Das deutsche Steuerrecht ist kein einfaches. Umso besser, dass Vater Staat nun die Dinglichkeit erkannt hat, Menschen dabei zu helfen, das Wirrwarr zu verstehen. In erster Linie handelt es sich dabei allerdings um Influencer - denn die haben es dem Finanzministerium neuerdings angetan. 
Geschenke for free? Leider nein - denn die gehören versteuert

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 Kennzeichnungspflicht und Steuererklärung 
Schleichwerbung hier, keine deutlich gekennzeichnete Anzeige da, ein fehlender Button, der die bezahlte Partnerschaft markiert: Influencer sein heißt, Werbeplattform sein. Und als solche sind die Litfaßsäulen von YouTube und Instagram dazu verpflichtet, sogenannte Kooperationen offen zu legen. Bekommt eine Reichweiten starke Influencerin ein Produkt zur Bewerbung zugesandt und wird für dessen Promotion zusätzlich bezahlt, muss sie dies nicht nur deutlich kennzeichnen, sondern auch dem Finanzamt melden - in Form einer Steuererklärung, die jede Einnahme, die über Instagram reinkommt, detailliert beinhalten muss. Bewusst ist das vielen Menschen, die mit Instagram und Co. ihr Geld verdienen - sich dranhalten? Das steht auf einem anderen Blatt.

 Auch Geschenke sind Einnahmen und gehören versteuert 
Was einige Zeit unter dem Radar des Fiskus funktioniert hat, bekommt nun besondere Aufmerksamkeit vom Staat. Denn prominente Fälle wie der von Cathy Hummels, Ehefrau des Fußballers Mats Hummels, Mutter und hauptberuflich "Einflussnehmerin", haben gezeigt, dass Influencern und ihren Steuerpflichten vermehrt auf die Finger geschaut werden. Denn auch vermeintliche Geschenke wie eine Hotelübernachtung, ein Schmuckstück oder eine Wellness-Reise sind Steuerpflichtig und müssen dem Finanzamt angegeben werden. Wer nicht deutlich kennzeichnet oder Schenkungen unterschlägt, dem droht eine Geldstrafe. 

Die leidige Steuererklärung - auch Influencer müssen diese ausfüllen

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 Leitfaden erklärt Influencern das Thema Steuern 
Mit dem Leitfaden "Ich bin Influencer, muss ich Steuern zahlen?" veröffentlicht das Bundesfinanzministerium in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Steuern, Sondereinheit Zentrale Steueraufsicht (Online-Taskforce) jetzt ein neunseitiges Dokument, das alle wichtigen FAQs, die Influencer rund ums Thema Steuern haben könnten, beantwortet. Personen, die durch Social-Media Gelder beziehen, soll der Leitfaden "bei der Einschätzung helfen, ob Ihre Tätigkeit als Influencer reines Hobby ist oder dem Finanzamt angezeigt werden muss", heißt es in der Einleitung des Dokuments. In der Übersicht wird zum Beispiel gut erklärt, was es zu versteuern gilt. Wer sich danach immer noch dumm stellen möchte, dem macht die Finanzbehörde klar, dass sie "mittels Internetrecherche oder Auskunftsersuchen an Ihre Geschäftspartner einen recht guten Einblick über Ihre Tätigkeit bekommen können". Außerdem wird unmissverständlich klargemacht, dass es sich bei Steuerhinterziehung nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. so drohen "neben der Nachzahlung der nicht bezahlten Steuern beispielsweise hohe Zinszahlungen, Geldstrafen und in Extremfällen sogar eine Freiheitsstrafe".

 Unwissenheit schützt vor Strafe nicht 
Influencer sein: Noch vor einigen Jahren war das kein anerkannter Beruf. Einnahmen konnten scheinbar einfach schwarz an der Staatskasse vorbeigeschmuggelt werden. 2020 ist das nicht mehr so. Aufsichtsbehörden schauen den teilweise schwerreichen menschlichen Litfaßsäulen genau auf die Finger - und die Umsätze. Der Leitfaden der Online-Taskforce soll jedoch nicht nur verdeutlichen, dass der Staat Influencer auf dem Schirm hat, sondern auch dabei helfen, durch den Steuer-Dschungel durchzublicken. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - genau deshalb erläutern die Autoren des Dokuments den Lesern alle Aspekte, die der Job als Influencer aus Steuersicht mit sich bringt.