Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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„Warum konnten Sie Ihre Beine nicht geschlossen halten?“

Beschwerden gegen Richter: Er verhöhnt Vergewaltigungsopfer mit fragwürdiger Aussage

In einem Vergewaltigungsprozess in Kanada sagte ein Richter dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer, dass Sex und Schmerz manchmal zusammengehörten. Nun wird gegen den einflussreichen Richter eine Untersuchung eingeleitet.

Der Täter erhielt Freispruch

Bei einem Gerichtsverfahren am Bundesgericht der kanadischen Provinz Alberta vor drei Jahren machte der zuständige Richter Robin Camp Aussagen, durch welche er die Geschädigte verhöhnte. Diese soll auf einer Hausparty im Badezimmer von Alexander Wagar vergewaltigt worden sein. Eine Mitschrift des Prozesses im September 2014 belegt die Wortwahl des Richters, die der kanadischen Tageszeitung “Calgary Herald“ vorliegt: “Warum haben Sie nicht einfach Ihren Hintern Richtung Becken bewegt, sodass er Sie nicht penetrieren konnte?“ Auf diese stumpfsinnige Frage soll die obdachlose Frau laut Gerichtsdokument geantwortet haben: “Ich weiß es nicht“. Daraufhin soll Camp die Staatsanwälte gefragt haben: “Warum hat die Klagende den Sex erlaubt, obwohl sie es nicht wollte?“ Da die 19-Jährige nach einem Kondom gefragt habe, sei dies für den Angeklagten ihre Zustimmung zum Geschlechtsverkehr gewesen. Nachdem die Frau sagte, dass sie körperliche Schmerzen verspürt habe, entgegnete Camp: “Sex und Schmerz gehören manchmal zusammen. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes“. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch und der Warnung für Camp, Frauen nicht zu verärgern.
 

Beschwerden gegen den Richter

Die Aussagen des Mannes und seine Einordnung, die junge Frau sei selbst schuld an dem Missbrauch gewesen, sorgen derzeit für Empörung. Mit einem Gehalt von umgerechnet 200.000 Euro und viel Macht im kanadischen Rechtssystem, erfährt Camp nun Widerstand von vier Anwälten. Diese legten Beschwerde gegen den 64-Jährigen ein. Inzwischen hat der Richter sich für sein inakzeptables Verhalten entschuldigt: “Ich habe erkannt, dass ich mit der Haltung, die ich während der Verhandlung gezeigt habe, viele Menschen verletzt habe“. Dennoch leitete der kanadische Justizrat eine Untersuchung gegen Camp ein, in welcher seine bisherige Arbeit überprüft wird. Fälle, die mit sexueller Gewalt zu tun haben, darf er künftig nicht mehr übernehmen. Eine Einstellung, wie die des kanadischen Richters könnte dazu führen, dass Menschen kein Vertrauen mehr in die rechtsprechende Gewalt haben und ein "Nein" dennoch als ein "Ja" gewertet wird.