Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Individueller "Stimmabdruck"

Amazon Echo & Co.: Warum Sprachassistenten für den Geheimdienst NSA interessant sind

Die Sprachassistenten Amazon Echo und Google Home erobern die Haushalte der Welt im Sturm. Sie ernten aber dennoch viel Kritik bezüglich ihrer mangelnden Privatsphäre - zu Recht, wie die Enthüllungen von Edward Snowden zeigen.

Überwachung oder Innovation?

Intelligenten Sprachassistenten wie Amazon Echo und Google Home schleichen sich nach und nach in unsere Haushalte und befinden sich in einem andauernden Standby-Modus, bis man sie über einen Sprachbefehl aufweckt und das Mikrofon aktiviert. Das kontroverse Thema Überwachung und Abhörung steht dabei der Innovation und Bequemlichkeit gegenüber. Anstatt selbst Stift und Papier in die Hand zu nehmen lässt sich die Einkaufliste ganz einfach per Diktierfunktion hinunterschreiben. Dasselbe gilt auch für Kalendereinträge oder einfache Google-Suchanfrage: Anstatt einen Blick aus dem Fenster zu werfen, fragen wir den Sprachassistenten einfach: "Okay Google, wie wird heute das Wetter?".

Edward Snowdens Enthüllungen
Das private "Echo", also ein genaues Profil über Dein Surf- und Einkaufsverhalten, wird dabei an die Server des Unternehmens weitergeleitet, um Anforderungen der Verbraucher gerecht werden und das System weiterentwickeln zu können. Das wirft natürlich die Frage auf, ob diese Daten interessant für Geheimdienste sind und sie dementsprechend geschützt werden. Die permanente Abhörung der Bevölkerung ist aber laut eines Artikels der Webseite "The Intercept", welche sich mit der Aufbereitung von Edward Snowdens Enthüllungen beschäftigt, nicht der Fokus des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes NSA. Vielmehr interessiert die Nationale Sicherheitsbehörde die Sammlung von verschiedenen Identifikationen der Stimme. Seit 2004 setzt die NSA ein Stimmerkennungssystem namens "Voice RT" ein und müsste nur einen Durchsuchungsbeschluss anfordern, um Zugriff auf die Daten bestimmter Geräte erhalten und Stimmen abgleichen zu können. Da jeder Mensch einen individuellen "Stimmabdruck" hat und dieser ebenfalls aus der Ferne gespeichert werden kann, ist es eine ausgezeichnete Methode für Geheimdienste um Zielpersonen aufzuspüren.

"Sobald man jemandes Stimme identifiziert hat, kann man sofort herausfinden, mit wem die Person gerade kommuniziert, solange man eine Aufnahme des Gesprächs hat", gestand eine Expertin gegenüber "The Intercept".

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Big Brother is watching you

Um eine erfolgreiche Stimmidentifizierung durchführen zu können, muss man nur einige klar ausgesprochenen Sätze der jeweiligen Person erfassen, welche in einer ruhigen Umgebung aufgenommen wurden. Deshalb wären die verschiedenen Sprachassistenten die perfekte Grundlage für das System des Geheimdienstes.

Hierbei kommt die altbekannte Debatte Sicherheit gegen Privatsphäre wieder auf, wobei man bedenken muss, dass wir Mikrofone permanent bei uns tragen –  in Form unserer Smartphones. Wie ein ehemaliger Beamter des Verteidigungsministeriums gegenüber "The Intercept" abschließend betonte, ist nichts weiter notwendig "als den Mund aufzumachen", um der Gefahr ausgesetzt zu sein, überwacht zu werden. Ob Konzerne wie Amazon und Google Informationen preisgeben ist allerdings unklar.