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ePrivacy geht an den Umsatz

von bigFM Trends /

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Credit: daviles / Adobe Stock

Was die EU da plant,  klingt ja gut. Per neuem Gesetz soll die elektronische Kommunikation besser geschützt werden. Noch wird heftig gestritten und vor Mai passiert wohl nichts. Und dennoch: Die Experten sehen durch neue Regeln im Umgang mit Daten enorme Probleme. Ein Interview mit dem Leiter Digital Business bei bigFM, Aleksandar Rustemovski.

Aleks, was sind die wichtigsten Änderungen durch der geplante neue EU-Verordnung?
Die geplante e-Privacy Verordnung hat das eigentlich richtige Ziel, alle europäischen Internetnutzer davor zu vor schützen, dass ihre Daten ohne ihr ausdrückliches Einverständnis gesammelt und weitergegeben werden. Im Detail geht es insbesondere um diese Punkte:

1. Online-Kommunikationsdienste wie z.B. Whatsapp oder Facebook-Instant Messanger sollen zukünftig nicht ohne Einverständnis die anfallenden Daten über das Verhalten der Nutzer (z.B. wann wird wie lange mit wem gechattet) zu Vermarktungszwecken nutzen können. Außerdem sollen die persönlichen Kommunikationen einer End-to-End Verschlüsselung unterliegen, damit niemand anderer als der User selbst diese entschlüsselt kann
2. Das Offlinetracking analoger Bewegungen (z.B. über das Handy-GPS) soll besser reguliert werden und zeitlichen und räumlichen Begrenzungen unterliegen.
3. Anbieter von Kommunikationsdiensten sollen zukünftig zu mehr Transparenz über staatliche Zugriffe verpflichtet werden.
4. Das Surfverhalten der User soll zukünftig nur noch sehr eingeschränkt und mit explizitem Einverständnis für jedes einzelne Tracking-Verfahren erfolgen können. Außerdem sollen in allen Browsern die Datenschutzeinstellungen ab Werk auf das Maximum gesetzt werden, so dass die User alle potentiellen Trackingmaßnahmen quasi proaktiv freigeben müssen. Darüber hinaus soll verboten werden, sogenannte „Tracking Walls“ einzurichten, mit denen die Webseitenbetreiber den Usern das Surfen auf dem jeweiligen Angebot nur bei Einverständnis zu den Trackingmaßnahmen ermöglichen würde.

Es gibt Kritiker die sagen, dass die EU über das Ziel hinausschießt, siehst du das auch so?
Ja, das sehe ich absolut auch so! Das eigentlich vernünftige Vorhaben geht insbesondere bei den Tracking- und Cookie-Richtlinien viel zu weit. Natürlich sollen die User selbst entscheiden können, ob sie ihre Daten und ihr Verhalten im Netz tracken lassen wollen oder nicht. Aber bei eh schon pseudo-anonymisierten Daten, die im Grunde lediglich das anonyme Surfverhalten der User wiedergeben, sollte der Gesetzgeber keine  massiven gesetzlichen Einschränkungen einrichten. Dass, sollte die Verordnung tatsächlich in Kraft treten, zukünftig sogar eine Reichweitenmessung unmöglich gemacht werden würde, ist dabei die Krönung. Das würde den gesamten digitalen Werbemarkt in Europa enorm schaden und für eine Intransparenz sorgen.

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Aleksandar Rustemowski, Leiter Digital Business

Welche Tipps hast du für die Betreiber von Websites, die auf die Auswertung personenbezogener Daten angewiesen sind?
Zunächst einmal gilt es Ruhe zu bewahren und abzuwarten, ob die EU-Verordnung tatsächlich in allen Punkten umgesetzt werden wird. Auf jeden Fall sollte man sich aber schon einmal eingehend mit dem Thema beschäftigen und sich die potentiellen Konsequenzen vor Augen führen. Außerdem kann es für viele Website-Betreiber der richtige Weg sein, ein Login für seine Webseitenbesucher anzubieten, wenn dies nicht schon vorhanden ist. Denn mit den AGBs, die mit der Anmeldung einhergehen, können die meisten Hindernisse bereits aus dem Weg geräumt werden.

Laut einer Studie werden allen Webseiten-Betreibern zusammengerechnet weit über 300 Millionen € Schaden entstehen. Was sind die größten Gefahren?
Die Gefahren liegen auf der Hand. Zum einen kann es keine ordentliche Vermarktung geben, wenn es keine einheitliche externe Reichweitenerhebung mehr gibt. Darüber hinaus wären zukünftig so gut wie alle personalisierten Werbeformen ad Acta gelegt. Das würde dazu führen, dass digitale Werbung immer ineffektiver werden würde und die Werbetreibenden stattdessen dies durch noch höhere Reichweiten ausgleichen müssten. Das würde wiederum zu immer mehr billiger Werbung führen, die immer seltener mit den Interessen der Werberezipienten übereinstimmen würden. Das ist schlecht für alle Seiten! Die einzigen, die hiervon profitieren, sind Facebook, Google, Microsoft, Amazon & Co. Diese großen Player, die jetzt schon fast den ganzen digitalen Markt unter sich aufteilen, würden sehr davon profitieren, dass sie innerhalb ihrer eigenen geschlossenen Systeme und über ihre AGBs allen e-Privacy Anforderungen mit Leichtigkeit entsprechen würden. Dies würde dann zwangsläufig dazu führen, dass die Internet-Giganten noch mehr vom Werbekuchen abbekommen, und kleinere Angebote es noch schwerer haben.

In wieweit ist die Datenschutzgrundverordnung tangiert?
Die ab Mai geltende neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sollte man davon völlig unabhängig betrachten. Hierbei geht es insbesondere um den verantwortungsvollen Umgang mit gespeicherten User-Daten. Dies kann man sicher auch kontrovers diskutieren, insbesondere was den damit zusammenhängenden Aufwand angeht, aber grundsätzlich stellt dies keine Gefahr für die Werbefinanzierung einer Webseite dar.

Wenn Sie mehr über digitale Strategie oder digitale Kampagnen mit dem digitalen Medienhaus bigFM erfahren wollen, dann wenden Sie sich jederzeit gerne an die Experten von bigFM-TRENDS.
 

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