Island verabschiedet als erstes Land weltweit ein Gesetz für Lohngleichheit

von bigFM Staff / 03.01.2018 - 12:55

Ende der "Gender Pay Gap" bis 2022

In vier Jahren will Island die Löhne aller Männer und Frauen angeglichen haben und somit der Gender Pay Gap ein Ende setzen. Unternehmen, die dieses Gesetz missachten, machen sich strafbar. 

Deutschland als Schlusslicht
Wie die EU-Kommission mitteilt, verdienen Frauen Durchschnittlich etwa 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit sichert sich Deutschland als wirtschaftstarkes Land Platz elf der 28 EU-Länder, die die Gender Pay Gap, also die Geschlechterbezogene Einkommenslücke, fördern. 

Lohngleichheit 
Island hingegen kämpft seit mehreren Jahren gegen dieses Problem im eigenen Land an und will hat es sich zum Ziel gemacht, ein nationales Gesetz zu verabschieden, dass bis 2022 Lohngleichheit herstellen soll. Im weltweiten Ranking des Gleichstellungsberichts des Weltwirtschaftsforums ist der nordische Inselstaat bereits zum neunten Mal in Folge auf Platz eins gelandet. Und das nicht ohne Grund, denn seit dem Beginn der Berichte des "Global Gender Gap Reports" im Jahr 2006 hat Island rund zehn Prozent seiner gesamten geschlechtsspezifischen Ungleichheiten beseitigt. 

Bei Missachtung drohen Strafen
Isländerinnen verdienen, laut Untersuchungen des statistischen Instituts "Statistics Iceland" bis dato durchschnittlich 14 bis 18 Prozent weniger als Männer. Mit Verabschiedung des neuen Gesetzes sollen Unternehmen und Regierungsbehörden mit mehr als 25 Mitarbeitern vom Staat kontrolliert werden. Zudem fordert Island eine staatliche Zertifizierung der Lohngleichheitspolitik. Halten sich Arbeitgeber nicht an das Gesetz, drohen empfindliche Strafen. "Die Zeit ist reif, um mal etwas Radikales in diese Richtung zu unternehmen", verdeutlicht der isländische Sozialminister Þorsteinn Víglundsson seine Haltung gegenüber der Entscheidung, Frauen und Männern dieselben Löhne auszuzahlen.

Mögliche Gründe für Lohndifferenz
Wie erklärt sich der massive Gehaltsunterschied der Geschlechter in einem Land wie Deutschland? Laut einer Studie des Frankfurter Soziologen Fabian Ochsenfeld ist der Unterschied der Bezahlung im Job an zwei Variablen festzumachen. Zum einen anhand der Studienwahl, zum anderen an der Familenplanung. "Frauen entsteht ein deutlicher Karrierenachteil durch geschlechtsspezifische Muster bei der Wahl des Studienfachs", so Ochsenfeld.

Lücke muss geschlossen werden
Frauen wählten demnach oftmals Studienfächer der Sozial- oder Geisteswissenschaften. Männer hingegen Ingenieur- und Naturwissenschaften. Letztere bieten bessere Karrierechancen. "Als noch bedeutsamer erwiesen sich die für Männer und Frauen sehr unterschiedlichen Folgen einer Familiengründung", erklärt Ochsenfeld weiter. Zudem sind die Auswirkungen der Familienpolitik auf Frauen und die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen ebenso Grund für die sogenannte "Mother Gap", also die Hauptursache. 
Die EU-Gleichstellungskommissarin Věra Jourová verdeutlicht abschließend, dass die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern geschlossen werden muss, "denn wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ist ihr bester Schutz vor Gewalt".