Einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten verlässt uns. Stephen Hawking geht mit seinen Werken als Ikone der Astrophysik und bewundernswerter Mensch in die Geschichtsbücher ein.

Stephen Hawking

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Eine Legende geht
Albert Einstein, Galileo Galilei, Isaac Newton – der britische Astrophysiker und Autor Stephen Hawking reiht sich mit seinem Lebenswerk unter die schlausten Köpfe, die jemals auf der Erde gelebt hatten. Eine derartig bedeutende Zukunft wurde dem Wissenschaftler allerdings nicht immer prognostiziert – bereits im Alter von 21 Jahren wurde bei Hawking Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) festgestellt. Es handelt sich dabei um eine schwere Krankheit, die nach und nach das gesamte Nervensystem eines Menschen zerstören kann. Die Ärzte schrieben dem damaligen Oxford-Studenten nur wenige verbleibende Lebensjahre zu. Stattdessen weilte der brillante Wissenschaftler aber noch eine lange Zeit unter uns und hinterließ drei Kinder, sowie unzählige Arbeiten und Schriften, die die Welt für immer veränderten.

 

ALS
In Folge seiner ALS-Erkrankung verlor Stephen Hawking mit der Zeit viele seiner motorischen Fähigkeiten – darunter auch die Gabe, zu laufen und zu sprechen. 1968 wurde für ihn der Rollstuhl zum Alltag. Kommunizieren konnte er ab 1985 lediglich über einen Sprachcomputer, den er erst über seine Wangenknochen und später durch Augenbewegungen steuerte. Sein außerordentlicher Verstand blieb von der Erkrankung allerdings unangetastet. Laut dem Webmagazin "Biography" sah Hawking in seiner medizinischen Kondition sogar etwas Gutes: Vorher hätte er sich demnach "mit seinem Leben gelangweilt" – durch die physische Eingeschränktheit konnte er seine Gedanken allerdings vollständig der Wissenschaft hingeben. Als große Hilfe bezeichnete er dabei immer wieder seine erste Ehefrau Jane. "Ohne sie hätte ich es niemals geschafft", wird Hawking von der "Tagesschau" zitiert.

Stephen Hawking

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Ikone der Wissenschaft
1979 wurde Stephen Hawking die Ehre des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge zuteil, wo vor ihm bereits Sir Isaac Newton Platz nahm. 1988 veröffentlichte Hawking eines der beliebtesten wissenschaftlichen Bücher der Astrophysik: In "Eine kurze Geschichte der Zeit" wandte er sich den Theorien von Einstein und Co. zu und versuchte, mit ihrer Hilfe die Ursprünge des Universums und die Mysterien der schwarzen Löcher zu ergründen. In einigen weiteren Bestsellern erklärte Hawking die unendlichen Weiten des Weltalls und dessen Bestandteile. 2007 verfasste er mithilfe seiner Tochter Lucy sogar ein Buch für Kinder, das weit entfernte Planeten zum Greifen nah bringen sollte. Drei Jahre später arbeitete Stephen Hawking zusammen mit dem US-amerikanischen Physiker Leonard Mlodinow an "Der Große Entwurf". In diesem Buch versuchen die Beiden die Entstehung des Universums anhand physikalischer Gesetze und Theorien zu erklären – ohne die Einwirkung eines Gottes. Besonders Hawkings ausgeprägter und intelligenter Humor sorgte bei seinen öffentlichen Auftritten und Vorlesungen für bleibende Erinnerungen bei seinen Schülern und Kollegen. 2013 wurde er für die Entdeckung der nach ihm benannten Hawking-Strahlung in schwarzen Löchern mit dem "Breakthrough Prize in Fundamental Physics" ausgezeichnet, der als bedeutsamster Preis der Wissenschaften gilt. Mehrere Auftritte in beliebten TV-Shows wie den "Simpsons" und "The Big Bang Theory" machten ihn außerdem zu einer beliebten Figur der weltweiten Popkultur. Auch im weltberühmten Londoner Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds ist ein Abbild des Astrophysikers zu finden.

 

Anfang und Ende
Hawking interessierte sich nicht nur für die Ursprünge unseres Universums, sondern auch für das mögliche Ende der menschlichen Geschichte. Vor allem in den letzten Jahren seines Lebens warnte er vermehrt vor einigen Entwicklungen, die das Leben auf der Erde nachhaltig bedrohen könnten: So könnten sich beispielsweise Maschinen mit fortgeschrittener Künstlicher Intelligenz gegen den Menschen wenden. Allerdings könnten wir auch direkt für unseren eigenen Untergang verantwortlich sein – denn der voranschreitende Klimawandel und potenzielle Atomkriege nach anhaltenden politischen Differenzen könnten unseren Planeten ebenfalls irgendwann zerstören. Man müsse sich laut Stephen Hawking deshalb auch außerhalb unseres Sonnensystems nach bewohnbaren Planeten suchen, die der Menschheit eines Tages ein neues Zuhause bieten könnten, wie er bei der Vorstellung des "Breakthrough Starshot"-Projekts erzählte. Im Rahmen dieses gigantischen Vorhabens soll die weit entfernte Galaxie Alpha Centauri näher erforscht werden.

 

Ein großer Denker und bemerkenswerter Mensch
Am Mittwochmorgen, den 14. März 2018 verstarb Stephen Hawking im Alter von 76 Jahren in seinem Haus im britischen Cambridge. "Wir werden ihn für immer vermissen. Er war ein großartiger Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Mensch", zitiert der "Spiegel" eine Mitteilung der Agentur "Pagefield", in der die drei Kinder Tim, Lucy und Robert Hawking ihre Trauer ausdrückten. "Wir haben einen kolossalen Verstand und einen wundervollen Geist verloren", erklärte der Erfinder des Internets, Sir Tim Berners-Lee in einem Tweet. "Sein Ableben hinterlässt ein intellektuelles Vakuum", schreibt der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson unter ein gemeinsames Bild von ihm und Stephen Hawking, das er auf Twitter teilte. "Ein Stern des Kosmos ist gerade erloschen", wird der theoretische Physiker Lawrence M. Krauss vom britischen "Telegraph" zitiert. Mit dem 76-Jährigen verliert die Welt zweifellos einen der bedeutsamsten Wissenschaftler und größten Persönlichkeiten aller Zeiten. Im Zuge der Menschheitsgeschichte wird Stephen Hawking allerdings für immer unsterblich bleiben.