Durch die Ausgangsbeschränkungen und die Angst vor der Antsteckungsgefahr, schrumpfen die ohnehin schon spärlichen sozialen Kontakte einiger Menschen immer weiter. Vereinsamung droht! Um das zu verhindern, haben sich Freiwillige zusammengetan und bieten ihre Hilfe sowie ein offenes Ohr über das kostenlose Silbertelefon an. ​

Dank des Silbertelefons können vereinsamte, ältere Menschen mit anderen sprechen und sich austauschen

Credit: Miryam León/Unsplash

Euch fällt die Decke auf den Kopf, ihr wollt Eure sozialen Kontakte zurück, wieder in Euer altes Leben? Alles was bleibt, ist die Möglichkeit, Eure Freunde, die Familie und Kollegen durch digitale Hilfen wie WhatsApp, FaceTime, Zoom oder andere Telefonkonferenzen zu sehen und zu sprechen. Stellt Euch jedoch vor, Ihr hättet all das nicht. Ihr würdet einer Risikogruppe angehören. Eure sozialen Kontakte, die bis dato aus Besuchen der Kinder, Enkel oder Pflegekräfte bestanden, sind wegen der Corona-Krise komplett weggebrochen, einen Partner habt Ihr nicht mehr an Eurer Seite. Und dann naht auch noch Ostern - eigentlich ein Fest, das man mit der Familie verbringt. Ihr droht zu vereinsamen. Eine Vorstellung, die einem das Herz brechen kann. Das sieht auch Elke Schilling des Silbernetz e.V. so - gemeinsam mit ihrem Team aus Freiwilligen und Ehrenamtlichen sowie dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg wirkt sie seit Ausbruch der Pandemie der Vereinsamung älterer Menschen entgegenwirken: Mit dem Silbertelefon.

 Vereinsamung durch Isolation 
"Fühlen Sie sich in der Isolation einsam und möchten sich einfach mal was von der Seele reden? Brauchen Sie praktische Hilfe wie einkaufen, Hund ausführen oder ähnliches?", so beginnt Elke Schilling, die Initiatorin und Vorsitzende des Silbernetz e.V., ihr Hilfeangebot in einem Videoaufruf. Das Silbertelefon steht allen älteren, einsamen und isolierten Menschen zur Verfügung - und das jeden Tag von acht Uhr bis 22 Uhr. Natürlich ist der Anruf kostenfrei und der Anrufer kann, wenn er will, anonym bleiben. Bisher galt dieses Angebot nur im Raum Berlin und Brandenburg. Seit der steigenenden Zahl der vereinsamten Personen, durch die Corona-Krise, wurde das Angebot des Silbertelefons bundesweit ausgebaut. Nun kann jeder die kostenlose Hotline wählen und einfach mal ein bisschen reden. 

 Reden und zuhören - das hilft 
"Wir hören zu und wir teilen Sorgen und Ängste", erklärt Elke Schilling, die Initiatorin des Silbertelefons. Die meisten Anrufer gehe es vor allem um Kontakt. "Weil sie haben ja niemanden, der mit ihnen spricht. Das ist jetzt noch mal verschärft dadurch, dass auch die normalen Kontakte, die sich durch Pflege und Nachbarschaft vielleicht ergeben, auch noch weg sind", so Elke Schilling gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Doch auch Helfer dürfen sich jederzeit beim Silbernetz e.V. melden und ihr offenes Ohr anbieten. Über die Webseite kann sich jeder Freiwillige melden und registrieren lassen. 

 So könnt Ihr oder Eure Großeltern das Silbertelefon erreichen 

  • Tefonnummer: 0800 / 4 70 80 90
  • Kostenlos
  • Erreichbar täglich von 08:00 Uhr bis 22:00 Uhr 
Das Silbertelefon hilft allen Menschen, die einsam sind und reden möchten

Credit: Siavash Ghanbari/Unsplash

Doch nicht nur ältere Menschen leiden an Einsamkeit - auch die ganz Kleinen trifft diese ständige Isolation hart. Mittlerweile hat auch die Bundesregierung erkannt: es ist fünf nach zwölf! Auf der offiziellen Seite werden vereinsamten Menschen durch Corona deshalb sechs Tipps gegeben. 

 Sechs Tipps gegen Einsamkeit 
Während der Corona-Pandemie kann das Gefühl von Einsamkeit zunehmen - besonders in der dunklen Jahreszeit und an den Feiertagen. Denn nach wie vor gilt, persönliche Kontakte zu reduzieren. Was dennoch helfen kann, positiv durch den Winter zu gehen - ein paar Vorschläge.

  • Kontakte pflegen mit Familie und Freunden: Ruft Feunde und Familienangehörige, die Ihr jetzt nicht treffen können, an oder nutzen Sie Online-Dienste, Messenger oder Apps, um auch an den Feiertagen in Kontakt zu treten.
  • Macht jemandem eine Freude: Ihr könntet mal wieder Postkarten oder Briefe schreiben oder auch ein Päckchen mit kleinen Geschenken verschicken oder vor die Tür des Beschenkten stellen.
  • Initiiert ein gemeinsames Projekt: Wolltet Ihr schon längst mal eine Sprache lernen, Euch im Handarbeiten oder Basteln betätigen oder ein Buch gemeinsam lesen und diskutieren? Jetzt könnte dazu eine gute Gelegenheit sein.
  • Spielt gemeinsam: Viele Spiele können online gemeinsam gespielt werden, auch kostenfrei.
  • Schafft emotionale Nähe: Erinnert Euch zum Beispiel an schöne soziale Begebenheiten, nutzt Fotos, Videos oder Tagebucheinträge oder auch Musik, um die Erinnerung aufzufrischen und teilt die Erinnerungen mit anderen. 
  • Unterstützt andere: Übernehmt zum Beispiel Einkäufe für ältere Menschen oder Hilfsbedürftige aus Eurer Nachbarschaft oder bietet Eure Hilfe an.

Die Techniker Krankenkasse bietet Singles den Corona-Survival-Guide, aber mit dem TK DepressionCoach auch ein Online-Coaching bei depressiven Symptomen.

 Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen? 
Psychische Krisen können jeden Menschen treffen, unabhängig von Ihrem Alter, Ihrem Geschlecht, Ihrer Bildung oder Ihrem Einkommen. Eine akute Krise beinhaltet den Verlust des inneren Gleichgewichts, zum Beispiel wenn sie mit Situationen oder Lebensumständen konfrontiert werden, die sie gerade nicht bewältigen können, weil ihre gewohnten Verhaltensstrategien nicht mehr greifen. Manchmal kann man seine Gefühle in einer solchen Krise nur schwer wahrnehmen. Manchmal treten Gefühle wie Wut, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit und auch Einsamkeit jedoch besonders intensiv auf.

Wenn Ihr bei Euch Symptome wie Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Interessensverlust, gedrückte Stimmung, Panik oder einen verminderten Selbstwert feststellen und das Gefühl haben, diese Symptome nicht alleine bewältigen zu können, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe aufzusuchen. Dies gilt ganz besonders dann, wenn in einer entsprechenden Krisensituation eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt (z. B. Aggression, die sich gegen Andere richtet oder eigene lebensmüde Gedanken). Zögert in solchen Situationen bitte nicht, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (bundesweite Tel.: 116 117) oder den Rettungsdienst (bundesweite Tel.: 112) zu verständigen. Dort wird Euch umgehend geholfen!

 An wen kann ich mich wenden? 
 

  • Telefonseelsorge oder 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222 · 116 123
  • Nachbarschaftshilfe nebenan 
  • Hausärzte (bei schwereren psychischen Problemen)
  • Ärztlicher (psychiatrischer) Bereitschaftsdienst (bundesweite Tel.: 116 117)