Jedes Jahr findet am 20. April ein feierlicher Anlass statt: Der Tag des Marihuanas - an dem immer eine bestimmte Zahl umherschwirrt. Was es mit der 420 auf sich hat?

420

Credit: Ahmed Zayan / Unsplash

Der Marihuana-Tag
Der 20. April ist quasi das Äquivalent zu Weihnachten. Jedes Jahr versammeln sich Grasliebhaber der ganzen Welt und feiern gemeinsam den Tag des Marihuanas. Manche der unzähligen Events zeigen sogar politische Hintergründe, getarnt als Veranstaltungen mit dem Ziel der Legalisierung des verbotenen Krauts. Andere nutzen den Tag auch einfach als Grund high zu werden – immerhin ist es ja ein Feiertag. Doch woher kommt diese Bewegung eigentlich?

Everything is purple (swag)

Wer hat's erfunden? 
In Amerika wird der 20. April 4/20 ausgeschrieben, was der mysteriösen Nummer entspricht, die jeder mit Pot verbindet. "420" wurde durch die Kiffer-Szene wohl zu einer der beliebtesten Zahlen des Planeten. Fun Fact: Ist Euch schon mal aufgefallen dass Hotels fast nie ein Zimmer mit der Nummer 420 anbieten? Das liegt daran, dass gerne die Ziffern der Hotelräume als kleines "Souvenir" entwendeten werden. In vielen Straßen der USA wurden auch "420 Meilen"-Schilder durch "419,99 Meilen"-Hinweise ersetzt, um die häufigen Diebstähle zu verhindern. Eines ist also sicher: Gras-Fans stehen total auf die Zahl 420, die auch als Synonym für Marihuana steht. Die Bedeutung dahinter kennt allerdings kaum jemand. So kursieren die kuriosesten Geschichten über die Hintergründe der Zahl "420": Einige behaupten, sie stünde in Verbindung mit Hitlers Geburtstag. Andere sind sich hingegen sicher, dass es der Anzahl der aktiven Chemikalien in Marihuana entspräche oder aber 16:20 Uhr die offizielle Tee-Zeremonie-Zeit in den Niederlanden ist. Vielleicht stimmt aber auch letztere Behauptung, wonach , Rapper und Weed-Liebhaber Snoop Dogg die Bezeichnung einfach erfunden hat. Oft heißt es auch "420" sei ein alter Polizeicode, der den öffentlichen Konsum von Marihuana bezeichnet. Die wahre Geschichte hinter dem Begriff ist allerdings eine ganz andere.

This hotel has no room 420.

Die "420"-Story
Die amerikanische Zeitung "Huffington Post" hat die Zahl und ihre Verbindung zu Cannabis bis zu ihren Anfängen zurückverfolgt. Sämtliche Ursprünge führen demnach an die San Rafael High School in dem kalifornischen Küstenörtchen Point Reyes im Jahr 1971. Eine Gruppe Schüler, die sich die "Waldos" nannten, soll die Zahl laut der "Huffington Post" hier ins Leben gerufen haben. Die Schüler, die heute allesamt erwachsen sind, lieferten der Zeitung als Belege für ihre Glaubhaftigkeit einige Flaggen und Briefe aus den frühen Siebzigern. Auch die lang erwartete Geschichte dazu haben sie der "Huffington Post" erzählt.
 

Code-Wort 
So lassen die "Waldos" verlauten, dass sie an einem Herbsttag im Jahr 1971 von einem Küstenarbeiter Wind bekam, der sein eigenes Marihuana anpflanzte. Wie bei einer Schatzsuche wollten die Jungs die verbotenen Pflanzen des Mannes aufspüren und sich daran erfreuen. "Wir erinnerten uns im Schulgang ständig gegenseitig daran, uns nach dem Sport um 04:20 Uhr nachmittags zu treffen", erzählt Steve, einer der "Waldos", der "Huffington Post". So hätten sich die Freunde jede Woche um die selbe Uhrzeit aufs Neue getroffen, um den verborgenen "Schatz" zu finden. Obwohl sie die Cannabis-Pflanzen nie gefunden haben, hat sich der Begriff "420" dennoch als nützlich erwiesen. Demnach konnten sich die Gruppenmitglieder ungehindert über Marihuana, ob sie welches hätten und wann sie sich zum Rauchen treffen würden, unterhalten. "Unsere Lehrer und unsere Eltern hatten keine Ahnung, wovon wir sprachen", erzählte Steve. Aber wie konnte ein Insider-Begriff zwischen Highschool-Freunden weltweit bekannt werden?

Band verbreitete die Zahl 
Auch dafür haben die "Waldos" eine einfache Erklärung. Steves Bruder managte zu dieser Zeit eine kleine Band rund um Patrick Lesh, der später als Bassist der legendären Rockgruppe "The Greatful Dead" bekannt wurde. Die "Waldos" waren durch diese Bekanntschaft ständig auf den Konzerten der Band und hingen oft mit den Musikern ab. Mit der Zeit steckten sie die "Deads" mit ihrem "420"-Slang an. Durch viele nationale Auftritte der Band wurde der Begriff "420" folglich einer größeren Masse bekannt gemacht. Den globalen Durchbruch erlangte der Ausdruck allerdings durch das Cannabis-Magazin "High Times", deren Autoren den Begriff durch die Band aufschnappte. Steve Hager, ein Redakteur der Zeitschrift erzählte der "Huffington Post", dass er die Bezeichnung "420" überall einband, wo er nur konnte. Große Events starteten unter diesem Motto und verbreiteten die Bezeichnung dadurch auf der ganzen Welt. Hager sei vollkommen sicher, dass die "Waldos" den Begriff erfunden hätten. Kein anderer konnte bisher konkrete Beweise vorlegen, die weiter als in das Jahr 1971 zurückreichen. Die "Waldos"-Teenager seien demnach wirklich die wahren Erfinder des Marihuana-Codes "420".

Heute sind die "Waldos" allesamt erwachsen und auch ziemlich erfolgreich in ihren unterschiedlichen Karrieren. Steve ist Chef seiner eigenen Kreditfirma, ein anderer ist Leiter der Marketingabteilung eines großen Wein-Unternehmens während ein anderes Mitglieder der "Waldos"-Gang ein erfolgreicher Dachdecker sei. An dem Begriff "420" hätten sie übrigens keinen einzigen Cent verdient. Das Rauchen von Gras gehört laut Steve, im Gegensatz zu Schulzeiten, auch nicht mehr zu seinem Alltag. Da er eine Firma leitet, müsse er scharfsinnig bleiben. Obwohl es ihm früher immer Freude bereitet habe, hätten die einzigen ihm noch bekannten Dauerkiffer wohl einige Probleme im Leben, so der Unternehmer gegenüber der "Huffington Post".

Auf ihre große Erfindung des weltweiten Begriffs "420" seien die "Waldos" allerdings immer noch stolz. "Ich bin sicher, mein Grabstein wird die Innschrift 'einer der 420-Jungs' tragen", scherzt Steve.