Eine Villa am Starnberger See, eine eigene Boeing 737, vier gescheiterte Ehen, sieben Kinder und Tattoos am ganzen Körper: Das ist der neue König von Thailand! Am gestrigen 1. Dezember trat der Maha Vajiralongkorn sein Amt an und muss sich damit wohl für immer von seinem Gigolo-Lifestyle verabschieden. 

Nachfolger


Thailands langjähriger König Bhumibol Adulyadej starb im Alter von 89 Jahren am 13. Oktober diesen Jahres. 70 Jahre regierte er als "Halbgott" sein Königreich Thailand. Kein anderes Staatsoberhaupt regierte länger eine Monarchie. Nach dem Tod Bhumibols wurde eine einjährige Staatstrauer verhängt. Überall im Königreich Thailand finden sich übergroße Fotos, geschmückt mit Blumen und Kerzen, des verstorbenen Königs, der für Stärke und Sicherheit in einem politisch gespaltenen Land sorgte. Jetzt 50 Tage nach König Bhumibols Ableben tritt sein ältester Sohn und Thronfolger Maha Vajiralongkorn sein Amt an.
 

Nach dem Tod seines Vaters, hatte der 64-Jährige um eine einmonatige Trauerzeit gebeten. Vielleicht um den Beginn seiner Amtszeit hinauszuzögern und noch ein letzte Mal richtig auf den Putz zu hauen? Denn üblicherweise findet die Ausrufung des neuen thailändischen Königs bereits am Todestag seines Vorgängers statt. Maha Vajiralongkorn  ist seit dem 1. Dezember nun offiziell Rama X., also der zehnte König der Chakri-Dynastie, die seit 1782 das Königreich Thailand regiert. Der Name Rama wurde in Anlehnung an die hinduistische Gottheit "Rama" gewählt, die als schön und gebildet gilt und zudem mit allen königlichen Eigenschaften gesegnet ist. 
 

König Bhumibol - ein Phänomen 
Das verstorbene Staatsoberhaupt und Vater des neuen Königs Maha Vajiralongkorn, genoss großes Ansehen in der thailändischen Bevölkerung – Bhumibol wurde nahezu gottgleich verehrt. Bereits mit 21 Jahren trat König Bhumibol sein Amt als Staatsoberhaupt an. Er übernahm damit die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Ananda Mahidol, der 1946 erschossen in seinem Zimmer aufgefunden wurde. Ob es sich um eine Selbsttötung, ein Attentat oder einen Unfall handelte, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. In den ersten Jahren überlies Bhumibol die Regentschaft jedoch seinem Onkel Prinz Rangsit Prayurasakdi, um sein Studium der Politologie und der Juristerei in Lausanne zu beenden. Infolge eines Autounfalls, bei dem König Bhumibol ein Auge verlor, fiel es ihm jedoch nicht leicht, sich auf sein Studium zu konzentrieren, weswegen das Staatsoberhaupt die Universität ohne Abschluss verließ. 

Hundertsassa 
Bhumibols Interessen waren Grenzenlos. Neben seinen angefangenen Studien in Lausanne, galt er als Jazzsaxophonist, Komponist, Maler und Goldmedaillengewinner - im Segeln. Zudem verfolgte er eine weitere große Leidenschaft: Die Fotografie. Doch trotz des westlich angehauchten Lebensstils Bhumibols, legte der verstorbene König auch großen Wert auf Demutsgesten: So durfte ihm keiner in die Augen sehen und sich ihm nur auf Knien rutschend nähern. Durch viele royalistisch und anti-royalistisch eingestellte Militärregierungen, besaß „die neunte Regierungszeit“, wie viele Thais Bhomibol nannten, eigentlich nur noch repräsentative Aufgaben und Ämter. Allerdings genoss der Rama IX. einen sehr großen Einfluss auf die Bevölkerung, sodass keine Regierung ohne sein Wohlwollen auskam.
 

Vom Offizier zum Party-Prinz
Seit gestern ist Maha Vajiralongkorn, der einzige Sohn des am 13. Oktober verstorbenen Königs, nun im Amt. Maha besuchte Privatschulen in Großbritannien und Australien, wo er letztlich am australischen Royal Military College seine militärische Ausbildung absolvierte und fortan als Offizier des thailändischen Heers galt. Bekannt wurde der junge Monarch jedoch nicht durch seine Arbeit als Thronfolger, sondern vielmehr durch seinen ausschweifenden Lebensstil, der in der thailändischen Bevölkerung stets für Unruhe sorgte. Ausgesprochen wird dies in der asiatischen Kultur jedoch nicht. Ein strenges Gesetz, das jegliche Kritik an der königlichen Familie oder einem ihrer Mitglieder verbietet, sieht hohe Strafen für solche Vergehen vor. Die Bevölkerung wird also nie aussprechen, was viele denken: Kann Prinz-Party wirklich ein Königreich regieren?  
 

 

Ein von stevano ryan (@1svo) gepostetes Foto am

Bauchfrei am Münchener Flughafen 
Vor allem Bilder des Party-Prinzen, die vor kurzem am Münchener Flughafen entstanden sind, haben Aufsehen erregt: Diese zeigen Maha nämlich komplett tätowiert und bauchfreien in einem hochgekrempelten Tanktop - eher ungebührlich für einen thailändischen König. Auch der Kauf seiner Villa am Starnberger See und seine Eskapaden in vier gescheiterten Ehen, aus denen sieben Kinder hervorgingen, tragen nicht zu König Mahas Popularität bei. 2011 geriet der König Thailands auch ins Visier der deutschen Medien, nachdem seine private Boeing 737 gepfändet werden musste und eine Auslösesumme von 20 Millionen Euro festgelegt wurde.

Lernen aus Fehlern 
Während der Amtsausrufung am  1. Dezember, die live auf allen thailändischen Sendern übertragen wurde, zeigt sich der zehnte König der Chakri-Dynastie würde- und respektvoll. Ob er die Bevölkerung jedoch durch einen Lebenswandel und neugewonnene Disziplin für sich gewinnen kann, bleibt abzuwarten. Während der Ernennung berief er sich auf die Worte und den Wunsch seines Vaters: Er besteige den Thron „zum Wohle des gesamten thailändischen Volkes“. 
 

Besorgnis 
Die Stimmung, nach Bhumibols Tod ist dennoch angespannt. Denn nicht nur in Thailand, auch in anderen Ländern weltweit steigt die Besorgnis, Maha Vajiralongkorn besitze nicht denselben Einfluss und das nötige Ansehen, um das Land auf Kurs und politisch stabil zu halten. Einige Politiker befürchten, das Land könne in eine Diktatur oder einen Bürgerkrieg abrutschen.

Westliche Orientierung

Welche politische Richtung Thailand nach dem Monarchenwechsel nun einschlagen wird ist noch unklar, allerdings hegt man in westlichen Ländern und vor allem in Deutschland große Hoffnungen, dass sich das Land, eine politische Annäherung wagt. Schon die Verbundenheit des neuen Ramas zu Deutschland, das als seine Wahlheimat gilt, lässt vermuten, dass der Thronfolger westliche Ideale für das südostasiatische Land vorsieht. Für das nächste Jahr ist bereits eine Parlamentswahl geplant.