Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Beweismittel richtig deuten

Brauchen Richter bald Unterstützung von Emoji-Experten?

Emojis sagen oft mehr aus, als man vielleicht denkt und können deshalb auch in Gerichtsverfahren eine entscheidende Rolle spielen. Die Frage ist nur, wie man sie in solchen Fällen richtig interpretiert. Eine Studie fordert deshalb dedizierte Experten der digitalen Sprache.

Emojis sagen oft mehr aus, als man vielleicht denkt und können deshalb auch in Gerichtsverfahren eine entscheidende Rolle spielen. Die Frage ist nur, wie man sie in solchen Fällen richtig interpretiert. Eine Studie fordert deshalb dedizierte Experten der digitalen Sprache.

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Steigende Relevanz

Jedes Jahr veröffentlicht das Unicode-Konsortium ein Emoji-Update, das viele neue Symbole zu unserem Repertoire hinzufügt. Im aktuellen Standard vom Juni 2017 sind laut Emojipedia 2.666 verschiedene Zeichen verfügbar. Im August 2018 werden weitere 157 dazukommen. Doch wer soll bei dieser Auswahl noch den Überblick behalten und jedes Mal eindeutig erkennen, was welches Emoji genau bedeutet? Diese Frage müssen sich in Zukunft auch Richter in Strafverfahren stellen. Die Symbole werden in gefühlt unendlichen E-Mails und Textnachrichten verschickt und sind so tief in unserem Alltag verankert, dass sie auch in Gerichtsverfahren eine entscheidende Rolle spielen könnten. Viele Richter wissen allerdings nicht, wie sie die jeweiligen Emojis in den entsprechenden Situationen deuten sollen – einige sind mit ihnen sogar überhaupt nicht vertraut. Eine Studie der University of Minnesota, die 2017 im "Social Science Research Network" veröffentlicht wurde, zeigte auf, dass Menschen in etwa 25 Prozent aller Fälle dieselbe Emoji-Kombination verschieden deuten. Brauchen die Gerichte inzwischen dedizierte Experten für die bunten Symbole?

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Fallbeispiel

In einem Rechtsfall in Neuseeland diente ein Facebook-Post als entscheidendes Beweismittel, das den Angeklagten letztendlich acht Monate hinter Gitter schickte. Der 26-jährige Sloane Cruise Coake hätte demnach seiner Ex-Freundin eine Drohnachricht geschickt, nachdem sie in die Stadt Dunedin geflohen war, um dort ein neues Leben ohne ihn zu beginnen. Auf Facebook schrieb er ihr daraufhin "das werde ich dir heimzahlen", gefolgt von einem Flugzeug-Emoji, wie der "New Zealand Herald" berichtet. Nachdem der Richter Kevin Phillips erst eine Erklärung einforderte, was denn überhaupt ein "Emoji" sei, deutete er das Flugzeug als klaren Indikator einer Drohung. Die Botschaft dahinter solle lauten, dass er "kommen würde, um sie zu holen", wie Phillips von der Zeitung zitiert wird. Eine achtmonatige Haftstrafe wurde verhängt. Ein weiterer Richter hätte das Flugzeug-Emoji jedoch möglicherweise völlig anders interpretieren können. Ende 2017 veröffentlichte die Deakin Universität der australischen Stadt Melbourne deshalb eine Studie mit dem Titel: "Der Emoji-Faktor: Humanisierung der entstehenden Gesetze der digitalen Sprache", um die Notwendigkeit von Emoji-Experten bei derartigen Gerichtsverhandlungen aufzuzeigen.

Der Emoji-Faktor

Die von Dr. Elizabeth Kirley und ihrer Kollegin Marilyn McMahon verfasste Studie sollte erfragen, ob wir als Gesellschaft darauf vorbereitet sind, "den Schutz der Verfassung auf eine beiläufige, unmittelbare und 'niederwertige' Sprache der Emojis auszuweiten", wie das Abstrakt der Publikation verlauten lässt. Laut den Expertinnen müssen die Anforderungen unseres Rechtssystems in Frage gestellt werden, wenn man mithilfe von Emojis herausfinden möchte, ob jemand für schuldig oder nicht-schuldig befunden werden kann. "Die vier interpretativen Herausforderungen, die Emojis der Justiz oder anderen Konfliktlösungsspezialisten stellen, sind von technischem, kontextuellem, grafischem und persönlichem Charakter", heißt es im Weiteren. Da die Symbole eine enorm große Rolle in unserer alltäglichen digitalen kommunikation spielen, halten es die Expertinnen für sinnvoll, bei Gerichtsverhandlungen entsprechende Sprachspezialisten zu stellen, die bei Bedarf fundierte Emoji-Deutungen beitragen können. Ob sich dies allerdings in naher Zukunft etablieren wird, bleibt abzuwarten.