Schwere Schulranzen, stundenlange Wartezeiten bei öffentlichen Ämtern und veraltete Datenschutzverordnungen – die frisch ernannte Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär will diese Ärgernisse endlich Vergangenheit werden lassen.

Dorothee Bär

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Digitalisierung in Deutschland
In vielen Bereichen wirkt eine weitläufige Digitalisierung in Deutschland schon fast überfällig: Schüler tragen jeden Tag unzählige Bücher, Hefte und Ordner mit sich und erfahren fast dieselben Unterrichtsmethoden wie schon vor 100 Jahren. Gelegentlich wird vom Lehrer ein 20 Jahre alter Röhrenfernseher ins Klassenzimmer gerollt, auf dem man nur veraltete VHS-Kassetten betrachten kann. Währenddessen sitzen die Eltern der Kinder wegen Kleinigkeiten mehrere Stunden lang im Wartezimmer einer Behörde, nur um nach ihrer Aufrufung fünf Minuten später wieder herauszuspazieren. Die zukünftige Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär sieht die Digitalisierung in Deutschland als rückständig an, wie sie im Interview mit der "Bild" erklärte. Der beste Beweis dafür ist eigentlich bereits, dass es ihr Amt zuvor noch gar nicht in der Regierung gab. Mit der GroKo sollen nun allerdings konsequente Maßnahmen für Fortschritte folgen.

Touchpad

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Programmieren "so wichtig wie Lesen und Schreiben"
Wie ernst es die 39-Jährige mit ihrem Amt meint, macht sie in ihren Interviews mit den "ARD-tagesthemen" und der "Bild" deutlich: Programmieren soll demnach bereits "in die Lehrpläne der Grundschule" aufgenommen werden, erklärte sie der Boulevardzeitung. Außerdem sollen die Klassenzimmer in Deutschland "nach und nach digitalisiert werden", fordert sie weiter. Schwere Bücher sollen dabei durch Tablets ersetzt werden, die neben der Gewichtsentlastung für Schüler auch völlig neue Unterrichtsmöglichkeiten für Lehrer bieten könnten.

Programmieren

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Schluss mit langen Behördengängen
Bär fordert außerdem eine engere digitale Vernetzung sämtlicher Behörden und Ministerien. "Ich stellte schon fest, dass wir ins unseren Ministerien unterschiedliche Geschwindigkeiten haben", erzählte sie im Interview bei den "ARD-tagesthemen". Das soll sich in Zukunft ändern: "Deutschland muss eine erfolgreiche Digitalnation werden", verkündet die 39-Jährige. Bär will dabei eine Entlastung der Bürger erreichen, die "Stunden auf Ämtern vergeuden, nur um sich zum Beispiel umzumelden", wie sie der "Bild" erklärt. Unternehmen und Start-ups würden darüber hinaus ständig an "bürokratischen Hürden" verzweifeln, was ihre Fortschritte deutlich hemmt, wie sie im Weiteren feststellte.

Dorothee Bär

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"Wie im 18. Jahrhundert"
Frischen Ideen stünden aktuell immer wieder das deutsche Datenschutzgesetz im Weg. Dorothee Bär sieht die momentanen Gesetzesregelungen in diesem Bereich als völlig veraltet und "wie im 18. Jahrhundert" an, wie sie der "Bild" schildert. Bär will Unternehmen hierbei unterstützen, damit sie "Champions League spielen" können und nicht hinter ihren Möglichkeiten bleiben, wie sie in den "ARD-tagesthemen" erklärt. Andere Länder wie die USA seien Deutschland hierbei meilenweit voraus. Wie lange es aber dauern wird, bis die Bundesrepublik endgültig aufschließt, wird sich erst noch zeigen müssen.