Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Wortwörtlich nicht erlaubt

Seltsame Zensur: New Yorker Bar verbietet das Wort "literally"

Vor der New Yorker Continental-Bar im East Village prangt ein Schild mit einer ungewöhnlichen Hausregel: Die Verwendung des Wortes "literally", das zu Deutsch "wortwörtlich" bedeutet, ist strengstens untersagt. Doch was steckt dahinter?

Inflationärer Wortgebrauch

Fast jeder kennt ein beliebiges Wort, das man selbst in gefühlt jedem Satz verwendet. Oft wird mit dem inflationären Gebrauch allerdings so übertrieben, dass in einer Unterhaltung schnell einmal die Nerven des Gegenübers blank liegen können. Schlimmer wird das Ganze noch, wenn das besagte Wort auch noch zusätzlich im falschen Kontext verwendet wird. Das wohl berühmteste Beispiel finden wir dabei in der US-amerikanischen Realityshow "Keeping Up With the Kardashians".

Die Familie um Kim, Kylie und Co. scheint nämlich völlig besessen von dem Begriff "literally" zu sein, was übersetzt "wortwörtlich" bedeutet, und verwendet ihn durchgängig - der Sinn wird dabei allerdings oft etwas verdreht. Ein prominentes Exemplar wäre dabei der Satz "I literally died laughing" - zu Deutsch: "ich bin wortwörtlich beim Lachen gestorben". Warum das nicht sein kann, brauchen wir wohl kaum erklären. Auch Trigger Smith, der Besitzer der Continental-Bar in New York hat vom besagten Begriff die Nase gestrichen voll - natürlich nicht wortwörtlich. Als direkte Reaktion auf das Problem, lässt er ihn deshalb kurzerhand verbieten.

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"Stop Kardashianism"

Smith hat das Wort "literally" wohl endgültig genug gehört - in seinem Lokal verhängt er deshalb eine richtige Zensur. Ein Schild am Eingang des Continental weißt die Besucher auf die kuriose Regel hin. Verwendet man den Begriff innerhalb der Bar, bekommt man fünf Minuten, um auszutrinken und zu gehen. Beginnt man hingegen sogar einen Satz mit "I literally", muss man das Gebäude sogar sofort verlassen. Die Begründung für die Strenge befindet sich ebenfalls auf dem Bar-Aushang: "['Literally'] ist das am übermäßigsten verwendete, nervigste Wort der englischen Sprache und wir werden es nicht tolerieren", lässt sich auf dem Zettel lesen.

Beendet wird das kleine Manifest mit den Worten "Stop Kardashianism now" - Smith würde sich demnach wohl darum sorgen, dass der Sprachgebrauch der Reality-TV-Stars noch weiter auf die Öffentlichkeit abfärbt. Auf Twitter kritisierten vereinzelte User die Aktion als "sexistisch". Smith wiederspricht dem vehement: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Feminist bin, Frauenrechte unterstütze und zu 100 Prozent hinter der 'Me Too'-Bewegung stehe", erklärte er im Interview mit dem örtlichen Magazin "Grub Street". Die Hass-Kommentare bezeichnete er dabei als "noch lustiger als das Schild", wie er von "Fox News" zitiert wird. Die Debatte wird allerdings ohnehin nicht mehr lange eine Rolle spielen. Am 30. Juni 2018 wird der gesamte Häuserblock von der Stadt abgerissen, sodass das Continental nach 27 jährigem Bestehen zwangsweise schließen muss.