Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Hacker posteten nationalsozialistische Zeichen und Nachrichten

Zahlreiche Twitter-Accounts wurden Opfer eines Hacker-Angriffs

Amnesty International, Borussia Dortmund, ProSieben – sie alle sind vor wenigen Stunden Opfer eines Hacker-Angriffs, der Drohnachricht via Twitter verbreitete. Vermutlich ist der Hacker ein Anhänger des türkischen Präsidenten Erdoğan.

Weltweiter Hacker-Angriff 

Noch unbekannte Hacker haben sich vergangene Nacht weltweit Zugang zu mehreren Tausend Twitter-Accounts verschafft und üble Hass-Nachrichten verbreitet. Betroffen sind unter anderem die offiziellen Twitter-Accounts von Amnesty International, dem Fußballverein Borussia Dortmund, Tennis-Ikone Boris Becker, Klaas Heufer-Umlauf, Unicef USA und ProSieben. Über die Kanäle der Prominenten und bekannten Seiten wurden Anfeindungen gegen die Politik der Niederlande und gegen Deutschland gepostet. Viele weitere Accounts mit hohen Followerzahlen wurden Opfer der Tweets, die mit üblen Hashtags für Aufregung sorgten: #Nazialmanya (Nazi-Deutschland), #Nazihollandia (Nazi-Niederlande) und #Osmanlitokadi, was so viel bedeutet wie „osmanische Schelle“.
 

Hakenkreuze und Drohungen 

Des Weiteren wurden die Tweets mit Hakenkreuzsymbolen versandt. Der vorangehende türkische Text bedeutet übersetzt so viel wie: „Eine kleine Warnung“ und „Wir sehen uns am 16. April“. An diesem Tag findet in der Türkei das Referendum über das Präsidialsystem statt, das der türkische Präsident Recep Tayyip einführen will. Vermutet wird, dass es sich bei dem Hacker um einen Anhänger des türkischen Präsidenten Erdoğan, der die parlamentarische Demokratie abschaffen und ein Präsidialsystem einführen will, handelt. Das Präsidialsystem, welches Recep Tayyip Erdoğan unter der Hand bereits seit seiner Amtseinführung im Jahr 2014 praktiziert, ist bis dato keine legalisierte Regierungsführung. Das will Erdoğan nun ändern. Das Präsidialsystem würde dem Präsidenten größere Einflussnahme verleihen und quasi alle Macht über das Land uneingeschränkt in den Händen Erdoğans bündeln. Der Tweet, der das Netz geflutet hat und eine klare Drohung gegen die westliche Politik darstellt endet mit den Sätzen: „Was habe ich geschrieben? Lerne Türkisch“.
 

Wer ist der Hacker?

Türkische Medien wie der private Nachrichtensender „Habertürk“ berichten, dass sich eine Hackergruppe namens „Cyber Warrior“ zu den Angriffen bekannt hat. Wie viel Wahrheit in dieser Meldung steckt, ist derzeit noch ungeklärt. Der türkische Sender „Habertürk“, der dem Energie- und Bergbau-Unternehmer Turgay Ciner gehört, musste sich bereits in der Vergangenheit Anweisungen Erdoğans untergeben. Der Grund für die beugsame journalistische Haltung einiger privater türkischer Medien liegt an der Kopplung ebendieser. Denn auch „Habertürk“ ist in diesem Sinne kein eigenständiger Nachrichtensender - sondern wegen dessen Besitzer, dem Unternehmer Ciner, von der Politik und dem Wohlwollen Erdoğans abhängig. Denn berichtet Turgay Ciners Nachrichtensender negativ über die derzeitige Situation oder den Präsidenten, könnten Ciner Subventionsstreichungen drohen, die seine Selbstständigkeit und somit den Nachrichtensender gefährden. Dennoch spricht der in Istanbul ansässige Sender von einer „Mission“, die die Hacker bis zum Schluss verfolgen werden und spielt auf das „faschistische Vorgehen gegen unsere Minister in den letzten Tagen in Europa“ an. 

Droht als Antwort ein Einreiseverbot?
Einigen von Erdoğans Ministern wurden in Deutschland und Holland Wahlkampfauftritte untersagt, was den türkischen Staatspräsidenten zu dem politisch Inkorrekten Vergleich der „Nazi-Methoden“ in beiden Ländern veranlasste. Zudem warf der türkische Präsident Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, Terroristen zu untersützen. 15 Deutschland-Auftritte von Ministern, Abgeordneten und Funktionären der türkischen Partei AKP stünden derzeit noch im Raum. Der Chef des Bundeskanzleramts Peter Altmaier behält sich das Recht des Einreiseverbots für türkischstämmige Politiker, die Fremdwahlkampf in Deutschland betreiben wollen, vor. Den Publikationen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch) gegenüber sprach Altmaier davon, "dass die Bundesregierung bisher nicht ihre völkerrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat", dies aber "keine Freikarte für die Zukunft" bedeute. Ein mögliches Einreiseverbot sei allerdings "das letzte Mittel", so Altmeier. Die deutsch-türkischen Beziehungen bleiben unterdessen angespannt - die fremdenfeindliche Hacker-Attacke wird ihr Übriges dazu beigetragen haben.

Twitter leitet Ermittlungen ein 
Wie soeben bekannt wurde, meldete Twitter, den Ursprung der Angriffe gefunden zu haben. Eine App sei die Quelle der Schmähungen gegen Deutschland und dessen Nachbarland die Niederlande. Ein Unternehmenssprecher des Nachrichtendienstes kündigte weitere Untersuchungen an.