Springender Mann mit Cap im orangenen T-Shirt
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Empörung über das Scheitern einer britischen Universitätsstudie

Intensivstation und Dialyse: Studenten kämpfen nach Studie um ihr Leben

Alex Rossetto und Luke Parkin, zwei Studenten der Northumbria Universität im englischen Newcastle upon Tyne, boten sich für einen Koffein-Test an ihrer Fakultät an. Jedoch verabreichte man ihnen fälschlicherweise das Hundertfache der zulässigen Dosis.

Koffein-Studie läuft schief

Die Northumbria Universität macht derzeit mit einer missglückten Studie, die zwei Studenten fast das Leben kostete, Negativ-Schlagzeilen. Den Kommilitonen Alex Rossetto und Luke Parkin, die sich für die Koffein-Studie zur Verfügung stellten, wurden fälschlicherweise 30 Gramm, anstatt der zulässigen 0,3 Gramm des pulverisierten Koffeins, zugeführt. Um die Auswirkungen von Koffein-Konsum und der bei Studenten besonders zur Klausuren-Phase beliebten Koffeintabletten, auf das Lernverhalten untersuchen zu können, suchte die Northumbria im März 2015 zwei Probanden, die bereit waren, an den Untersuchungen teilzunehmen. Dass Alex und Luke dies beinahe mit dem Leben bezahlen würden, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand.
 

Überdosis

Kaffee sorgt in Maßen aufputschend und wachrüttelnd. Der Test sollte zeigen, wie sich das Lernverhalten der Studenten, die etwa drei Tassen Kaffee, also 0.3 Milligramm des Koffeinpulvers, täglich trinken, gegenüber dem von Koffeinlosen Studenten auswirkt. Aufgrund der Hundertfachen Menge, die Rossetto und Parkin fatalerweise eingeflößt bekamen, nahmen sie so binnen kürzester Zeit etwa 300 Tassen Kaffee zu sich - eigentlich eine tödliche Überdosis. Die beiden Sportstudenten sollen bereits nach wenigen Schlucken des Orangensafts, der mit dem Koffeinpulver befüllt war, zusammengebrochen sein. Die Folge: Beide Studenten wurden mit dem Rettungswagen in die Klinik eingeliefert und kämpften um ihr Leben. Wie die BBC berichtet, litten sowohl Alex Rossetto als auch Luke Parkin an kurzzeitigem Gedächtnisverlust, Nierenversagen, Übelkeit, Krämpfen, Seh- und Hörstörungen, häufigem Harndrang und Herzrhythmusstörungen. 
 

Zwölf Kilo in sechs Tagen

Aufgrund der Nebenwirkungen des missglückten Koffein-Experiments verlor Rossetto binnen sechs Tage zwölf Kilo. Sein Kommilitone Parkin durfte das Krankenhaus nach zwei Tagen mit sage und schreibe zehn Kilogramm weniger verlassen. Die Sportstudenten, die Fitness lieben und leben besuchen zudem derzeit weiterhin eine ambulante Station, um an langwierigen Dialyse-Sitzungen teilzunehmen. Ob sich ihre Nieren jemals von dem Unfall erholen werden oder ob beide gar irgendwann auf Spender angewiesen sein werden, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt unklar. 

Staatsanwaltschaft ermittelt
Wer trägt die Schuld? Laut dem zuständigen Staatsanwalt des Newcastle Crown Courts, Adam Farrer, liegt der Fehler ganz klar auf Seiten der Universität. Diese hatten zur Durchführung der Studie schlecht ausgebildete Leiter eingesetzt, die den zulässigen Koffeinwert mit einem Smartphone auf eigene Faust berechnet hatten und diesen im Anschluss nicht noch einmal haben prüfen lassen. Da auch die Universitätsleitung "keinen Schritt unternommen hat, um sicher zu stellen, dass das Personal weiß, was es tut", ist der Fall für Farrer klar. Aufgrund der Rechtslage wurde die Northumbria Universität zu einem Schmerzensgeld von umgerechnet etwa 470.000 Euro verklagt. Peter Smith, seines Zeichens Geografie- und Umwelt-Dozent an der Northumbria äußerte gegenüber BBC, dass die Universität sich wünschte "das Wohlbefinden seiner Studenten und Angestellten ernster genommen zu haben". Bleibt zu hoffen, dass sich Alex und Luke vollständig erholen werden.