Lebensmittel-Verpackung oder To-Go-Behältnisse stehen aufgrund der hohen Abfallquote und der damit einhergehenden Umweltverschmutzung in der Kritik. Gemeinsam mit der Restaurantkette "Nordsee" wollen Forscher aus Bremerhaven nun eine nachhaltige Verpackungsalternative entwickeln, die sogar essbar ist. 
Algen

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Verpackungsmüll steigt stetig
Einer Statistik des Marktforschungsinstituts "Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH" (GVM) zufolge ist der Verbrauch von Servicepackungen der Gastronomie von 181 Tonnen im Jahr 2010 auf erschreckende 256 Tonnen im Jahr 2015 angestiegen. Die produzierte Müll-Menge stieg demnach um 41 Prozent. Angaben des Umweltbundes zufolge wurden allein 2015 18,2 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen produziert. Gemeinsam mit der "Nordsee"-Restaurantkette will die 1975 gegründete Hochschule Bremerhaven dem ansteigenden Verpackungsmüll nun endlich ein Ende setzen. Dafür entwickeln das Forschungsinstitut und der Investor Materialien, die nicht nur essbar, sondern auch regenerativ sind. 

Muell

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Essbare Behälter
Die Projektleiterin des neuen Verpackungswesens, Professorin Frederike Reimold der Hochschule Bremerhaven, hat es sich gemeinsam mit ihrem Team zum Ziel gemacht, ein Produkt zu entwickeln, dass keinerlei Verpackungsrückstände übrig lässt. Eine essbare Hülle soll die Lösung sein. Um dies realisieren zu können, setzen die Forscher aus Bremerhaven auf Algen. Geschmacksneutrale Verpackungen, die weder Farbe noch Geruch an die darin enthaltenen Lebensmittel abgeben und die Umwelt nicht belasten, sind angestrebt. Gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut, das Deutschlands Polarforschungen koordiniert und der Restaurantkette "Nordsee" unterzeichneten Vertreter der Hochschule Bremerhaven am 14. März 2018 den Vertrag zur Produktion der biologischen Behältnisse. 2020 sollen Endkunden diese erstmals im Handel vorfinden können. 

Alge

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Forscher zweifeln
Umweltschützer des Umwelt- und Naturverbandes "BUND" sehen der Algenverpackung allerdings kritisch gegenüber. Für sie ist der Entwurf keine optimale Lösung, um dem ansteigenden Verpackungsmüll entgegenzuwirken. "Ich fürchte, dass der Konsument dann denkt, es sei nicht so schlimm, wenn er die Box ins Gebüsch wirft", teilte die Leiterin des "BUND"-Meeresschutzbüros Nadja Ziebarth der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Außerdem stellt Ziebarth die Nachhaltigkeit des Produktes in Frage, da wohl nicht jeder die Algenbehälter verspeist und somit eine Anzahl im Bio-Abfalleimer landen wird. Diese würden anschließend von Sortiermaschinen aussortiert und "am Ende dann doch verbrannt" werden, so die "BUND"-Mitarbeiterin gegenüber der Deutschen Presseagentur. Ob sich das angesichts des immer größer werdenden Umweltproblems aufgrund vorherrschender Plastikverpackungen jedoch nicht das kleinere Übel sind, darf bezweifelt werden.