Immer noch ein Tabu: Hip-Hop und Homosexualität scheinen sich auszuschließen. Warum eigentlich?
Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre eine Frau im Kanzleramt, ein Schwarzer an der Spitze Amerikas undenkbar gewesen. Solche Entwicklungen sind Statements einer Politik mit Vorbildcharakter, Abbildung einer Gesellschaft mit Willen zur Veränderung. Neben Geschlecht und Herkunft war auch immer die sexuelle Orientierung ein Faktor für Anfeindungen und Ausschluss. Und so sehr Politik und Verbände sich um Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben bemühen: Es existieren weiterhin Domänen, die sich erstaunlich resistent zeigen. Dazu gehört ganz sicher Black Music - Hip-Hop oder R&B waren und sind schwulenfreie Zone. Warum die G-Unit nie "Gay-Unit" sein könnte und "Wu Gay Clan" nothin' to fuck with wäre...
von enno küker
Rap - die Musik der harten Jungs. Kein anderes Genre rödelt so auf Klischees vom starken Mann herum. Frauen sind Diener, Feinde nur Opfer. Gefängnisjahre gleichen Glaubwürdigkeit, die protzige Karre entspricht dem Ego. Mehr Cash, mehr Bling, mehr Bitches - immer dicker unterwegs als der andere. Der Erfolg wird materialisiert und präsentiert - es geht darum zu zeigen, wer es geschafft hat: vom Bordstein zur Skyline, der klassische Traum vom Kind der Straße zum König der Welt. Das hat etwas sehr Archaisches. Dem Herrscher steht es zu, sich in Schätzen zu begraben und mit willigen Dienerinnen zu umgeben - und gegen andere Herrscher Krieg zu führen. Das ganze Bloods/Crips-,Westcoast/Eastcoast-Gekloppe dient vor allem der Revierverteidigung - die meisten Gangs wissen nicht mal mehr, worum es beim anfänglichen Konflikt eigentlich ging.
Das alles, muss man deutlich sagen, hat erst einmal gar nichts mit Hip-Hop als Musik zu tun. Weit nicht jeder Rapper ist ein Krimineller und auch nicht jeder Krimineller ein Rapper. Doch Rap wuchs mit den amerikanischen Ghettos. Viele Rapper verzahnen ihre Rhymes fest mit dem zwielichtigen Straßenleben. Hip-Hop verkauft oft also auch einen Lifestyle - und der kann sich gleichgeschlechtliche Liebe offenbar nicht leisten.
Wie reflexartig werden musikalische Rivalen als "Schwuchteln" oder "Homos" abgetan - so als ob die Sexualität die Skills beeinträchtigen könnte? Der Diss funktioniert, weil der Angegriffene mit allgemein eher femininen Eigenschaften in Verbindung gesetzt wird. Der klassische Rapper ist aber eben ein harter Hund, für den ein maskulines Image wichtig ist. Der deutsche Shootingstar Casper sagt in einem Interview: "Du kannst im heutigen Hip-Hop nur noch mit zwei Dingen schocken: Gott hassen - oder schwul sein."
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Erstaunlich, wie sich so ein Wertebild mit erzkonservativen Ansichten deckt: Verurteilung von Gotteszweifeln und gleichgeschlechtlicher Liebe klingt verdammt nach katholischer Kirche und rechten Republikanern. Die haben natürlich erst einmal wenig mit Ganxta-Rappern zu tun. Gemeinsam haben sie offensichtlich festgefahrene Vorstellungen von Geschlechtern und deren Rollen.
Es gibt einige wenige Rapper, die sich offen gegen diese ungeschriebenen Gesetze wehren (lies rechts mehr darüber) - und das schon seit 1986, als der Hip-Hop in den Kinderschuhen steckte! Doch zu schnell war das archetypische Image verankert und vermarktet, zu sehr widersprach sich die Wahrnehmung von Hip-Hop und Homosexualität. Selbst wenn ein Rapper sich outen wollte, große Plattenfirmen würden es unterbinden - denn das verkauft sich nicht.
Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass es definitiv schwule oder bisexuelle Rapper gibt - auch im Kreis der ganz großen Namen. Dafür halten sich Gerüchte schon viel zu lange, sind zu viele explizite Insiderstories im Umlauf. Es scheint fast, als ob jeder in der Industrie Bescheid wisse, aber alle zusammen schweigen. Das ist traurig, aber Realität. Ist es nicht längst überfällig, dass ein mutiger Mainstream-Rapper mal den entscheidenden Schritt nach vorne wagt?
Asher Roth: Weiß & am College? Muss schwul sein!
"Willst Du auf was zurückblicken können, wenn Du erst mal unter der Erde bist?! Ein paar kleine Schritte gegen die Homophobie im Hip-Hop zu machen wäre mehr wert als Deine ganzen Songs", rät Hamilton Nolan von gawker.com den Gay Diddys da draußen. W0rd!
Hip-Hop und Homos - geht das? Das wollen wir von Dir wissen!
Klar sind Schwulen-Storys in der maskulinen Rap-Szene gefundenes Fressen. Letztens wieder ordentlich angeheizt durch das Buch "Hiding in Hip Hop". Da erzählt ein Hollywood-Insider von geheimen Dates, privatem Studio-Techtelmechtel und wilden Männerpartys - zwar ohne Namen, aber mit mehr oder weniger deutlichen Anspielungen. Die wildesten Spekulationen:
Sean "Diddy" Combs plantscht wohl auch gern mit Jungs.
Gerüchte ranken sich um ein sehr explizites Tape von Diddy und dem Rapper Loon. Und es existieren, wenn auch verschwommene, Fotos von einer Poolparty, auf denen ein Diddy verdammt ähnlich sehender Typ verdammt schwule Sachen macht... Hat sein Zahnstocher vielleicht doch symbolische Bedeutung?
Method Man & Redman sollen hin und wieder lieber kuscheln statt kiffen. So wirklich Beweise gibt's dafür nicht, aber viele scheinen dem reinen Sandkastenkumpel-Tum nicht zu trauen. Da würde der Begriff 'tiefe Freundschaft' natürlich eine ganz neue Dimension bekommen...
Das Bett rocken sie vielleicht zusammen, das Mic aber auf jeden Fall! Check bei uns den neuesten Track von Method Man & Redman! zum song
Busta Rhymes busted wohl gern Boys. Anscheinend hat er seinen Zögling Spliff Star nicht nur unter seine Fittiche, sondern auch liebend gern mit ins Bett genommen. Obwohl er ständig schwulenfeindliche Sprüche und anscheinend auch mal homosexuelle Fans kloppt. Hat da einer was zu kompensieren?
Ja, es gibt sie: Schwule Rapper. Die Homo-Hop Community ist sogar recht groß - wird vom Mainstream aber kaum wahrgenommen.
They keep it real. Too real for Hip-Hop?
Angriff ist die beste Verteidigung. Frustriert vom ständigen Versteckspiel mit der Rap-Szene und ihrer eigenen Sexualität beginnen schwule und lesbische MC's über das letzte Jahrzehnt hinweg, sich in Collectives zu organisieren - und ihre Orientierung offen und laut zu vertreten. Bekannteste Rapper und Pioniere sind Juba Kalamba und der HIV-positive Tim'm West (oben), die in San Fransico das 'Deep Dickollective' ins Leben rufen. Ihre Auftritte stoßen zunehmend auf Begeisterung, andere Künstler trauen sich, öffentlich schwul zu sein - 2002 findet das erste 'PeaceOUT World Homo Hop Festival' statt, das aufgrund des großen Erfolgs auch in den Jahren darauf wiederholt wird. So wächst die HomoHop-Community weiter und weiter. Ihre Entstehung wird 2006 in der Doku 'Pick Up the Mic' dokumentiert:
So begrüßenswert es auch ist, dass diese Künstler für ihre sexuelle Orientierung einstehen: HomoHop bleibt leider eine Nische. Musik von Schwulen für, größtenteils, andere Schwule. Die Rapper sind von Charts und Mainstream weit entfernt.
...und The Game will auch noch was sagen!
"Schwule sind gefährlich!"
Der Rapper fordert alle schwulen Kollegen auf, sich endlich zu outen. Das tut er allerdings nicht, weil er sich um mehr Toleranz bemüht. Viel mehr sei es doch gefährlich für andere, wenn man nicht zu seiner wahren Sexualität steht!

"Das Mädchen, was du verarschst, kriegt dann AIDS von dir und daran kann man sterben... und dieser Mist verteilt sich dann immer weiter, wenn das Mädchen dich vielleicht verlässt und einen anderen Typen findet, der nicht schwul ist und den dann auch ansteckt." Aha! Danke, Game, für diese Lektion in Sachen Safer-Sex.
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