Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Studie wirft Fragen auf

Autonomes Fahren: ist die Menschheit für selbstfahrende Autos noch nicht bereit?

Autonome Fahrzeuge sollen den Straßenverkehr in Zukunft sicherer machen und die menschlichen Fahrer entlasten. Eine repräsentative Studie des TÜV Rheinland beschäftigte sich nun aber mit der Frage, ob wir überhaupt dafür bereit sind.

Skepsis um die Sicherheit

Die Automobilindustrie unterscheidet zwischen vier Stufen des autonomen Fahrens: assistiert, teilautonom, hochautomatisiert und vollautomatisiert. Inzwischen sind die meisten Neuwagen bereits mit Park- oder Abstandsassistenten ausgestattet, welche zu den ersten zwei Stufen der Autonomisierung zählen. Die Zukunft der Straßen liegt laut Experten allerdings in den anderen beiden Bereichen. "Die Vision ist, dass man durch die Elektrifizierung autonomer Fahrzeuge auf fossile Energieträger weitgehend verzichten und Personen vor allem in Ballungsräumen wesentlich effektiver und effizienter transportieren kann", wird Prof. Dr. Ortwin Renn vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam von der Webseite des "Die Debatte"-Projekts zitiert. In einigen Jahren sollen demnach alle Autos  nur durch elektrische Energie völlig von selbst fahren können - die Folgen klingen fast wie ein Märchen: So soll die autonome Zukunft eine geringere Umweltbelastung, weniger Staus und eine bessere Unfallstatistik mit sich bringen. Laut einer Studie des TÜV Rheinland könnte dieser Gedanke allerdings weiterhin eine entfernte Utopie bleiben. In einer repräsentativen Umfrage befassten sich 1.000 Probanden aus Deutschland, China und den USA mit autonomen Fahrzeugen und ihrem Vertauen in die neue Technologie.

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Subjektives Empfinden vs. Realität

Unter den chinesischen Teilnehmern waren 63 Prozent der Meinung, dass autonome Fahrzeuge die allgemeine Verkehrssicherheit verbessern würden – in Deutschland und den USA gaben dies nur 34 Prozent der Befragten an. Etwas mehr als dreiviertel der Studienteilnehmer würden im Notfall gerne selbst die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen können. 53 Prozent würden sogar nur dann ein vollautomatisiertes Fahrzeug kaufen, wenn sie jederzeit die freie Entscheidung hätten, ob sie es selbst steuern oder es von alleine fahren lassen möchten. Das Vertrauen in die Technologie scheint demnach noch nicht wirklich groß zu sein.

Zu unrecht, erklärt der Leiter der Innovations- und Marktforschung beim TÜV Rheinland, Mark Schierge gegenüber "heise online". "Es ist ja auch Fakt, dass die Anzahl der Unfälle durch Fehlverhalten von Fahrzeugführern erheblich höher sind als durch technische Mängel", wird er vom Webmagazin zitiert. Das subjektive Empfinden der Teilnehmer würde sich demnach nicht mit der Realität decken. Aufgrund der Umfrage-Ergebnisse sieht auch der Executive Vice President für Mobilität beim TÜV Rheinland, Doktor Matthias Schubert Handlungsbedarf: "Wir müssen den Menschen noch viel stärker informieren und die Vorteile von mehr Technik auch eindeutig vermitteln", ließ er in der Pressemitteilung zur Studie auf der Webseite des TÜV Rheinland verlauten.

Datenschutz vor Cyberangriffen

Bis marktreife autonome Fahrzeuge in die Massenproduktion gehen können, fordern die Teilnehmer der Umfrage demnach die Beantwortung einiger offenstehender Fragen aus sowohl technologischer, als auch ethischer und juristischer Sicht. Einer früheren TÜV-Rheinland-Studie zufolge würden 75 Prozent der Menschen der Technologie positiv gegenüber stehen. Offen sei allerdings noch die Klärung der Schuldfrage bei möglichen Unfällen. Des Weiteren äußerten die Befragten der aktuellen Studie deutliche Bedenken beim Thema Datenschutz. Autonome Fahrzeuge müssten zudem völlig sicher gegen mögliche Cyberangriffe sein, welche erheblichen Schaden anrichten könnten. Aus heutiger Sicht scheinen die Menschen also noch nicht bereit für völlig selbstständig fahrende Autos zu sein - zumindest nicht, bis die Hersteller und Politiker die letzten großen Sicherheitsfragen endgültig klären können.