Als wahrscheinlich anstrengendstes Tier der Welt, hat die Stubenfliege bereits jedem einmal den Nerv geraubt. Doch können die fliegenden Plagegeister tatsächlich Essen kontaminieren, wenn sie kurz darauf landen? 
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Summ, summ …
Fliegen sind überall und schaffen es, uns in jeder erdenkbaren Alltags-Situation den letzten Nerv zu rauben - besonders im Sommer. Denn grade in der warmen Jahreszeit machen es unzählige Mücken zur echten Qual, ein Essen zu genießen. Und dazu muss man noch nicht einmal ein Picknick im Freien veranstalten - auch in der Wohnung gibt es kein Entkommen vor Stubenfliegen. Doch was passiert, wenn sich das kleine Tierchen direkt auf dem Essen niederlässt? Egal oder gesundheitsschädlich? Fliegen sind schließlich Verbreiter von sämtlichen Krankheitserreger, die sie auf ihren Reisen einsammeln: Bakterien, Viren und Parasiten - allesamt landen sie dann in der Wohnung. Eine ausgewachsene Stubenfliege kann mehr als einhundert (!) Krankheiten von Menschen und Tieren in sich tragen und diese wie auf Knopfdruck verbreiten. Laut einem Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma "Orkin" können Fliegen sogar gefährliche Krankheitserreger wie Cholera, Milzbrand oder Tuberkulose übertragen.

Könnte also eine von Fliegen berührte Speise nicht auch voller Keime stecken und sollte sie deshalb nicht umgehend in den Mülleimer wandern? Ein Experte der Universität Sydney klärt auf.
 

Ein Gesundheitsrisiko?
Könnte ein kurzes Landemanöver einer Fliege also wirklich ein ganzes Mahl konterminieren und aus dem Menü eine Bazillenschleuder zaubern? Dr. Cameron Webb von der Universität Sydney sorgt für Aufklärung und beruhigt die Gemüter: "In den meisten Fällen bedeutet eine auf dem Essen entdeckte Fliege nicht, dass man die Mahlzeit wegwerfen muss", berichtet der Experte in einem Blog-Eintrag der Universität. Es gäbe zwar kaum Zweifel daran, dass Fliegen auch Keime auf unsere Speisen übertragen können - allerdings wäre eine kurze Berührung nicht ausreichend, um eine durchschnittlich gesunde Person erkranken zu lassen. In den meisten Fällen ist eine Fliege einfach zu klein, um eine gefährliche Menge an Keimen zu transportieren. Das menschliche Immunsystem wird die Bakterien, die die Mücke verbreitet, gnadenlos zerschmettern. Kleine Kinder, Senioren oder bereits kranke Personen könnten allerdings durch geschwächte Abwehrkräfte eher anfällig für die Aufnahme der Erreger sein.

Stadt-Fliegen sind in der Regel übrigens deutlich hygienischer als das Pendant vom Land. Das liegt daran, dass erstere in urbanen Gegenden nicht so häufig mit tierischen Abfällen oder Ausscheidungen in Berührung kommen. 

Klingt, als könne die Fliege keiner Menschenseele etwas zu Leide tun. Je länger das Insekt aber auf dem Essen weilt, desto größer wird die Chance, dass Keime abgesondert werden. Ertastet die Fliege das Gericht bereits eine längere Zeit, empfiehlt Dr. Cameron Webb die Mahlzeit doch noch zu entsorgen, denn die Fliege könnte bei längerer Verweildauer ebenso wie Du Nahrung von Deinem Teller aufnehmen. Da Fliegen jedoch keine Zähne aufweisen, zersetzen sie ihre Speisen, indem sie sich auf ihnen übergeben und das Ganze anschließend wieder mit dem Rüssel aufsaugen. Ziemlich ekelhaft. Vor allem diese Rückstände der erbrochenen Substanz könnten gefährliche Krankheitserreger mit sich bringen. Wenn Dein Snack also bereits von mehreren Fliegen umworben wird und sie sich darauf ansammeln, solltest Du einen Rettungsversuch vielleicht einfach bleiben lassen. Im Prinzip kann man in diesem Fall auch hier wieder die bewährte drei-Sekunden-Regel anwenden. Aber - kein Grund zur Panik: Wir wollen aus einer Mücke keinen Elefanten machen.