Türkische Medien wie der private Nachrichtensender „Habertürk“ berichten, dass sich eine Hackergruppe namens „Cyber Warrior“ zu den Angriffen bekannt hat. Wie viel Wahrheit in dieser Meldung steckt, ist derzeit noch ungeklärt. Der türkische Sender „Habertürk“, der dem Energie- und Bergbau-Unternehmer Turgay Ciner gehört, musste sich bereits in der Vergangenheit Anweisungen Erdoğans untergeben. Der Grund für die beugsame journalistische Haltung einiger privater türkischer Medien liegt an der Kopplung ebendieser. Denn auch „Habertürk“ ist in diesem Sinne kein eigenständiger Nachrichtensender - sondern wegen dessen Besitzer, dem Unternehmer Ciner, von der Politik und dem Wohlwollen Erdoğans abhängig. Denn berichtet Turgay Ciners Nachrichtensender negativ über die derzeitige Situation oder den Präsidenten, könnten Ciner Subventionsstreichungen drohen, die seine Selbstständigkeit und somit den Nachrichtensender gefährden. Dennoch spricht der in Istanbul ansässige Sender von einer „Mission“, die die Hacker bis zum Schluss verfolgen werden und spielt auf das „faschistische Vorgehen gegen unsere Minister in den letzten Tagen in Europa“ an.
Droht als Antwort ein Einreiseverbot?
Einigen von Erdoğans Ministern wurden in Deutschland und Holland Wahlkampfauftritte untersagt, was den türkischen Staatspräsidenten zu dem politisch Inkorrekten Vergleich der „Nazi-Methoden“ in beiden Ländern veranlasste. Zudem warf der türkische Präsident Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, Terroristen zu untersützen. 15 Deutschland-Auftritte von Ministern, Abgeordneten und Funktionären der türkischen Partei AKP stünden derzeit noch im Raum. Der Chef des Bundeskanzleramts Peter Altmaier behält sich das Recht des Einreiseverbots für türkischstämmige Politiker, die Fremdwahlkampf in Deutschland betreiben wollen, vor. Den Publikationen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch) gegenüber sprach Altmaier davon, "dass die Bundesregierung bisher nicht ihre völkerrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat", dies aber "keine Freikarte für die Zukunft" bedeute. Ein mögliches Einreiseverbot sei allerdings "das letzte Mittel", so Altmeier. Die deutsch-türkischen Beziehungen bleiben unterdessen angespannt - die fremdenfeindliche Hacker-Attacke wird ihr Übriges dazu beigetragen haben.
Twitter leitet Ermittlungen ein
Wie soeben bekannt wurde, meldete Twitter, den Ursprung der Angriffe gefunden zu haben. Eine App sei die Quelle der Schmähungen gegen Deutschland und dessen Nachbarland die Niederlande. Ein Unternehmenssprecher des Nachrichtendienstes kündigte weitere Untersuchungen an.