Einige amerikanische Unternehmen bieten mit ihrer "Unlimited Vacation Policy“ eine komplett freie Einteilung der Arbeitszeit. Das verlockende Angebot hat jedoch auch seine Tücken.

Wer kennt es nicht? Das Jahr ist noch lange nicht vorbei, die hart erarbeiteten Urlaubstage sind jedoch schon alle aufgebraucht. Für eine bessere Work-Life-Balance bietet das Unternehmen Netflix nun eine Lösung für dieses Problem – und gibt Mitarbeitern die Möglichkeit, sich jederzeit Urlaub zu nehmen und zwar unbegrenzt!

Absolute Zeitsouveränität
Wer wie die Angestellten von Apple, Google, Adobe Systems oder eben Netflix im kalifornischen Silicon Valley arbeitet, hat die perfekte Urlaubslocation quasi direkt vor der Tür. Sommer, Sonne satt und eine traumhafte Küste: Das alles findet man nur wenige Kilometer entfernt von den Hauptsitzen der großen Unternehmen. Da bei einem stressigen Berufsalltag allerdings häufig keine Zeit für Entspannung bleibt, stellt das Streaming Portal Netflix, welches seit 2007 existiert, ihren rund 900 Angestellten diese unbegrenzt zur Verfügung. Kein Vorgesetzter zählt die Urlaubstage und auch geregelte Arbeitszeiten wurden nach langen Überlegungen abgeschafft. Was zählt ist einzig und allein die Leistung, völlig unanbähing davon, wie viel Zeit die Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbringen. Was sich anhört wie eine traumhafte Unternehmensstrategie hat allerdings auch seine Tücken.

Mehr schlecht als recht?
Klar ist: Mit einer solchen Zeitsouveränität muss man umgehen können. Da die Mitarbeiter von Netflix nur für getane Arbeit bezahlt werden kann es schnell vorkommen, dass einzelne Arbeitnehmer viel mehr Aufträge annehmen, als sie es ohne die "Unlimited Vacation Policy“ tun würden – um mehr Geld zu verdienen. Diese Tatsache steigert zwar die Produktivität des Unternehmens und ist gut für den privaten Geldbeutel, die Psyche und die körperliche Fitness des Betroffenen leiden jedoch darunter. Des Weiteren wird den Angestellten des Streaming Portals vorgeschrieben, in ihrer freien Zeit ständig erreichbar und abrufbar zu sein. Folglich können die Mitarbeiter zwar mehr Zeit Zuhause oder im Urlaub verbringen – allerdings nie richtig abschalten. Auch auf die Arbeitsatmosphäre in der Firma kann sich das Modell negativ auswirken. Da sich Mitarbeiter seltener sehen und unterschiedlich lange arbeiten kann es schnell zu Unstimmigkeiten und Neid kommen. Neben Netflix haben auch andere amerikanische Unternehmen das Modell übernommen. Vor allem junge Firmen wie Factual, Pocket oder ZestFinance, welche von Innovation und Kreativität leben, bieten ihren Mitarbeitern unendlich viel Freizeit an.

"Unlimited Vacation Policy“ in Deutschland
Auch Personaler in Deutschland überlegen ständig, wie sie die Zufriedenheit Angestellter durch eine bessere Work-Life-Balance steigern können. Zwar ist eine "Unlimited Vacation Policy“ in Deutschland durch Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften und das Arbeitszeit- und Urlaubsgesetz nur schwer umsetzbar, ähnliche Ansätze gibt es jedoch trotzdem. Durch Gleitzeit können Angestellte in einem festgelegten Zeitfenster entscheiden, wann sie mit der Arbeit anfangen und aufhören wollen. Die vorgegebenen Wochenstunden müssen jedoch eingehalten werden. Des Weiteren bieten immer mehr Firmen ihren Angestellten an, Home-Office zu betreiben. Mitarbeiter dürfen hier selbstständig Zuhause arbeiten und sind nur über Video- und Telefonkonferenz erreichbar. Zwar muss dann auch gearbeitet werden, der strenge Blick des Chefs bei einer kurzen Pause bleibt jedoch aus.

Nicht für alle geeignet
Moderne Strategien zur Verteilung der Arbeitszeit sind sicher nicht für alle Berufsgruppen geeignet. Wer beispielsweise im Service arbeitet muss dann präsent sein, wenn seine Kunden es auch sind. Außerdem wichtig ist, dass mit dem entsprechenden Modell umgegangen werden kann. Für eine flexible Zeiteinteilung ist es zwingend notwendig, dass die Mitarbeiter selbstständig organisieren und die benötigte Zeit einschätzen können. Fazit: Für Menschen denen es gelingt, einen perfekten Mittelweg zwischen konzentrierter Arbeit und Entspannung zu finden, ist die "Unlimited Vacation Policy“ wohl genau das Richtige. Für den Rest ist sie eher ungeeignet. Einen großen Vorteil birgt der begrenzte Urlaub dann doch: Einfach mal abschalten, ohne 24 Stunden für den Vorgesetzten erreichbar zu sein!