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Just Like A Pill - Pink

Erst kam die Realness, dann das Geld...

Die deutsche Rap-Szene...
Kommerz vs. Anerkennung

 

Rap wird von Außenstehenden oft als prollig und stumpf bezeichnet. Mehr Schein als Sein? Kann sein - denn das Bild wird durch das mediale Auftreten einiger Mcs verfälscht. Für viele Leute und Eltern als "assozial" und für Anhänger der Musik-Szene als "kommerziellen Shit" bezeichnet, gehört Gangster-Rap zum wohl bekanntesten Sub-Genre der Szene. Doch will früher oder später nicht jeder MC mit seiner Musik auch Geld machen?

 


Kann man es einem Künstler wirklich übel nehmen, wenn er mit seiner Arbeit Erfolg haben will? Stell Dir vor, Du bringst ein Album heraus, die Szene stürzt sich drauf und nimmt es auseinander. Dann hast Du entweder weitgehend positives Feedback oder wirst als "wack" abgestempelt, als Blender und als kommerzgeil. Es baut sich ein gewaltiger Druck auf, egal ob du Gangster-Rap oder echten Rap machst.

"Was ist denn mit der Realness, wer malt heute noch den Zug?" - Marsimoto

Warum ist Gangster-Rap so krass verpöhnt? Wer sich nicht in der Szene auskennt, regt sich oft über die Texte auf: Gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und ein schlechter Umgangston. Wer genauer hinschaut bzw. hinhört, dem fällt auf, dass durch bestimmte Rhyme-Techniken und Punchlines (Wortspiele), auch diese Art Rap große Kunst bedeuten kann. Oftmals werden die harten Texte einfach zu ernst genommen.

Wer die Szene nicht missverstehen will, dem muss bewusst sein, dass es sich oftmals um fiktive Kunstpersonen handelt und die Texte nicht das wahre Leben des Künstlers, sondern viel mehr eine konstruierte Zwischenwelt widerspiegeln. Wer wirklich denkt, dass beispielsweise Kollegah den ganzen Tag Koks vertickt und Haftbefehl die meiste Zeit im Knast verbringt, hat den Sinn nicht verstanden.

Doch auch in der Rap-Szene stößt G-Rap auf harte Kritik.

 

 

Vor allem Straßenrapper belächeln sogenannte Vorstadt-Rapper und ihre vermeintliche Ghetto-Attitüde.

Aufgrund vieler Fans und wachsenden Erfolgs wurde die Kunstform jedoch immer käuflicher und Rapper wurden von Labels vermarktet. Ganz ehrlich, jeder will mit seiner Arbeit Geld verdienen. Eins ist klar - den Unterschied zwischen Bushido und Kollegah merkt man allemal und auch Gangster-Rap kann gut sein, wenn man dazu bereit ist, sich auf die Texte und den Style einzulassen und das ganze nicht zu ernst nimmt.

"Du sagst ich bin zu viel auf Realness fixiert? Du bist ja schon von Fake MCs inspiriert" - Retrogott

Bild: Marius Göesl @ 2punkt1.de
Bild: Marius Göesl @ 2punkt1.de
Der Hype um Cro und Casper ist nicht unbegründet, denn sie sind beide wirklich gute Rapper und extrem talentiert. Wenn man auf die Vermarktung schaut, unterscheiden sie sich nicht im Geringsten von anderen Gangster-Rappern. Mit ihren emotionalen Texten und den Indie-Beats finden sie vor allem in der Hipster-Szene viele Anhänger. Casper kreierte einen riesigen Wirbel um sein Album "XOXO" und sprengte damit die Charts.  Wo ist da der Unterschied zm Gangster-Rap? Objektiv gesehen gibt es keinen, doch auch hier ist zu sagen: Warum damit nicht Geld verdienen, wenn es den Leuten doch gefällt?

"Ein Gangsterrapper ist kein Gangster oder ist ein Müllmann Müll?" - Retrogott

Natürlich gibt es Mcs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Authentizität der Texte zu gewährleisten. Dazu gehören "Huss und Hodn", "Sylabill Spill" oder "Tufu". Die Texte handeln weitgehend davon, wie sich die Rap-Szene verkauft, und wie wack das alles ist.

Doch die genauere Betrachtung dessen lässt vermuten, dass dieses Vorhaben, sich vom Rest abzuheben, mit einer Marketingstrategie vergleichbar ist.

 

Klar gibt es einige Rapper, bei denen man wirklich nichts aussetzen kann, doch die haben dann einfach keine Kohle.


Man muss klar und deutlich differenzieren, ob ein MC einfach nur rappen oder Cash machen möchte. Im Grunde könnte man jeden Rapper kritisieren - egal ob Real, Gangster oder Hipster: Wer sagt, man sollte nur Underground-Rap unterstützen und Wangsta-Rap boykottieren, widerspricht sich selbst. Sobald Musik von vielen gehört wird, bekommt sie auch werbliche Aufmerksamkeit.
Ob Du jetzt lieber Kollegah, Cro oder Huss und Hodn hörst, ist dir überlassen. Wenn man immer nur nörgelt was kommt dann in ein paar Jahren dabei raus? Ein Rapper der einen Hipster-Rapper disst, der zuvor über Gangster-Rap abkotzte?

Am Ende entscheidet die persönliche Meinung darüber, was der heißeste Scheiß ist...

bigFM Comments

Meiner Ansicht nach war Rap schon seit seiner Entstehung eine Art Rebellion. Eine Rebellion gegen den Pathos und den Irrealismus der zeitgenössischen Musik, ihrer Bestrebung, den Menschen zu gefallen und schön zu sein, während doch gleichzeitig nur verkrampft an der Oberfläche gekratzt wurde.
Rap war für mich immer boshafter Natur, eine Art Gegengewicht der "schönen" Künste, ein Feind der Massentauglichkeit, er sollte schonungslos und gemein sein, anecken, in Wunden stochern und Narben aufreißen, er sollte deine Arbeit, deine Freunde, ja deine ganze Existenz in Frage stellen, er sollte deine Frau ficken, dein Gras rauchen und in deine Zimmerecke pissen! Rap ist böse, keine Frage, und genau so soll es auch bleiben. Ich finde es furchtbar, wenn Künstler ihre Musik freundlicher, oder moderner oder wasauchimmerner machen, um mehr Menschen damit zu erreichen, denn damit belügen sie sich selbst und den Konsumenten. Letzte Worte: Guter Rap gedeiht im Dreck, so war es und so wird es bleiben. Gutes Gelingen

Schön zu sehen, dass ihr ein Radio machen wollt, das alle Facetten des deutschen Raps abdeckt, auch die, die sonst eher unscheinbar und ohne große Aufmerksamkeit von der Allgemeinheit großartige Lieder und Alben machen. (Gemeint sind vor allem Morlockk/Hiob/Yassin/Audio88/JAW/Maeckes/H&H) Diese(und andere) Künstler verdienen eine stabile Plattform, auf der sie sich durch ihre Musik verbreiten und ihr Netzwerk erweitern können, denn viele, vor allem jüngere Rapfans haben noch nie etwas oder nur oberflächlich von den oben genannten Künstlern gehört. Was ja auch logisch ist, denn was hauptsächlich auf MTV und VIVA gezeigt wird, sind Industrieprodukte, die nicht sagen was sie meinen, sondern das darstellen was momentan am besten zu funktionieren scheint, während kritischer und ehrlicher Rap eher selten mit Aufmerksamkeit belohnt wird.
Neue Trends wie der Hipster- Rap sind zwar mAn inhaltlich interessanter als der übliche Straßen- oder Ghettorap, aber hat dieselbe Massentauglichkeit und Vermarktung,

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Videos der verschiedenen Rap-Genres

Ob Gangster-, Backpack-, Intelligent-, Hipster- oder "realer" Rap, die deutsche Szene hat einiges zu bieten.

 

 

Rap und Kommerz:

 

Was bedeutet eigentlich Kommerz in diesem Kontext? Es geht darum, dass ein Künstler sich verkauft. Soll heißen, er macht nicht mehr das, was er eigentlich machen möchte, sondern lässt sich vom Label verschiedene Vorgaben geben. Zum Beispiel: Was er in seinen Texten sagt, wie er sich kleidet, wie er sich in Interviews gibt und wie er sich allgemein verhält. Es soll damit bezweckt werden, dass der jeweilige Rapper perfekt vermarktet wird und dadurch möglichst hohe Verkaufszahlen bekommt.

 

Videos der einzelnen Rap-Genres:  

 

Wir fangen an mit Gangster- bzw. Zuhälter-Rap. Als Beispiel nehmen wir Kollegah und Farid Bang. Die Texte sind prollig und hart, jedoch zeichnen sie sich vorallem durch ihre Stilistik und der Verwendung von komplexen Punchlines aus.

 

Kollegah - Big Boss! 


Farid Bang - Pusher!  


Kommen wir zum Hipster-Rap. Hier nehmen wir als Beispiel Casper. Auffällig ist der für Rap eher untypische Indie-Beat. Casper zeichnet sich vorallem durch seine emotionalen und stilistisch sehr komplexen Texte aus.

 

Casper- Auf und Davon!


Es gibt immer noch einige Rapper, die die Realness verkörpern möchten. Zum Beispiel Huss und Hodn und Tufu. Die Beats unterscheiden sich krass vom Rest. Jazz-Samples und Oldschool steht hier an erster Stelle. Die Texte sind mit Witz und Kritik versehen.

 

Huss und Hodn - Rap scheisst auf dich!


Last but not least, der etwas intelektuellere Rap. Beispiel Audio88, Yassin und Hiob. Audio und Yassin sind besonders auffälig, da sie nicht reimen, die Texte aber extrem komplex und anspruchsvoll sind. Hiob sticht vor allem durch seine Stimme heraus.

 

Audio88 & Yassin feat. Hiob - Nichts!

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