Seit Beginn der Pandemie ist der Konsum von legalen Suchtmitteln rapide gestiegen. 
Hier ein Gläschen, da ein Gläschen ...

Credit: Scott Warman/Unsplash

 Day Drinking ist salonfähig geworden 
Messy Monday, Tipsy Tuesday, Wine Wednesday, Thirtsty Thursday, TGIFriday, Sloppy Saturday und Sunday Funday - hinter diesen Bezeichnungen stehen "Gründe", um an jedem einzelnen Wochentag das Glas erheben zu können. Was lustig klingt, hat spätestens seit Beginn der Pandemie rasant zugenommen. Sogenanntes Day Drinking ist salonfähig geworden und dient augenscheinlich dazu den ganzen Corona-Frust herunterzuspülen. Einer Umfrage des forsa-Instituts, das die KKH Kaufmännische Krankenkasse in Auftrag gegeben hat, zeigt den deutlichen Anstieg beim Konsum von legalen Suchtmitteln an. 

 Ein Viertel trinkt seit Corona häufiger 
Demnach trinken jeder dritte Mann und rund jede fünfte Frau an mehreren Tagen pro Woche Alkohol, neun Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen teils sogar täglich. Die Corona-Krise hat die Situation noch verschärft: Fast ein Viertel derjenigen, die ohnehin schon mehrmals wöchentlich Wein, Bier, Sekt oder Hochprozentiges konsumieren, geben zu, dies seit der Pandemie häufiger zu tun. Ähnlich geht es den Rauchern: Jeder neunte regelmäßige Raucher und sogar jeder dritte Gelegenheitsraucher sagen, seit Corona häufiger zur Zigarette zu greifen. Vor allem die Jüngeren gehen mit schlechtem Beispiel voran: Rund jeder dritte 16- bis 29-Jährige raucht seit der Krise mehr. Ganz oben auf der Skala stehen Zigaretten mit 71 Prozent. Jeder Sechste in dieser Altersgruppe raucht außerdem Shisha und jeder zwölfte konsumiert sogar illegale Drogen wie Cannabis, Marihuana oder Haschisch.

 Warum werden mehr legale Drogen konsumiert? 
"Ein gesteigerter Coolness-Faktor sowie Stress und Langeweile zählen zu den häufigsten Gründen, warum gerade junge Menschen trinken und rauchen", sagt Michael Falkenstein, Experte für Suchtfragen bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Durch den Lockdown während der Corona-Pandemie hätten zum einen die Langeweile und somit offenbar auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen zugenommen. Zum anderen seien solche Rauschmittel gerade in Krisenzeiten für viele Menschen eine Art Bewältigungsmechanismus, da sie entspannen und beruhigen und vermeintlich Ängste und Sorgen vertreiben, erläutert der Experte. "Die große Gefahr dabei ist, dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht", so Falkenstein weiter.

Day Drinking dank Langeweile?

Credit: Ashley Byrd/Unsplash

 Alkohol Selbsttests 
Ob aus Eurem gelegentlichen Weinchen am Abend bereits ein Verhalten geworden ist, dass auf eine Sucht hinweisen lässt, könnt Ihr in einem ersten Schritt mit dem Alkohol Selbsttest von "Kenn Dein Limit" herausfinden. Erkennen sich Hinweise auf eine Sucht, so solltet Ihr im ersten Schritt mit einer Vertrauensperson über Euer Problem reden. Weitere Schritte sind dann die Suche nach einer Selbsthilfegruppe. NAKOS, die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, hilft und unterstützt Euch bei dieser Suche.

Der Kontakt zu NAKOS ist auf folgenden Wegen möglich:

Telefon: 030 31 01 89 60
E-Mail: [email protected]
Webseite: www.nakos.de