Die meisten Menschen wünschen sich für ihren Tod, dass sie friedlich und ohne Qual im Kreise ihrer Liebsten einschlafen. Eine Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach zeigt auf, dass etwa 75 Prozent der Menschen in Krankenhäusern, Hospizen oder Alten- und Pflegeheimen sterben - und das, obwohl diese sich wünschen würden, in der gewohnten Umgebung, also zu Hause abzutreten. Forscher der kalifornischen Stanford University haben es sich zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern: in dem sie die Lebenszeit eines unheilbar kranken Patienten errechnen. Der entwickelte Algorithmus analysiert elektronische Patientenakten und spuckt eine relativ genaue Vorhersage der restlichen Lebenszeit der betreffende Person aus. Ihre Untersuchungen teilte die Stanford University auf dem Dokumentenserver für Preprints „Arxiv“.
Angenehmes Abgehen
Der gute Gedanke, der hinter dieser Lebensanalyse steckt: Die Forscher wollen schwerkranken Patienten belastende und unnötige Behandlungen ersparen und ihnen Zeit schenken, die sie sinnvoll verbringen können. Ein weiteres Ziel ist es, die palliative Gesundheitsversorgung zu verbessern, welche vor allem wegen zu viel Optimismus, Zeitdruck oder Behandlungsträgheit nicht früh genug beginnt. Diese Behandlung ist im speziellen für Patienten, die am Lebensende stehen und Beratung, psychologische Begleitung und dementsprechende medizinische Versorgung für ihren restlichen Lebensweg benötigen. Doch die Kehrseite ist eine andere: Möchte man wirklich wissen, wann man sterben wird? Versaut man sich mit diesem Wissen nicht jegliche Lebensfreude, weil man sich unter Druck gesetzt fühlt und schlicht und einfach Angst vor dem Tag X hat?