese kannst Du dann telefonisch nach benötigten Spenden wie Kleidung oder Decken fragen. 

6.Spende Schlafsäcke
Ist keine Unterkunft vorhanden, müssen Obdachlose während Corona so gut es geht räumlich getrennt und Maßnahmen zur Vereinzelung getroffen werden. Dazu müssen Obdachlose, die dies wollen, mit Zelten und Schlafsäcken ausgestattet werden und Schlafstätten im öffentlichen Raum müssen geduldet werden. Unter anderem bittet das Straßenmagazin fifty-fifty in Düsseldorf daher um Zelt- und Schlafsackspenden. Über betterplace.org kannst Du gezielt eine Spende entrichten, um Schlafsäcke oder Lebensmittel und Kleidung zu finanzieren. 
Schlafsack

Credit: strassenfeger.org

7. Jobangebote für obdachlose Menschen
Ihr wollt und könnt Menschen in Notsituationen unterstützen und eine zweite Chance geben? Strassenfeger e.V. nimmt Euer Job-Angebot gerne an und vermittelt es an wohnungslose Menschen, die arbeitsfähig sind.  

8. Verteilt Lebensmittel an Obdachlose in Eurer Stadt
Wichtig: Auch beim Verteilen gilt es, den Abstand einzuhalten, um die Menschen zu schützen. Was ist beim Packen einer Tüte für Obdachlose zu beachten?

  • Frische Lebensmittel sind gut und wichtig, aber auf der Straße nicht lange haltbar. Deshalb sollten sie gut verpackt sein und nicht in zu großen Mengen angeboten werden.     
  • Haltbare Nahrungsmittel sollten leicht zu öffnen sein, ohne Hilfsmittel. 
  • Essbesteck sollte mitgereicht werden, wenn die Nahrungsmittel nicht mit den Händen gegessen werden können – zum Beispiel bei Joghurt, Salaten oder Fertiggerichten.
  • Mineralwasser ist immer gut und ermöglicht zusätzlich die Einlösung gegen Pfand.
  • Pflegeprodukte für den täglichen Bedarf werden immer gebraucht. Feuchttücher und Pflaster sind auf der Straße wahre Luxusgüter.    
  • Snacks, wie Schokolade oder Chips tun der Seele gut und versüßen nicht nur uns den Alltag. Die Snacks sollten aber in kleinen Portionen verpackt sein, was den reduzierten Transport vereinfacht.
  • Mund-Nasen-Masken sowie Desinfektionsmittel sind ebenfalls herzlich willkommen